GLAUBE AN DAS GUTE IM MENSCHEN

82-jährige Neubrandenburgerin sucht rettenden Engel

Keinen Schritt weiter ging es für Helga Niemann – weder vor noch zurück. Deshalb ist die alte Dame im Rollstuhl auch einer jungen Frau und deren Hilfe besonders dankbar. Nur – die Rentnerin kennt den Namen ihrer Beschützerin nicht und will sich doch unbedingt revanchieren.
Wer hat geholfen? Helga Niemann aus dem katholischen Altersheim will unbedingt den Namen ihrer selbstlosen Helferin wissen.
Wer hat geholfen? Helga Niemann aus dem katholischen Altersheim will unbedingt den Namen ihrer selbstlosen Helferin wissen. Thomas Beigang
Neubrandenburg.

Fast hatte Helga Niemann (82) den Glauben an die Menschheit schon verloren. „Wie oft muss ich in der Zeitung lesen, dass alte Menschen betrogen, belogen und bestohlen werden“, schüttelt die Neubrandenburgerin, Bewohnerin des katholischen Pflege- und Altenheims in der Heidmühlenstraße, mit dem Kopf. Den Glauben an das Gute hat sich die Seniorin aber doch bewahren können. „Schuld“ daran ist eine junge Neubrandenburgerin, die der alten Dame in einer misslichen Situation zur Seite stand. „Leider aber“, will sich Helga Niemann das nicht verzeihen, „habe ich vergessen, sie nach ihrem Namen zu fragen. Dabei will ich mich unbedingt bei ihr bedanken und mich etwas erkenntlich zeigen.“

Die Notlage der Fahrerin eines elektrischen Rollstuhls hat sich am vergangenen Donnerstag ausgerechnet in der Filiale der Sparkasse in der Stargarder Straße ereignet – allerdings ohne finanziellen Hintergrund. „Ich wollte mir Geld abholen, kam aber gar nicht in die Nähe der Automaten“, so die Neubrandenburgerin. Die Eingangstüren des Geldinstituts hätten sperrangelweit aufgestanden, erzählt sie. Die Gelegenheit wollte sie nutzen und steuerte auf den Eingang zu. Dann aber geschah des Unvorhersehbare: Die Flügel der Türen schlugen zu und klemmten die Frau und ihren Rollstuhl ein. „Mein Mobil bewegte sich weder vorwärts noch rückwärts“. Zwei Helfer, ein älterer Herr und eine junge Frau halfen ihr und schoben unter erheblichem Kraftaufwand das Gefährt in die Bank hinein. Der Mann verabschiedete sich schnell – die junge Frau blieb an der Seite der Seniorin. „Sie spürte wohl, wie schlecht es mir ging.“ Die Unterstützung blieb auch nicht nur „seelisch“, die Helferin rief mehrmals bei der Rollstuhl-Reparaturfirma um schnelle Hilfe an. „Eine Stunde hat es gedauert, bis ein Monteur den Schaden am Mobil beheben konnte.“

Und so lange, staunt Helga Niemann auch vier Tage später noch, blieb die junge Frau an ihrer Seite. Und hat in der Zeit nicht nur Geld am Schalter für die Rentnerin abgehoben, sondern auch die Stricknadeln in der Stadt besorgt, die Helga Niemann so dringend benötigte. „Ich stricke gerade eine Jacke für meinen jüngsten Urenkel“, erzählt die Rollstuhl-Fahrerin. Immerhin sieben Mal darf sich Helga Niemann schon Uroma nennen.

„Die Fürsorge der jungen Frau hat mir geholfen, mit der Aufregung fertig zu werden.“ Die Helferin habe ihr etwas sehr Kostbares geschenkt – ihre Zeit, mag Helga Niemann die Angelegenheit nicht hoch genug einschätzen. Und genau deshalb hadert die alte Dame auch so mit sich: „Ich habe doch tatsächlich vergessen, meine Helferin nach dem Namen zu fragen.“ Sie wisse nur, dass die wohl in der Neubrandenburger Innenstadt wohne und jetzt auch mit dem Erlernen von handarbeitlichen Fähigkeiten begonnen habe. „Aber das ist wohl ein bisschen wenig, um die junge Frau zu identifizieren?“, weiß die Neubrandenburgerin selbst. Deshalb ihre große Hoffnung: Ihre Helferin liest die Geschichte über die Suche nach ihr oder jemand, der die Sache beobachtet hat und den Namen der Frau kennt. „Ich will mich doch“, so die Rollstuhlfahrerin, „nur vernünftig bedanken. Vielleicht verrät jemand dem Nordkurier den Namen der Unterstützerin“, hofft Helga Niemann ganz inständig. Denn so viel Hilfe, denkt die Rentnerin, sei wirklich nicht selbstverständlich.

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Kommentare (1)

Na hoffentlich hat die Frau auch noch ihre Sinne beisammen, verfällt nicht auf den "Enkeltrick" und vermacht ihre Ersparnisse skrupellosen Verbrechern!