MASSIVE PROGRAMME

US-Notenbank stemmt sich gegen Auswirkungen der Corona-Krise

Die US-Notenbank hat den Geldhahn so weit aufgedreht wie nie zuvor. Mit massiven Programmen stabilisiert die Fed in der Corona-Krise die Märkte. Trotzdem ist der Ausblick für die US-Wirtschaft düster.
dpa
Jerome Powell
Zentralbankchef Jerome Powell wird den weiteren Kurs der Fed erläutern. Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa
Washington.

Die US-Notenbank will ihren weiteren Kurs im Kampf gegen die wirtschaftlichen Verwerfungen der Coronavirus-Pandemie festlegen.

Die Federal Reserve (Fed) hat ihren Leitzins bereits auf fast Null gesenkt und Notprogramme in Umfang von mehreren Billionen US-Dollar aufgelegt, um Finanzmärkte und Wirtschaft zu stabilisieren. Im Anschluss an ein Treffen des Geldmarktausschusses wird Zentralbankchef Jerome Powell heute (20.30 Uhr MESZ) den weiteren Kurs der Fed erläutern. Experten warnen, dass den USA der stärkste Wirtschaftseinbruch seit fast 100 Jahren bevorstehe.

„Keiner von uns hat den Luxus, sich seine Herausforderungen aussuchen zu können; das Schicksal und die Geschichte geben sie uns vor”, sagte Powell in einer Rede Anfang April. „Unsere Aufgabe ist es, die uns auferlegten Prüfungen zu meistern”, sagte er zur Begründung jüngster Maßnahmen weiter. Die Notenbank hat zuletzt ihre Anleihenkäufe vervielfacht, sehr weitreichende Kreditprogramme aufgelegt und Auflagen für Geschäftsbanken gelockert. Die Fed vergibt erstmals auch Kredite an Bundesstaaten, Kommunen und Unternehmen – abgesichert durch Mittel des Finanzministeriums.

Die Notenbank hat zudem bereits zugesagt, den Leitzins wegen der Corona-Krise bis auf Weiteres bei nahe Null zu belassen. Bei den zweitägigen Beratungen der Fed wurde daher nicht mit großen neuen Entscheidungen gerechnet. Beobachter warteten aber mit Spannung auf Details zu den bislang angekündigten Programmen sowie auf die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage durch die Notenbanker.

Experten zufolge sind die seit Ende Februar in kürzester Stoßzeit angekündigten Krisenmaßnahmen der Fed bereits umfassender als jene nach der globalen Finanzkrise 2008/2009. Analysten rechnen damit, dass sich die Bilanzsumme der Notenbank deswegen von zuletzt etwa vier Billionen Dollar dieses Jahr auf rund zehn Billionen Dollar ausweiten dürfte – das entspräche fast der Hälfte der Wirtschaftsleistung. Allerdings sehen Notenbanker und Analysten derzeit keine große Gefahr eines rapiden Anstiegs der Inflation.

Die US-Wirtschaft befindet sich seit der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie im März im freien Fall. Seither haben bereits mehr als 26 Millionen Menschen ihren Job verloren. Zahllose Geschäfte, Restaurants und Fabriken bleiben wegen der von den Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen leer. Ein führender Wirtschaftsberater von Präsident Donald Trump, Kevin Hassett, warnte jüngst, die Arbeitslosenquote könne nach rosigen 3,5 Prozent im Februar für April bei dramatischen 16 bis 17 Prozent liegen.

Im Quartal bis Ende März soll die Wirtschaft bereits leicht geschrumpft sein, wie Hassett am Dienstag mit Blick auf die neuen Zahlen, die am Mittwoch (14.30 Uhr MESZ) veröffentlicht werden sollen, sagte. Im zweiten Quartal drohe den USA der schlimmste Konjunktureinbruch seit der Weltwirtschaftskrise vor knapp 100 Jahren, hatte Hassett am Montag im Fernsehsender CNBC gewarnt. Das Ziel sei es, im dritten und vierten Quartal eine Erholung mit rasantem Wachstum zu erzielen. Dabei seien auch die „extremen Handlungen” der Fed hilfreich, die die Märkte bereits stabilisiert hätten, sagte Hassett.

Einzelne Bundesstaaten beginnen bereits mit der Lockerung der Corona-Beschränkungen. Trump hofft daher auf eine rasche Erholung der Wirtschaft. Die meisten Analysten erwarten jedoch für 2020 eine Rezession – was Trump im Wahljahr höchst ungelegen kommen dürfte.

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