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Unwetter wüten auf Sardinien - Zahl der Toten steigt

Schwere Unwetter haben auf der italienischen Insel Sardinien gewütet und mindestens 18 Menschen in den Tod gerissen. Tausende mussten wegen der sintflutartigen Regenfälle ihre Wohnungen verlassen.

Straßen wurden überschwemmt, Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Hunderte Rettungskräfte waren auch am Dienstag unermüdlich im Einsatz. Die französische Nachbarinsel Korsika wurde kaum in Mitleidenschaft gezogen. In Monaco wirbelten starker Regen und heftige Böen den Nationalfeiertag durcheinander. Fürst Albert II. und Fürstin Charlène blickten zum großen Fest im kleinen Fürstentum am Mittelmeer auf verlassene Straßen.

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta sprach bei Sardinien von einer «nationalen Tragödie». EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso brachte seine Trauer zum Ausdruck, Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, rief zu einer Gedenkminute auf.

Am Dienstag war die offizielle Opferzahl ständig gestiegen: Umweltminister Andrea Orlando bestätigte am Nachmittag die Zahl von 18 Toten. So starben etwa ein Polizeibeamter sowie ein Ehepaar und eine weitere Frau beim Einsturz einer Brücke.

Die Unwetterfront «Cleopatra» war am Montag über die Urlauberinsel gezogen und hatte Flüsse in reißende Fluten verwandelt. Straßen wurden unpassierbar, Züge konnten nicht weiterfahren. Flüge und Fähren waren verspätet. Teilweise fiel der Strom aus. Schulen und Behörden blieben vielerorts geschlossen. Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht.

Ein großer Teil der rund 55 000 Einwohner zählenden Stadt Olbia im Norden der Insel stand unter Wasser. Teilweise fiel der Strom aus. Der Flughafen der Stadt war vorübergehend gesperrt worden.

Die Höhe der Schäden blieb zunächst unklar. Die Regierung von Ministerpräsident Letta verhängte den Ausnahmezustand und kündigte Soforthilfen von 20 Millionen Euro an. Der Präsident der Region, Ugo Cappellacci, sagte in einem Telefoninterview mit Rai News: «Die Situation ist leider wirklich dramatisch.» EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zeigte sich «zutiefst geschockt» und drückte den Familien sein Mitgefühl aus.

Zwei Frauen im Alter von 64 und 90 Jahren kamen in ihren überschwemmten Wohnungen ums Leben. Aus einem Keller in der Kleinstadt Arzachena wurde eine vierköpfige brasilianische Familie tot geborgen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Eine Mutter wurde mit ihrer Tochter im Auto von den Fluten mitgerissen, für beide kam jede Hilfe zu spät.

Hatten die Behörden rechtzeitig vor der Tragödie gewarnt und entsprechend gehandelt? Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, behauptete, das Alarmierungssystem habe gut funktioniert. Der PD-Abgeordnete Michele Anzaldi sagte dazu aber: «Die Wetterwarnung des Zivilschutzes ist am Sonntagnachmittag in Umlauf gebracht worden. Was ist danach in dem Gebiet geschehen?»

Zudem wurde Kritik laut, es sei zu wenig auf Hochwasserschutz geachtet worden. Die Versiegelung von Flächen verschärfe die Gefahren, warnte die Tourismus- und Kulturministerin Ilaria Borletti. Ein besserer Schutz des Landes sei unverzichtbar.

Auch in anderen Regionen Italiens gab es wolkenbruchartige Regenfälle. Sturm behinderte teilweise den Fährverkehr. Vor allem in Teilen Kalabriens gab es Regenfälle und schwere Schäden. Straßen waren wegen Schlamms unpassierbar, in vielen Kommunen blieben die Schulen am Dienstag geschlossen, in ihren Autos eingeschlossene Menschen mussten gerettet werden.