An der Einweihung der Installation nahmen Agrarminister Till Backhaus, Oberbürgermeister Silvio Witt, Vize-Landrat Thomas
An der Einweihung der Installation nahmen Agrarminister Till Backhaus, Oberbürgermeister Silvio Witt, Vize-Landrat Thomas Müller und RAA-Geschäftsführer Christian Utpatel teil (v. r. n. l.). Mirko Hertrich
Auf etwa 500 „Namenstropfen” haben Schüler und weitere Bürger für die Kunstinstallation im Lager &b
Auf etwa 500 „Namenstropfen” haben Schüler und weitere Bürger für die Kunstinstallation im Lager „Waldbau” biografische Daten graviert. Etwa 1500 Namen von KZ-Insassinnen in Neubrandenburg konnten recherchiert werden. Mirko Hertrich
Für die weiblichen Opfer nationalsozialistischer Zwangsarbeit in Neubrandenburg haben mehrere Neubrandenburger gestern Bl
Für die weiblichen Opfer nationalsozialistischer Zwangsarbeit in Neubrandenburg haben mehrere Neubrandenburger gestern Blumen vor der „Trauernden“ Skulptur platziert. Lisa Gutzat
Tag der Befreiung

500 „Namenstropfen” erinnern an KZ-Opfer

Eine Kunstinstallation mit durchsichtigen Tropfen in Tränenform gibt den Opfern des KZ-Außenlagers Neubrandenburg die Namen wieder und erinnert an das Schicksal von 7000 Frauen.
Neubrandenburg

In Neubrandenburg ist am Freitag zum 77.  Jahrestag der Befreiung der Frauen in der KZ- Außenstelle Ravensbrück sowie des Endes des Zweiten Weltkriegs gedacht worden. Unter Beteiligung von Botschaftsvertretern aus vier Ländern wurde am Nachmittag im ehemaligen Konzentrationslager „Waldbau“ eine Kunstinstallation mit 500 „Namenstropfen“ der Künstlerin Imke Rust feierlich eingeweiht. Botschaftsangehörige aus Polen, Tschechien, Slowenien und der Slowakei sowie Abgeordnete aus Bundes-, Land- sowie Kreistag und Stadtvertretung legten Kränze nieder.

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Das größte Außenlager von Ravensbrück mit mindestens 7000 weiblichen KZ-Häftlingen befand sich bis Ende April 1945 in Neubrandenburg. Ein Lager wurde im heutigen Industrieviertel errichtet, das Lager „Waldbau“ 1943/44 im Nemerower Holz im Süden der Stadt. Nach dem Kriegsende lag es in einem militärischen Sperrgebiet und geriet weitgehend in Vergessenheit. Mithilfe des Projekts Zeitlupe des Vereins RAA Mecklenburg-Vorpommern will die Stadt das Gelände wieder „sichtbar“ machen und für Erinnerungsarbeit nutzen.

Ukraine-Krieg wirft auf alles ein anderes Licht

Minister Till Backhaus (SPD) sagte bei der Zeremonie der Stadt die weitere Unterstützung des Landes für die Gedenkstätte zu. Er erinnerte daran, dass das Lager am 30. April 1945 durch die Rote Armee befreit worden sei. Heute könne man nur sagen, herzlichen Dank an die Alliierten und auch die Rote Armee, „dass sie uns von diesem Geschwür befreit haben“. Wenn man dann die aktuelle Situation anschaue und diesen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine, dann erscheine das alles in einem anderen Licht. „Verdammt noch mal, haben die Menschen noch nicht gelernt, sich zu vertragen?“

Neubrandenburgs OB Silvio Witt (parteilos) sagte, die Vier-Tore-Stadt sehe es als ihre tief empfundene moralische Verpflichtung, an die Ereignisse vor fast 80 Jahren zu erinnern, fortwährende Gedenkarbeit zu leisten und alles dafür zu tun, dass dieser Ort ein Ort des Mahnens für die Zukunft bleibt.

Bislang 1500 Namen von KZ-Opfern recherchiert

Nach den Worten von RAA-Projektleiterin Constanze Jaiser konnten bislang rund 1500 Namen der rund 7000 Inhaftierten in Neubrandenburg recherchiert werden. In Workshops und teils in Heimarbeit hätten Jugendliche, Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, interessierte Bürger und viele andere Freiwillige etwa 500 Namen der Frauen von Waldbau auf die Tropfen graviert.

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Bereits am Vormittag versammelten sich mehrere Vertreter der Stadt, Schüler und Bürger sowie die Fraueninitiative Neubrandenburg vor der Skulptur „Die Trauernde“ in der 2. Ringstraße. „In diesen Stunden vor 77 Jahren lieferten sich die deutschen und russischen Truppen schwere Gefechte“, sagte Sieglinde Schehl, Sprecherin der Fraueninitiative, zu den trauernden Gästen. Die Anwesenden lud sie zudem zum Gedenken an die weiblichen Opfer nationalsozialistischer Zwangsarbeit in Neubrandenburg ein. „Ehren wir diese Frauen, indem wir uns mutig verhalten und zeigen.“

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Kommentare (1)

Hatten die deutschen Opfer der sowjetischen Säuberungswelle nach dem Kriege etwa keine Namen?! Viele wurden denunziert und waren keine Nazis, so wie der stellvertretendde Bürgermeister von Greifswald, der seine Stadt kampflos an die Rote Armee übergab und sie so vor der Zerstörung bewahrte.