Der Teenager Frank Wilhelm Schulze wollte auf Nummer sicher gehen und ließ sich im neuen Neubrandenburger Schnelltestzen
Der Teenager Frank Wilhelm Schulze wollte auf Nummer sicher gehen und ließ sich im neuen Neubrandenburger Schnelltestzentrum auf das Coronavirus testen. Tim Prahle
In der Turmstraße hat die Apotheke ihre neuen Testräume bezogen.
In der Turmstraße hat die Apotheke ihre neuen Testräume bezogen. Tim Prahle
Coronavirus

▶ 19-Jähriger macht als Erster in Neubrandenburg den Schnelltest

Das erste private Schnelltestzentrum hat in der Neubrandenburger Turmstraße die Arbeit aufgenommen. Während die Nachfrage steigt, kritisiert eine Partei das Vorgehen und nimmt das Land in die Verantwortung.
Neubrandenburg

Nur wenige Tage nach der offiziellen Ankündigung ist das erste Neubrandenburger Schnelltestzentrum startklar. Am Donnerstag kamen bereits die ersten Kunden, um via Antigentest ein wenig gegen die eigene Unsicherheit zu tun. „Ich war zuletzt ein bisschen erkältet und die Kollegen dachten schon alle, ich hätte Corona“, sagt Frank Wilhelm Schulze. Der 19-Jährige Rühlower, der erst vergangenes Jahr sein Abitur in Friedland machte, suchte nach eigenen Angaben sofort seine Hausärztin auf. „Die wollte mich aber nicht ans staatliche Testzentrum überweisen, weil ich keine Symptome habe“, erläutert er. Doch der junge Mann wollte auf Nummer sicher gehen. „Es gibt ja auch Corona ohne Symptome“, sagt er.

Das neue Angebot der Marien-Apotheke in der Turmstraße kam ihm da gerade recht. Dass er gleich der erste Getestete war: bloßer Zufall. „Die Interessenten können sich online ja selbst einen Termin aussuchen und wir bereiten uns entsprechend darauf vor“, sagt Mitinitiator Erik Schumacher.

Sehen Sie hier, wie genau der Schnelltest abläuft:

[Video]

Die ersten Termine seien bereits vergeben. Seit Beginn der Woche wirbt die Apotheke für das neue Angebot, mit dem sie eine Marktlücke füllen und „einen Beitrag leisten will“, wie Schumacher sagt. Denn bislang wurden Schnelltests vor allem in Pflegeheimen oder eben beim Abstrichzentrum des Landkreises durchgeführt, wer für sich auf Nummer sicher gehen wollte, musste mindestens nach Demmin, wo ein Apotheker schon seit Beginn des Jahres ein ähnliches Angebot vorhält.

Kostenfrei ist das allerdings nicht. Die Marienapotheke nimmt aktuell pro Test 40 Euro. „Wir haben extra Räume angemietet und das Personal will ja auch bezahlt werden“, sagt Schumacher.

Politik habe in Sachen Schnelltest geschlafen

Sein Namensvetter aus der Politik ist damit weniger glücklich: „Schnelltests und ein entsprechendes Testregime sind Teil der Daseinsvorsorge“, wettert Norbert Schumacher, Vorsitzender der Partei Freier Horizont. In einer extra aufgesetzten Pressemitteilung kritisiert diese das Bestreben der privatwirtschaftlich organisierten Coronatests. Wenngleich sich diese Kritik nicht an die Apotheken selbst richtet. „Erst verschläft die Landesregierung die Etablierung von Coronaschnelltests und dann schaut sie zu, wie diese sich am freien Markt etablieren“, heißt es weiter. Im Kern sei es zwar gut, dass es nun überhaupt Schnelltests gäbe, doch die Folgen seien „höchst unsozial und wenig zielführend, wenn keine strategischen Testungen mit absichernden PCR-Tests erfolgen“, führt die Partei aus.

Deshalb solle die Landesregierung noch bis zum 31. Januar eine Kostenübernahmeverordnung umsetzen, bei der die Schnelltests mindesten für Risikogruppen und Berufspendler kostenlos sind. „Die Zeit drängt, wir haben schon viel zu viel Zeit beim Thema Coronaschnelltest verloren. Wir könnten mit permanenten, jeweils an die aktuelle Situation angepassten Testregimes das öffentliche Leben wieder hochfahren und in dem Zuge die Kontrolle über die Pandemie wiedererlangen und dauerhaft behalten!“ lässt sich Norbert Schumacher weiter zitieren.

„Könnten das Gesundheitsamt entlasten”

Nach Angaben des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte sind Landesregierung, Kreise und Apotheken bereits im Gespräch, inwieweit Schnelltests überhaupt im rechtlichen Auftrag durchgeführt werden können. Details gibt es dazu bislang nicht.

Auch Apotheker Erik Schumacher würde sich wünschen, mit in die regionale Teststrategie mit einbezogen zu werden. „Im besten Fall könnten wir das Gesundheitsamt mit unseren Kapazitäten sogar entlasten“, sagt er.

zur Homepage