Vogelparadies MV

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60 Schwalbennester an nur einem Giebel

Karsten Schumeier hatte die Schwalben erst gar nicht bemerkt, wie er berichtet. Dann machte er sich ans Zählen und kam auf 60 Nester.
Karsten Schumeier hatte die Schwalben erst gar nicht bemerkt, wie er berichtet. Dann machte er sich ans Zählen und kam auf 60 Nester.
Paulina Jasmer

Schwalben gelten als bedroht, der Nabu hat auch Gründe dafür ausgemacht. Ein Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern kann sich derweil vor den Vögeln kaum retten.

Karsten Schumeier, ein Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern, hat an der Giebelwand seines Verwaltungsgebäudes 60 Schwalbennester gezählt. „Zuerst habe ich mich gewundert, dass Fenster und Fassade ziemlich verdreckt waren“, sagt der Mann.

Warum der Betrieb in Schwanbeck (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) bei Schwalben so hoch im Kurs steht, kann sich der Landwirt nicht ganz erklären. „Sonst hatten wir mal ein paar Nester unterm Schleppdach“, denkt er zurück, aber gleich 60 an ganz neuer Stelle innerhalb einer Saison? Das ist auch dem Bauern neu.

Ganz in der Nähe des Gebäudes befindet sich die Regenentwässerung des Hofes, daran schließt sich der Feuerlöschteich an, dort staut sich also das Wasser. „Vielleicht finden die Schwalben dort mehr Nahrung“, spekuliert Karsten Schumeier. So oder so. Am Hof des Landwirts haben die Schwalben keine Zukunftssorgen.

Nabu schlägt Alarm

Anders sieht es bundesweit aus: Nach §44 des Bundesnaturschutzgesetzes gilt die Schwalbe zwar als geschützt. Das Zerstören von Schwalbennestern stellt also eine Straftat dar. Aber der Naturschutzbund (Nabu) schlägt Alarm: „Schwalben finden heutzutage immer seltener geeignete Nistmöglichkeiten und auch das Nahrungsangebot wird knapp”, heißt es auf der offiziellen Internetseite. Als Gründe für den Rückgang werden genannt: Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, Intensivierung der Landwirtschaft und fehlende Futterreserven.

Schon ein Blick in die Ergebnisse einer umfangreichen Vogelzählung relativiert die Gefahr. Bei der „Stunde der Gartenvögel” haben bundesweit rund 55.000 Vogelfreunde die Population in ihren heimischen Gärten gezählt. Das Ergebnis: 1.261.050 Vögel sind vorgeflogen. Für die Schwalben offenbaren die Zahlen eine gespaltenes Bild. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Population der Rauchschwalbe zwar um 5 Prozent. Zugleich sank die Population der Mehlschwalbe um 7 Prozent. Insgesamt sind die Bestände aber stabil.