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UN: 3600 Tote in der Ukrainekrise

Trotz der vereinbarten Waffenruhe sind bei blutigen Gefechten in der Ostukraine im vergangenen Monat Hunderte Zivilisten und Kämpfer getötet worden. Mindestens 331 Menschen seien allein seit Beginn der Feuerpause Anfang September in der Unruheregion ums Leben gekommen.

Das teilten die Vereinten Nationen mit. Die Zahl der Toten in dem Konflikt zwischen der prowestlichen Führung in Kiew und prorussischen Separatisten sei damit auf mindestens 3660 gestiegen, wie aus einem Bericht des UN-Büros für Menschenrechte hervorgeht. Etwa 8800 Menschen seien verletzt worden.

Zur Unterstützung der notleidenden Menschen in dem Konfliktgebiet traf der Hilfskonvoi der Bundesregierung in Kiew ein. 98 Lastwagen hätten die Hauptstadt bereits erreicht, die restlichen 14 Fahrzeuge seien auf dem Weg in die Metropole, sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew.

Die Unterstützung für den Donbass - unter anderem Heizgeräte und Decken - soll nächste Woche verteilt werden. Die Bundesregierung prüft zusätzlich eine Mission deutscher Soldaten zur Überwachung der brüchigen Waffenruhe in der Region.

Allerdings äußerten sich die moskautreuen Aufständischen skeptisch über einen verstärkten Einsatz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit Überwachungsdrohnen. Es bestehe der Verdacht, dass die Erkenntnisse der OSZE-Beobachter dem ukrainischen Militär einen strategischen Vorteil verschaffen könnten, sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenko in Donezk.

Die OSZE, mit deren Mandat dann wohl auch Bundeswehrsoldaten Dienst tun würden, müsse genau über ihre Ziele aufklären. Die OSZE in Kiew sprach von einer «zunehmend verschärften Lage» in der Ostukraine. «Die Situation verschlechtert sich täglich», sagte ihr Sprecher Michael Bociurkiw.

Der Stadtverwaltung in der Separatistenhochburg Donezk zufolge starben in der Nacht zum Mittwoch drei Zivilisten, vier weitere Menschen wurden verletzt. Lyssenko vom Sicherheitsrat sprach zusätzlich von drei getöteten Soldaten. Zwölf weitere Armeeangehörige wurden bei Gefechten in der Ostukraine verletzt.

Trotz der wiederholt aufflammenden Kämpfe bewertet Russland die Entwicklung im Unruhegebiet aber positiv. «Niemand hat damit gerechnet, dass die Waffenruhe von der ersten Minute an umgesetzt würde», sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Die Zusammenstöße zwischen den Konfliktparteien würden Beobachtern zufolge abnehmen. Lawrow forderte die Führung in Kiew zu einem «nationalen Dialog» über eine Beilegung der tiefen Krise auf.

In Genf bezeichnete der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Said Raad al-Hussein, die Waffenruhe als «sehr willkommenen Schritt zur Beendigung der Krise» in der Ostukraine. «Ich fordere alle Parteien dazu auf, diese ernsthaft zu respektieren und aufrechtzuerhalten und die Angriffe auf Zivilisten und die zivile Infrastruktur ein für alle Mal zu stoppen», sagte er.

Die Zahl der von dem Konflikt betroffenen Zivilisten bezifferte Al-Hussein auf mehr als fünf Millionen. Er forderte, dass alle Menschenrechtsverletzungen rückhaltlos untersucht und verfolgt werden, darunter der Beschuss von Zivilisten, Morde, mutmaßliche sexuelle Gewalt sowie die Misshandlung von Gefangenen.