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Zeitplan für Berliner Schloss im Wanken

Zeitplan für Berliner Schloss im Wanken
Zeitplan für Berliner Schloss im Wanken
Bernd von Jutrczenka

Es klingt ja auch einfach zu schön. „Die Rekonstruktion des Berliner Schlosses liegt im Zeit- und Kostenrahmen” – so versichern die Verantwortlichen mantramäßig. Doch jetzt gibt es Zweifel, ob der Eröffnungstermin für das Mammutprojekt Ende 2019 tatsächlich zu halten ist.

Das mit dem Zeit- und Kostenrahmen stimme nach wie vor, versicherte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Freitag der dpa. „Die Frage stellt sich aber, ob es didaktisch wirklich sinnvoll ist, alles auf einen Schlag zu eröffnen oder ob man die Inhalte in vertretbaren Phasen präsentiert.” Trotz des „didaktischen” Schlenkers klingt das schon sehr nach Aufschub – auch wenn Grütters betont, die Entscheidung liege vor allem bei den Intendanten.

Das Schloss soll unter dem Namen Humboldt Forum ein weltweit beachtetes Kultur- und Museumszentrum werden. Die „Süddeutsche Zeitung” (SZ) berichtete am Freitag, unter den Verantwortlichen glaube niemand mehr an den geplanten Eröffnungstermin im November 2019. Allenfalls ein Teil der Geschosse werde für das Publikum fertig sein.

Als Grund nennt das Blatt unter anderem Schwierigkeiten bei dem Plan, Großobjekte wie die berühmten Südseeboote vorab in den noch unfertigen Bau zu bringen.

Die dafür verantwortliche Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklärte, bei jedem Großprojekt müssten die Abläufe regelmäßig angepasst werden. Derzeit erarbeite man „konstruktive Lösungen”, um den Umzug wie geplant zu bewerkstelligen und den Eröffnungstermin 2019 zu halten.

Tatsächlich jedoch gibt es nach dpa-Informationen bei den Beteiligten schon länger Überlegungen zu einem Start in Stufen. So könnten beispielsweise die oberen Etagen mit den Sammlungen des Ethnologischen und des Asiatischen Museums die Türöffner sein. Alternativ wird über ein Feuerwerk im Erdgeschoss mit einer publikumsträchtigen Sonderausstellung nachgedacht, der die anderen Stockwerke folgen könnten.

Dass das hochambitionierte Haus eine längere Vorbereitungszeit durchaus vertragen könnte, haben die jüngsten Debatten gezeigt. So ist die Erforschung der kolonialen Vergangenheit vieler Objekte noch nicht annähernd abgeschlossen. Wenn das Versprechen ernst gemeint ist, nur sauber geklärte Provenienzen zu präsentieren, steht noch eine Mammutaufgabe bevor.

Auch über das Gesamtkonzept des Hauses gibt es nach wie vor Unklarheit. So haben die Gründungsintendanten um den britischen Museumsmacher Neil MacGregor als Vorgeschmack zwar bereits zwei kleinere Ausstellungen präsentiert, doch ein roter Faden ließ sich nach übereinstimmender Meinung der Experten darin nicht erkennen.

Für Debatten sorgt schließlich auch die Rolle Berlins. Das Land ist mit 32 Millionen an den Gesamtkosten von fast 600 Millionen Euro beteiligt und soll dafür eine Ausstellungsfläche von 4000 Quadratmetern bekommen. Laut SZ gibt es aber erneut Vorschläge, Berlin solle aus dem Projekt aussteigen.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) weist das entschieden zurück. „Wir haben keinerlei Anlass zu solchen Gerüchten gegeben”, sagte er der dpa. „Wir arbeiten mit Feuereifer an der Sache und sind absolut bereit, unseren Anteil am Gelingen des Projekts zu leisten.”

Die Ausstiegsidee kam ursprünglich allerdings sogar von Berlin selbst. Der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich den Schritt mit 80 Millionen Euro für die Landeskasse vergolden lassen wollen – dazu kam es jedoch nicht.

Nachfolger Michael Müller (SPD) kippte dann kurzerhand die bisherigen Pläne und schlug eine ganz neue Ausstellung vor. „Das hat natürlich Geld und Zeit gekostet”, sagt Grütters. „Berlin war immer ein schwieriger Partner.”

Auch die geplante Gesamtintendanz für das Haus will das Land dem Vernehmen nach nicht akzeptieren. „Das ist keine Shopping Mall, wo jeder sein Stübchen hat und machen kann, was er will”, heißt es aus Kreisen der Verantwortlichen.

Inzwischen ist sogar schon eine Alternative für die Berlin-Ausstellung im Gespräch: Das Museum Europäischer Kulturen, das bisher allein am abgelegenen Standort Dahlem bleiben sollte, könnte so noch im Humboldt Forum seinen Platz finden.