Angelina Jolie bei Flüchtlingen im Jemen
Hollywood-Schauspielerin und UN-Sonderbotschafterin Angelina Jolie (l) unterhält sich mit vertriebenen jemenitischen Frauen in Al Kandam. Marwan Tahtah/UNHCR via AP/dpa
Nahrungsknappheit

UN wirbt mit Angelina Jolie um Spenden für Jemen

Im Jemen hungern immer mehr Menschen, und den Vereinten Nationen geht das Geld aus. Die Lage ist verheerend. Das hat auch mit der Krise in der Ukraine zu tun. Schauspielerin Angelina Jolie engagiert sich.
dpa
Genf

Die Vereinten Nationen haben einen Spendenaufruf für das Bürgerkriegsland Jemen gestartet. Bei einer Geberkonferenz mit US-Schauspielerin Angelina Jolie in Genf wollen sie am Mittwoch 3,9 Milliarden Euro für das ärmste Land auf der arabischen Halbinsel zusammenbringen.

Von den 32 Millionen Einwohnern hungern viele. Die Lage sei nach sieben Jahren Krieg und dem Zusammenbruch der Wirtschaft verheerend, sagte UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths. Hollywood-Star Jolie ist Botschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Vor kurzem hat sie den Jemen besucht.

Not wird größer

Die Vereinten Nationen fürchten, dass wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine andere Krisen in den Hintergrund geraten. Bislang gebe es zwar keine Anzeichen, dass Regierungen Geld umlenkten, aber das Geld für den Jemen gehe aus, sagte Griffiths. Ein bisheriger Spendenaufruf war bis Mitte März nur zu 0,4 Prozent gedeckt. „Ich fürchte, es wird ein Todesurteil für Menschen sein, wenn wir das Spendenloch nicht füllen”, sagte der UN-Experte. 2021 kamen für den Jemen gut 2,2 Milliarden Euro zusammen.

Nach UN-Einschätzung wird sich die Not im Jemen und in anderen Krisengebieten durch den Ukraine-Krieg verschlimmern. Das Land importiere ein Drittel seines Weizens aus Russland und der Ukraine. Steigende Preise machten es den Menschen dort noch schwerer, sich zu ernähren. Schon 2021 hätten sich die Lebensmittelpreise fast verdoppelt.

Krieg fordert Hunderttausende Menschenleben

Im Jemen tobt seit 2015 ein Bürgerkrieg. Ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis kämpft an der Seite der Regierung gegen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen, die 2014 die Hauptstadt Sanaa überrannten und wichtige Einrichtungen besetzten. Mehr als 370.000 Menschen kamen nach Schätzungen in dem Konflikt ums Leben, Millionen sind im eigenen Land vertrieben. Friedensbemühungen scheitern seit Jahren.

Von den 32 Millionen Einwohnern sind nach UN-Angaben gut 23 Millionen auf Hilfe angewiesen. 20 Millionen von ihnen lebten schon 2021 in extremer Armut – mussten also mit weniger aus 1,70 Euro pro Person am Tag auskommen. 2,2 Millionen Kinder seien stark unterernährt, eine halbe Million in lebensbedrohlichem Zustand, berichtete die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) gerade. Nur die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen funktionieren. Alle zwei Stunden stirbt eine Frau bei Komplikationen während der Geburt.

© dpa-infocom, dpa:220316-99-536772/4

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