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Umsetzung des Atomabkommens: Iran ist am Zug

Drei Monate nach Abschluss des historischen Atomabkommens mit dem Iran hat die heiße Phase der Umsetzung begonnen. Heute verstrich die 90-Tage-Frist nach Annahme der Vereinbarung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Von diesem Zeitpunkt an («Adoption Day») ist die Islamische Republik gehalten, ihr Atom-Programm zurückzufahren.

«Jetzt ist die Frage, ob der Iran zeigt, dass er seine Verpflichtungen erfüllt», sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei einem Besuch in Teheran. US-Präsident Barack Obama wies seine zuständigen Ministerien an, die nötigen Schritte zu einer etwaigen späteren Aufhebung der amerikanischen Sanktionen einzuleiten. Die US-Regierung machte unmissverständlich klar, dass der Iran erst nach der Umsetzung der Vereinbarung mit einer Rücknahme der Strafmaßnahmen rechnen könne.

Die Vereinbarung regelt unter anderem, dass der Iran seinen Bestand an angereichertem Uran von 12 000 Kilogramm auf 300 Kilogramm verringern muss. Außerdem ist der im Bau befindliche Schwerwasserreaktor Arak, der waffenfähiges Plutonium hätte erzeugen können, zu einem Leichtwasserreaktor umzurüsten. Der Iran muss sich auch Auflagen für seine Forschung im Atombereich gefallen lassen. Das Abkommen gilt zehn Jahre, einzelne Teile auch bis zu 25 Jahre.

Ziel des am 14. Juli in Wien geschlossenen Deals ist, dem Iran jeden Weg zum Bau einer Atombombe zu versperren. Die Vereinbarung der 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich sowie Deutschland mit Teheran könnte die Beziehungen zwischen dem Westen und den fast 80 Millionen Persern wieder normalisieren.

Der Iran hat stets bestritten, Atomwaffen bauen zu wollen. Die Regierung in Teheran verfolgt jetzt das Ziel, dass der Westen alle Sanktionen unter anderem im Öl-Sektor aufhebt. Sie hätte dann auch Zugriff auf weit mehr als 100 Milliarden Dollar, die auf eingefrorenen Konten liegen.

Über die Aufhebung der Sanktionen gegen Teheran wird nach dem vereinbarten Zeitplan vermutlich erst 2016 entschieden. «Das wird sicherlich nicht vor Ende Januar der Fall sein», sagte Steinmeier. «Insofern haben wir jetzt ein Vierteljahr vor uns, in dem es um die Erfüllung der Verpflichtungen geht. Wir werden das sehr genau beobachten. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.»

Angesichts der vereinbarten beispiellos strengen Überwachung werde die Welt sehr genau wissen, ob der Iran das Abkommen verletze, meinte US-Außenminister John Kerry am Samstag in einem Vortrag an der Universität von Indiana. «Falls ja, werden wir sie stoppen, durch Wiedereinsetzen der Sanktionen oder durch andere Mittel», bekräftigte Kerry.

Die einzelnen Punkte des «Gemeinsamen umfassenden Umsetzungsplanes» (JCPOA) werden von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) überwacht. Sobald die Organisation die Einhaltung bestätigt, sollen die Sanktionen fallen. Dieser Stichtag wäre dann der «Implementation Day».

Im Fall von Streitfragen soll eine gemeinsame Kommission aus Vertretern aller beteiligter Staaten eine Lösung finden. Dieses Gremium hat seine konstituierende Sitzung am Montag (19.10.) in Wien. Bei dem mehrstündigen Treffen wird es nach Angaben eines hohen US-Regierungsbeamten um die Einsetzung von Arbeitsgruppen gehen.