Die Ergotherapeutin Kathrin Fritze (links) und die Pflegehelferin Andrea Koch zusammen mit Bewohner Georg Tschibissow bekommen
Die Ergotherapeutin Kathrin Fritze (links) und die Pflegehelferin Andrea Koch zusammen mit Bewohner Georg Tschibissow bekommen nach einem Zeitungsaufruf Unterstützung bei der Betreuung im Vitanas Senioren Centrum Am Kulturpark. Vitanas
Im Vitanas Senioren Centrum Am Kulturpark ist von den 100 Mitarbeitern jeder fünfte krank oder in Quarantäne. Ab Fre
Im Vitanas Senioren Centrum Am Kulturpark ist von den 100 Mitarbeitern jeder fünfte krank oder in Quarantäne. Ab Freitag werden nun befristet acht Helfer eingestellt, die Personal und Bewohner unterstützen. Mirko Hertrich
Hoher Krankenstand

150 Menschen wollen in Pflegeheim aushelfen

Die überwältigende Unterstützung macht Mut in schwierigen Zeiten. Weil viel Personal in Corona-Zeiten ausgefallen ist, suchte eine Neubrandenburger Pflegeeinrichtung nach Helfern für einfache Tätigkeiten.
Neubrandenburg

Eine Pflege-Mitarbeiterin war von dem ermutigenden Zeichen der Solidarität in der langen Corona-Krise zu Tränen gerührt.150 Menschen haben sich nach einem „Hilferuf“ der Pflegeeinrichtung Vitanas Senioren Centrum Am Kulturpark in Neubrandenburg gemeldet und wollen helfen. „Das hat mich so sehr berührt, dass ich weinen musste“, schrieb eine Mitarbeiterin an Centrumsleiter Thomas Rütz. Weiter formulierte die Angestellte: „Ich will nicht sagen, dass ich Erleichterung verspürte, es war eher Freude. Freude darüber, doch nicht allein zu sein, Freude darüber, dass Menschen Anteil nehmen, Freude über diese Art von Wertschätzung.“

Auch Thomas Rütz ist noch ganz überwältigt von der Resonanz und voll des Dankes. „Am Montag stand bei uns das Telefon nicht still, kaum hatten wir aufgelegt, klingelte es schon wieder“, schilderte der Pflegemanager unserer Zeitung. Er hatte sich auf der Suche um Unterstützung an Stadt und Landkreis gewandt.

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Von dort bekam der Nordkurier einen Tipp, dass die Pflegeeinrichtung mit 100 Mitarbeitern und 124 Bewohnern einen dringenden Appell um personelle Unterstützung für einfache Tätigkeiten gesendet hat, weil fast jeder fünfte Mitarbeiter erkrankt oder in Quarantäne ist.

„Wir waren überfahren von der Resonanz“

Die Lokalredaktion Neubrandenburg griff nach dem Hinweis vom Donnerstag gleich zum Hörer, am Samstag stand der Aufruf in der Zeitung, am Montag dann die Welle der Hilfsbereitschaft und schon am Freitag fangen die ersten der acht Helfer an.

Zwei je Station werden befristet eingestellt bis zum 31. März. Sie alle bekommen einen Pflegehelfervertrag angeboten zum aktuellen Mindestlohn in der Pflege. Sie helfen beim Wäscheausteilen, Eindecken der Tische, Einzelbetreuung der isolierten Bewohner, Auffüllen der Pflegelager oder helfen bei Corona-Tests.

„Wir waren zuerst überfahren von der Resonanz“, schilderte Thomas Rütz. Alle Anrufe seien positiv gewesen. Von Schülern über Berufstätige bis hin zu Rentnern hätten sich Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen gemeldet. Bei ihnen allen will sich der Centrumsleiter ganz herzlich bedanken und bittet um Verständnis, dass er sich angesichts der großen Resonanz nicht bei allen Anrufern zurückmelden kann.

Auch die von der Zusprache gerührte Mitarbeiterin formulierte eine Bitte an ihren Chef, welche dieser an die Heimatzeitung weitergab: „Es wäre so schön, wenn man genau diesen Menschen danke sagen und eine Umarmung der anderen Art schicken könnte.“ Neubrandenburgs Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann, der dem Nordkurier den Tipp gab, ist ebenfalls von des Lobes und des Dankes. Er sei stolz auf die vielen Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger, die bereit seien zu helfen. Das zeige, dass „wir auch in diesen schwierigen Zeiten aktive und hilfsbreite Menschen haben“, was Oberbürgermeister Sivio Witt (parteilos) und auch dessen Stellvertreter mit Stolz erfülle.

Peter Modemann lobte auch, dass der Nordkurier seinem „Heimatauftrag“ nachkommt und einfach „den Kontakt zu den richtigen Leuten“ habe. „Lokaljournalismus wirkt.“

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