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«Waldjunge Ray»: Betrugs-Prozess um Sozialleistungen

«Waldjunge Ray»: Betrugs-Prozess um Sozialleistungen
«Waldjunge Ray»: Betrugs-Prozess um Sozialleistungen
Paul Zinken

Der einst geheimnisvolle «Waldjunge Ray» muss sich heute in Berlin wegen Betrugs vor Gericht verantworten. In dem Jugendstrafverfahren gegen den 21-Jährigen plane das Amtsgericht Tiergarten eine Entscheidung am selben Tag, sagte Gerichtssprecher Tobias Kaehne.

Dem Niederländer wird vorgeworfen, in Berlin Sozialleistungen von knapp 30 000 Euro erschlichen zu haben. Die abenteuerliche Geschichte, die er vor zwei Jahren der Öffentlichkeit auftischte, hatte ein riesiges Interesse ausgelöst.

Der große Blonde tauchte im September 2011 in Berlin am Roten Rathaus auf. Er gab an, sich nicht zu erinnern, wer er sei und woher er komme. Seine Eltern seien gestorben, er habe im Wald gelebt. Er heiße Ray und sei 17 Jahre alt - viel mehr sagte der Waldjunge nicht, dessen Englisch mit ein paar Brocken Deutsch gemischt war. Er wurde in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht, bekam neue Kleidung, Taschengeld und einen Sprachkurs, er wurde verpflegt und betreut. Auch ein Vormund wurde bestellt.

Nach intensiven Ermittlungen stellte sich später heraus, dass Ray in Wirklichkeit Robin aus der niederländischen Stadt Hengelo ist und seine Geschichte erfunden war. Auch war er schon volljährig, als er in Berlin ankam.

Der Jugendliche wurde in Medien schon mal «Kaspar Hauser von Berlin» genannt - in Anspielung auf ein Nürnberger Findelkind aus dem 19. Jahrhundert. Erst als Fotos auch im Ausland veröffentlicht wurden, flog der Schwindel im Juni 2012 auf. Ray gab laut Polizei zu, die Geschichte erfunden zu haben. Warum, blieb unklar.

Der Angeklagte wurde laut Gericht ordnungsgemäß geladen. Er sei zum Kommen verpflichtet, so Sprecher Kaehne. Das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg hatte Strafanzeige wegen Leistungsbetrugs gestellt.