TREND SETZT SICH FORT

Zahl der Baugenehmigungen geht abermals zurück

Für die Wohnungsnot in vielen deutschen Städten ist weiter wenig Entspannung in Sicht. Trotz hoher Immobiliennachfrage sind erneut weniger Baugenehmigungen erteilt worden, teilte das Statistische Bundesamt mit.
dpa
Wohnungsbau in Berlin
Eine Wohnanlage in Berlin: Während die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser kaum sank, gab es bei Zwei- und Mehrfamilienhäusern jeweils ein hohes Minus von 4,1 Prozent. Foto: Carsten Koall
Wiesbaden.

Demnach wurden von Januar bis Juli 196.400 Wohnungen bewilligt, 3,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juli habe es einen Einbruch von 8,6 Prozent gegeben. Die Genehmigungen gelten sowohl für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Häusern.

Mit dem Rückgang setzte sich der Trend aus dem ersten Halbjahr fort, in dem die Statistiker bereits ein Minus der Baugenehmigungen von 2,3 Prozent verzeichnet hatten. Besonders deutlich in den ersten sieben Monaten war das Schrumpfen bei den neuen Wohngebäuden, wo 4,1 Prozent oder 7300 Wohnungen weniger bewilligt wurden. Während die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser kaum sank, gab es bei Zwei- und Mehrfamilienhäusern jeweils ein hohes Minus von 4,1 Prozent.

„Die Baugenehmigungszahlen bedeuten wiederholt nichts Gutes für die Zukunft des bezahlbaren Wohnens in Deutschland”, erklärte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs-
und Immobilienunternehmen. Wenn die Talfahrt bei den Genehmigungen so weiter gehe, werde das Wohnungsangebot gerade in den Ballungszentren absehbar nicht mit der hohen Nachfrage mithalten können.

Um die große Nachfrage nach Wohnungen zu stillen, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350 000 bis 400 000 Wohnungen entstehen. Doch 2018 wurde der Neubau von lediglich knapp 302 800 Wohnungen genehmigt. Die Bundesregierung hat bisher ihr Ziel eines kräftigen Neubaus verfehlt – trotz mancher Fortschritte: Vergangenes Jahr wurden 285 900 Wohnungen fertig gestellt, immerhin der höchste Stand seit 2002.

Doch der Neubau hält nicht mit dem Immobilienboom Schritt. Gebremst wird er etwa dadurch, dass Flächen in Ballungsräumen knapp sind und Handwerker in der Flut von Aufträgen kaum hinterherkommen. Hausbauer warten daher oft Monate auf Handwerker. Auch stauen sich am Bau Genehmigungen der Behörden, die noch nicht abgearbeitet sind.

Der Wohnungsneubau stehe und falle mit der Ausweisung von genug bezahlbarem Bauland durch die Kommunen, erklärte Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Ausgerechnet in den Metropolen sei der Rückgang der Baugenehmigungen am größten. „Neue Wohnungen können nur geplant werden, wenn man auch weiß, wo man sie bauen soll.”

Auch rund ein Jahr nach dem Wohngipfel bastle die Politik an den Symptomen herum, statt die Probleme beim Schopf zu packen, monierte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses. Nötig seien etwa Maßnahmen für schnelleres Bauen und Planen. Dazu kämen „sinnlose Regulierungsideen” wie der Mietendeckel in Berlin.

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