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Viele Tote bei Angriffen auf Kliniken und Schule in Syrien

Vermutlich russische Jets haben nach Angaben von Aktivisten zwei Krankenhäuser und eine Schule in Nordsyrien angegriffen und viele Zivilisten getötet. Insgesamt starben in den Provinzen Idlib und Aleppo 19 Menschen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Ärzte ohne Grenzen (MSF) sprach von einem anscheinend «gezielten Angriff» auf eine von der Hilfsorganisation unterstützte Klinik. Die Menschenrechtsbeobachter gingen davon aus, dass die Bombardements von russischer Seite ausgeführt wurden. Aus Moskau gab es zunächst keine Stellungnahme.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich für eine Flugverbotszone über Syrien aus. «In der jetzigen Situation wäre es hilfreich, wenn es dort ein Gebiet gäbe, auf das keine der Kriegsparteien Angriffe fliegt - also eine Art Flugverbotszone», sagte Merkel der «Stuttgarter Zeitung» (Dienstag). Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte die Gewalt.

Alleine bei dem Angriff auf das von MSF unterstützte Krankenhaus in der Stadt Maret al-Numan in der Provinz Idlib starben laut Menschenrechtlern mindestens neun Menschen. MSF sprach von mindestens sieben Toten und weiteren acht vermissten Mitgliedern des Klinikpersonals, die wahrscheinlich ebenfalls umgekommen seien. Wie viele Patienten noch vermisst werden, war zunächst unklar. Das Krankenhaus wurde nach Angaben des Personals innerhalb weniger Minuten viermal getroffen.

Unter den Opfern seien mindestens drei Kinder und auch Flüchtlinge, die vor den schweren Gefechten in die Grenzregion zur Türkei geflohen waren. «Die Zerstörung des Krankenhauses lässt eine lokale Bevölkerung von rund 40 000 Menschen ohne Zugang zu medizinischer Versorgung zurück, in einer aktiven Konfliktzone», hieß es in einer Mitteilung von Ärzte ohne Grenzen.

In der Nähe der türkisch-syrischen Grenze kamen insgesamt zehn Zivilisten ums Leben, als Raketen in der Nähe einer weiteren Klinik und in eine Schule einschlugen. Die Klinik in der Grenzstadt Asas wurde den Menschenrechtlern zufolge jedoch nicht direkt getroffen. Mehr als 30 Verletzte wurden in das staatliche Krankenhaus der türkischen Grenzstadt Kilis gebracht, wie die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete. Die meisten Verwundete seien Kinder.

Unklar war zunächst, ob das Bombardement von Kampfjets ausgeführt wurde oder aus dem Kaspischen Meer abgefeuerte Raketen in Nordsyrien einschlugen. Die zerstörte Schule liege an einer Frontlinie - unter den Todesopfern seien aber keine Schüler, sondern Flüchtlinge aus der Region.

Russland wird seit dem Start seiner Luftangriffe auf Rebellen in Syrien immer wieder beschuldigt, auch Zivilisten zu treffen. Im Oktober hatte Moskau dementiert, für die Attacke eines Krankenhauses in Idlib mit 13 Toten verantwortlich zu sein. Seit Anfang des Monats ebnen massive Luftschläge Russlands vor allem Regimetruppen, aber auch kurdischen Einheiten den Vormarsch nördlich der umkämpften Großstadt Aleppo.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu warnte die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG). Wenn sich diese nicht von einem strategischen wichtigen Luftwaffenstützpunkt in dem Gebiet zurückzögen, werde dieser zerstört. Auch werde die Türkei nicht zulassen, dass kurdische Milizen bei Asas oder westlich des Flusses Euphrat vorrückten. Nahe der Grenze zur Türkei waren die YPG und arabische Verbündete zuletzt gegen islamistische Rebellen vorgerückt.

Die türkische Armee beschoss erneut YPG-Stellungen nahe Asas, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Nach Angaben der Menschenrechtler starben dabei ebenfalls zwei Kinder. Kurdische Milizen hätten zuvor das Feuer eröffnet, hieß es von türkischer Seite. Die Kurden wiesen dies zurück. Schon am Wochenende hatte die türkische Armee die Gebiete unter kurdischer Kontrolle mit Artillerie beschossen.

Die YPG ist der Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und gehört zu den wichtigsten Verbündeten des Westens. Die Türkei bekämpft jedoch die PKK und befürchtet, dass die YPG und ihre Verbündeten die gesamte Grenze zur Türkei unter ihre Kontrolle bringen. Die Kurden haben dort in großen Gebieten bereits eine Selbstverwaltung errichtet. Eine autonome Kurdenregion in Syrien könnte auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befeuern, so die Sorge Ankaras.

Steinmeier warf Russland, der Türkei und den kurdischen Milizen eine Verletzung der Münchner Vereinbarungen zum Syrien-Konflikt vor. Als Teil der Absprachen seien alle Seiten aufgerufen, noch vor Eintritt der vereinbarten Waffenruhe zu einer sofortigen Reduzierung der Gewalt beizutragen, ließ er am Montag am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel mitteilen.