MYSTERIÖSER TRANSPORT

Rakete landet auf Rügen

Die Rakete, die auf Neubrandenburgs Straßen unterwegs war, sorgte für Rätselraten. Die Auflösung fand sich in einem kleinen Ortsteil bei Burg Stargard.
Tim Prahle Tim Prahle
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz.
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz. MTU Wilck/ZVG
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz.
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz. MTU Wilck/ZVG
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz.
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz. MTU Wilck/ZVG
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz. Foto: MTU Wilck/ZVG
Am frühen Mittwochmorgen startete die Reise mit der ungewöhnlcihen Fracht bei Neustrelitz. Foto: MTU Wilck/ZVG MTU Wilck/ZVG
Via Kran wurde die Rakete auf Rügen abgeladen.
Via Kran wurde die Rakete auf Rügen abgeladen. Nico Behrend/zvg
Nach nicht einmal drei Stunden erreichte die Rakete Teschenhagen (Gemeinde Sehlen) auf Rügen.
Nach nicht einmal drei Stunden erreichte die Rakete Teschenhagen (Gemeinde Sehlen) auf Rügen. Nico Behrend/zvg
In Kreuzbruchhof bei Burg Stargard stand eins ein Munitionsmuseum, in dem auch die „Neubrandenburger Rakete” zu se
In Kreuzbruchhof bei Burg Stargard stand eins ein Munitionsmuseum, in dem auch die „Neubrandenburger Rakete” zu sehen war. Tim Prahle
Neubrandenburg.

Zwei Tage hielt ein Raketen-Transport Neubrandenburg und das ganze Land im Atem. Am Mittwoch auf der Demminer Straße in Neubrandenburg gesehen, fragten sich viele Nordkurier-Leser und auch die Redaktion: „Wo soll die denn hin? Am Freitag konnte die Frage nun endlich geklärt werden. Sie landete in Teschenhagen auf Rügen auf dem abgesperrten Gelände eines ehemaligen Baumarkts. Darin wurde zuletzt ein „Weltenkonstruktorium“ vorbereitet, eine Art Miniaturausstellung, die historische Ereignisse, Bauwerke, Szenen historischer Schlachten sowie maritime Spektakel in Dioramen und bis zu 100.000 Miniaturen präsentieren soll. Nach Nordkurier-Recherchen stammt der Flugkörper von einem Gelände in Kreuzbruchhof, einem kleinen Ortsteil von Burg Stargard nahe Neubrandenburg.

„Die ist in ihr Winterquartier gekommen”, erklärte Besitzer Armin Bickel, der bis vor einigen Jahren ein Munitionsmuseum in dem Örtchen betrieb. Ersten Spekulationen, dass er in den kommenden Jahren ein Munitionsmuseum auf Rügen eröffnen möchte, widersprach Bickel, der sich gerade im Ausland aufhält. Die Diskussion um den Transport habe er dennoch mitbekommen. „Im Museum habe ich nie gespürt, dass sich so viele Menschen dafür interessieren. Aber wehe, wenn man mit dem Ding einmal offen auf der Straße unterwegs ist”, sagte er scherzhaft. Es sei auch nicht die einzige Rakete gewesen, die ihren Weg von der Seenplatte bis auf die Insel nahm. „Wir hatten für die letzte nur kein Abdeckmaterial mehr”, erklärte Bickel.

Auch die zuständige Speditionsfirma MTU Wilck war ein wenig erstaunt über die große Aufmerksamkeit. „Für uns war es beinahe eine ganz normale Fahrt”, sagte Stefan Wilck. Am Dienstagabend wurde die Rakete von ihrer Lagerstätte abgeholt. Mittwoch sei es in aller Früh in Neustrelitz losgegangen, bereits gegen 9 Uhr war die Fracht auf Rügen. „Die Rakete war auch unscharf, deswegen war das nicht genehmigungspflichtig”, ergänzte Wilck. Dass ein Leser meinte am LKW die Aufschrift „Achtung Sprengstoff” erkannt haben zu wollen, verstand er daher nicht. Am Laster sei kein Schild gewesen. Nur auf der Rakete selbst stehe etwas. „Allerdings auf Russisch”, sagte der Spediteur.

Lieferung für den künftigen Weltraumbahnhof in Trollenhagen?

Der Nordkurier hatte auf seinen ersten Artikel eine wahre Flut an Zuschriften bekommen. Der Transportweg brachte es mit sich, dass die Rakete im beinahe ganzen Land an verschiedenen Stellen gesichtet wurde. Ein gebührender letzter Auftritt vor ihrer Einquartierung war es also allemal.

Auch bei der Typbestimmung gab es nicht nur unter den Lesern schon zuvor eine klare Tendenz. „Bei dem Objekt handelt es sich nicht wie eventuell gedacht um einen Marschflugkörper, sondern um eine Flugabwehrrakete des Typs S-200WÄ „Wega”, im NATO-Code-System SA-5 „GAMMON” genannt”, teilt der Interessenverein Luftfahrt aus Neuenkirchen mit. Diese sei zur Bekämpfung von Hochwertzielen gedacht und erreiche sehr große Höhen. Mitte der Achtzigerjahre wurde in den Ländern des Warschauer Paktes auch Einheiten der NVA mit der „Wega” ausgerüstet, teilt der Verein weiter mit. Die Bundeswehr habe sie jedoch nicht in ihr Arsenal übernommen.

Die Einschätzungen der Neuenkirchener decken sich auch mit anderen Zuschriften. Dietmar Röttler, Experte aus der Neubrandenburger Redaktion von „Raumfahrt Concret”, hat jedoch noch ein paar andere Ideen. Eine britische Thunderbird könnte es sein, vermutet der Experte. „Es gab aber auch bauähnliche russische Muster, aus denen dann die auch im australischen Woomera gestartete radargesteuerte Langstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffe Bloodhound hervorging.” Letztlich habe diese Entwicklung in der britischen Weltraumrakete Black Arrow gemündet. Auch zum Zielort hat Röttler eine augenzwinkernde Vermutung: „Möglicherweise sind es schon die ersten Anlieferungen für den künftigen Weltraumbahnhof in Trollenhagen. Nichts Genaues weiß man jedoch noch nicht.”

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