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Kein UEFA-Boykott - Platini bat Blatter um Rückzug

Kein UEFA-Boykott - Platini bat Blatter um Rückzug
Kein UEFA-Boykott - Platini bat Blatter um Rückzug
Walter Bieri

Europas Anti-Blatter-Fraktion wird den FIFA-Kongress und die Präsidentschaftswahlen am Freitag trotz der jüngsten Skandale nicht boykottieren und will Prinz Ali bin al-Hussein mit so vielen Stimmen wie möglich unterstützen.

Für den nun wieder hochwahrscheinlichen Fall eines Wahlsieges von Blatter schloss UEFA-Boss Michel Platini drastische Maßnahmen auf einer bislang nicht gekannten Eskalationsstufe bis hin zu einem WM-Boykott nicht aus.

Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche «alle Möglichkeiten ins Auge fassen», sagte der Franzose bei einer Pressekonferenz in Zürich. Auf eine entsprechende Nachfrage konkretisierte er, dass er einen WM-Boykott nicht ankündige, aber das es «demokratische Entscheidungen» der Landesverbände geben werde.

Eine weitere Option ist laut Platini offenbar ein kollektiver Austritt der europäischen Mitglieder aus dem FIFA-Exekutivkomitee. «Wenn wir diese Abstimmung nicht gewinnen, dann treffen wir uns mit allen Generalsekretären und Präsidenten beim Champions-League-Finale in Berlin. Je nach Ausgang der Wahl werden wir sehen, ob wir dabei sind oder nicht im Exko.»

Der Engländer David Gill will unterdessen auf seinen Platz im FIFA-Exekutivkomitee definitiv verzichten, sollte Blatter gewählt werden. DFB-Chef Wolfgang Niersbach hielt sich eine Entscheidung offen. «Das ist ein Abwägen: Boykottiert man etwas oder geht man ins Exko rein und hat die Chance auch wirklich etwas zu verändern.»

Platini berichtete von einem emotionalen Gespräch unter vier Augen mit Weltverbandschef Joseph Blatter, in dem er seinen einstigen Förderer erfolglos zum Rücktritt aufgefordert hatte. «Es ist nicht leicht, einem Freund zu sagen, dass er gehen soll», sagte der Franzose.

Die UEFA hatte sich bei ihrer Sitzung entschieden, entgegen ursprünglicher Überlegungen den FIFA-Kongress nicht zu boykottieren. «Boykott ist keine Lösung, das ist noch nie eine gewesen. Das war auch in der olympischen Bewegung so», sagte Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) und ergänzte: «Was hier passiert, ist ein absolutes Desaster. Wir müssen den Wandel herbeiführen. Das können wir nur, wenn wir Prinz Ali wählen.»

Allerdings wird nicht einmal die UEFA kollektiv für Blatters Herausforderer stimmen. Platini rechnet mit 45 bis 46 der insgesamt 53 UEFA-Voten. Die UEFA hatte im Zuge des FIFA-Korruptionsskandals mit sieben Festnahmen von Spitzenfunktionären noch am Mittwoch die Verlegung der Präsidentschaftswahlen gefordert und einen Boykott in Betracht gezogen.