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Vorbild Polen und Irland - Werder will die Bayern ärgern

Vorbild Polen und Irland - Werder will die Bayern ärgern
Vorbild Polen und Irland - Werder will die Bayern ärgern
Carmen Jaspersen

Die Führungskrise wurde beigelegt, doch Werder Bremens sportliche Situation ist vor dem scheinbar aussichtslosen Match bei Bayern München weiterhin prekär.

Der Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates, wo Ex-Nationalspieler Marco Bode noch in diesem Jahr die Nachfolge von Willi Lemke antritt, soll nun den Werder-Profis neuen Schwung verleihen. Die Stimmung beim sieglosen Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga hat sich bereits verbessert, woran anscheinend auch die Nationalmannschaft ihren Anteil hat.

«Ein Erfolg in München wäre so wahrscheinlich, als wenn Polen und Irland in zwei Spielen vier Punkte gegen Deutschland holen würden», erklärte Trainer Robin Dutt vor zahlreichen Medienvertretern. Der «kleine Generationswechsel» - so Manager Thomas Eichin - ist in Bremen mit großen Erwartungen verknüpft. Dutt warnte aber: «Samstag kann uns Marco nicht helfen. Ich habe ihm aus Scherz bereits eine SMS geschickt und gefragt, ob er bereit wäre. So einen guten Stürmer kann man immer gebrauchen.»

Die Bremer sehen sich in der Auswärtspartie als chancenreicher Außenseiter. «Wir können nichts verlieren und haben noch nicht verloren. Wir müssen unsere Aufgaben lösen und uns erstmal bis zur Winterpause selber helfen», stellte der Trainer fest. Eichin freute sich über das Ende der Personaldebatte. «Ich begrüße, dass nun Klarheit herrscht. Jetzt kann geplant werden, wir werden Gespräche mit dem Aufsichtsrat führen», erklärte der Sportchef.

Die Werder-Profis sind heiß auf die Partie und wollen sie nicht im Vorfeld wegschenken. Ein Sieg wäre aber auch für sie eine Sensation. «Wunder gibt es doch im Fußball immer wieder», sagte Zlatko Junuzovic der «Kreiszeitung Syke» und führte ebenfalls die Polen- und Irland-Spiele des DFB-Teams an. «Wir wollen unser gutes Gesicht präsentieren», versprach sein österreichischer Landsmann Sebastian Prödl.

«Es ist ein guter Zeitpunkt, mehr Verantwortung für Werder zu übernehmen», hatte Bode seine Bereitschaft kommentiert, die Nachfolge von Lemke anzutreten. Dadurch kam es rechtzeitig vor dem Bayern-Match zum Schulterschluss zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Beide Gremien waren in der Ausrichtung des Traditionsvereins nicht immer einer Meinung. «Mir ist es wichtig, dass jetzt Ruhe einkehrt», betonte Bode.

Sein Name steht ebenso wie der von Ex-Manager Lemke für eine Zeit, in der die Bremer mit den Bayern auf Augenhöhe waren und sich packende Nord-Süd-Gipfel lieferten - auf dem Platz und auch verbal. Mit Bode als Spieler verwies Werder die Münchner 1993 in der Liga auf Platz zwei und besiegte die Bayern 1999 im Finale des DFB-Pokals. Davon kann seit einigen Jahren keine Rede mehr sein. Die Hanseaten kämpfen zum vierten Mal hintereinander um den Klassenverbleib. «Oberstes Ziel muss es sein, den Abstieg zu verhindern», erklärte der 45-Jährige.

Das wird schwer genug. Es wäre keine große Überraschung, wenn Werder auch das nächste Heimspiel gegen den 1. FC Köln als Tabellenletzter bestreiten müsste. Der Druck auf Dutt und auf die Geschäftsführung mit Klaus-Dieter Fischer, Klaus Filbry und Eichin würde enorm wachsen. Das Gremium entscheidet in der Trainerfrage, der Aufsichtsrat und dessen neuer Chef sind da außen vor. Bode, der seine komplette Profi-Karriere bei Werder absolvierte, machte dem Coach dennoch Mut: «In Bremen sind die Dinge etwas anders.»