Der Prozess gegen die vier Schleuser fand aus Platzgründen im Neubrandenburger Landgericht statt.
Der Prozess gegen die vier Schleuser fand aus Platzgründen im Neubrandenburger Landgericht statt. Thomas Beigang
Schleuser-Prozess

Staatsanwalt fordert mehr als drei Jahre Haft

Im Prozess wegen bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern hat die Staatsanwaltschaft mehrjährige Freiheitsstrafen für alle vier Angeklagten verlangt. Diese hatten Geständnisse abgelegt.
Neubrandenburg/Pasewalk

Im Prozess gegen vier Männer wegen bandenmäßigen Einschleusens von Flüchtlingen hat die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von drei Jahren und sechs Monaten bis zu drei Jahre und zehn Monaten für die Angeklagten gefordert. Die Verteidigung plädierte auf deutlich geringere Freiheitsstrafen, ausgesetzt auf Bewährung. Das Urteil soll am Montagnachmittag fallen. Das Amtsgericht Pasewalk, das aus Platzgründen in Neubrandenburg verhandelt, hatte am Vormittag zunächst einige Zeugen und dann die Plädoyers beider Seiten gehört.

Drei Angeklagte hatten Geständnisse abgelegt

Drei der vier aus Tunesien stammenden Angeklagten hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, in unterschiedlicher Weise an der Schleusung von Flüchtlingen von Belarus nach Deutschland im Herbst 2021 beteiligt gewesen zu sein. Die Männer im Alter von 25, 27 und 35 Jahren hatten laut Anklage 17 Migranten – eingepfercht in einem Transporter – über etwa 1000 Kilometer nach Vorpommern gefahren. Ihnen waren 500 bis 1500 Euro pro Fahrt versprochen worden.

Lesen Sie auch: Mann soll mehrfach 30 Leute im Transporter eingeschleust haben

Die Gruppe soll von zwei Hintermännern per GPS-Technik und -Daten aus der Ferne geführt worden sein. Nach eigenen Angaben fuhren zwei Männer den Transporter, die zwei anderen ein sogenanntes Pilotfahrzeug, das Polizeikontrollen auskundschaftete.

Nur 50 mal 50 Zentimeter Platz pro Person

Die im Kleintransporter transportierten Flüchtlinge aus Syrien und Ägypten hatte jeweils nur 50 mal 50 Zentimeter Platz. Der Transport war am 12. Oktober 2021 bei Ladenthin (Kreis Vorpommern-Greifswald) aufgeflogen. Laut Staatsanwaltschaft wurden die zwei Frauen und 15 Männer „unter menschenunwürdigen Bedingungen“ gefahren.

Außerdem interessant: Schleuserpaar legt Widerspruch gegen Haftstrafe ein

Drei Angeklagte wurden gleich hinter der Grenze gefasst, ein weiterer später bei Schwerin. Bei ihnen wurden rund 11.000 Euro gefunden. Laut Anklage sollen die Flüchtlinge etwa 2500 bis 3000 Euro für die Schleusung von der Türkei über Belarus nach Berlin an Hintermänner bezahlt haben.

 

 

zur Homepage