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Vergewaltigern in Indien droht Todesstrafe

Fast neun Monate nach der schockierenden Gruppenvergewaltigung einer 23 Jahre alten Studentin in Indien sind die vier volljährigen Angeklagten schuldig gesprochen worden.

Ein Sondergericht in Neu Delhi sah es als erwiesen an, dass sie die junge Frau in einem Bus entführten, vergewaltigten und so schwer verletzten, dass sie später starb. Richter Yogesh Khanna erklärte, die Männer hätten «eine hilflose Person ermordet». Das Strafmaß wird in den kommenden Tagen erwartet. Den vier Verurteilten, die zwischen 19 und 26 Jahre alt sind, droht die Todesstrafe.

Ein ebenfalls beteiligter Jugendlicher war Ende August zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt worden. Das ist die Höchststrafe für Jugendliche in Indien. Ein sechster Angeklagter, der als Anführer der Bande galt, wurde unter noch ungeklärten Umständen erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden. Die äußerst grausame Tat am 16. Dezember hatte ganz Indien aufgeschreckt und zu wochenlangen Protesten geführt.

Die nun verurteilten Männer - ein Taxifahrer, ein Helfer in Bussen, ein Fitnessstudio-Mitarbeiter und ein Obstverkäufer - hatten ihre Schuld bestritten. Erst gegen Ende des Prozesses erklärte der 26 Jahre alte Taxifahrer laut seinem Anwalt, er habe den Bus gefahren, aber von den Vorgängen auf der Rückbank nichts mitbekommen. Ein Freund der Studentin, der ebenfalls im Bus war und von der Gruppe zusammengeschlagen wurde, hatte die brutale Tat ausführlich im Gerichtssaal erzählt.

Die Familie des Opfers hatte bei der Urteilsverkündung Tränen in den Augen. Zuvor hatten die Angehörigen einmal mehr den Strang für die Täter gefordert. «Die einzig mögliche Strafe für diese Männer, die solch ein brutales, abscheuliches Verbrechen begangen haben, ist die Todesstrafe. Wir werden nichts anderes akzeptieren, auch keine lebenslange Haftstrafe», sagte der 20 Jahre alte Bruder. Nur so könnten sie mit dem Tod des Familienmitglieds abschließen.

Die Gruppenvergewaltigung im Dezember war die erste einer ganzen Reihe solcher Verbrechen, über die in den indischen Medien ausgiebig berichtet wurde. Erstmals begann eine gesellschaftliche Debatte über das weit verbreitete Problem und Menschen, die zuvor das Wort «Vergewaltigung» nie in den Mund nahmen, sprachen nun darüber. Der Nachrichtensender NDTV kommentierte am Dienstag: «Sie starb, aber weckte die Nation auf.»

Der landesweite Aufschrei zwang die Regierung dazu, die Haftstrafen für sexuelle Verbrechen zum Teil zu verdoppeln. Die Polizei, die oft Vergewaltigungsopfer fortschickte, nimmt jetzt mehr Fälle auf und versucht, mehr Frauen einzustellen. Es gibt mittlerweile spezielle Notrufnummern für Frauen und Schnellgerichte, die sich mit Sexualstraftaten befassen.