Ortsumgehung

ADFC für Fußgängertunnel in Neubrandenburg

Der neue Radweg entlang der B96 am Lindenberg in Neubrandenburg gleicht einer Berg- und Talbahn. Der ADFC ärgert sich auch über die geplante Ampel an der künftigen Umgehungsstraße und schlägt eine kuriose Lösung vor.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Derzeit rollt an der Radweg-Querung der B 96 noch der Bagger, bald die Autos. Fußgänger und Radfahrer müssen dann an der Ampel warten. 
Derzeit rollt an der Radweg-Querung der B 96 noch der Bagger, bald die Autos. Fußgänger und Radfahrer müssen dann an der Ampel warten. Mirko Hertrich
An dieser Stelle wünscht sich der ADFC statt einer Ampel über die B 96 für Fußgänger und Radfahrer einen Tunnel.
An dieser Stelle wünscht sich der ADFC statt einer Ampel über die B 96 für Fußgänger und Radfahrer einen Tunnel. Mirko Hertrich
Dieser Weg wird kein leichter sein: Für die Ortsumgehung der B 96 wurde der Radweg verlegt und ist jetzt steiler.
Dieser Weg wird kein leichter sein: Für die Ortsumgehung der B 96 wurde der Radweg verlegt und ist jetzt steiler. Mirko Hertrich
2
SMS
Neubrandenburg.

Die junge Radfahrerin nimmt die Herausforderung des neuen Radwegs entlang der Bundesstraße 96 am Lindenberg im Süden Neubrandenburgs sportlich. „Ich habe den Eindruck, die Stadt will mit der neuen Trasse etwas für die Fitness der Einwohner tun“, scherzt sie, als sie beim nasskalten Wetter am künftigen Ampelübergang über die Ortsumgehung ankommt. Auf dem Rückweg von der Arbeit auf dem Lindenberg hat sie es noch vergleichsweise gut. Für sie geht es zunächst abwärts, aber zur aufgeschütteten Trasse der Umgehung muss sie wieder bergauf, bevor es steil
bergab geht.

Schwieriger wird es für diejenigen, die auf dem frisch fertiggestellten Weg stadtauswärts unterwegs sind. Schon für die Bewältigung des alten Radwegs brauchte es eine gute Kondition und die provisorische Lösung während des Baus wegen der Enge viel fahrerisches Geschick. Jetzt geht es auf der neuen Trasse gleich zwei Mal bergauf, zwischendurch muss man ein Stück weit bergab rollen oder laufen. Eine wohl unfreiwillige Verschnaufpause müssen die Nutzer des Wegs machen, wenn nach der geplanten Fertigstellung der Ortsumgehung auf der Strecke der Autoverkehr rollt. Dann gilt es eine Ampel zu kreuzen. Derzeit ist dort ein mit vielen Warnbaken versehener Übergang, durch den die Bagger rollen.

Radler müssen an Ampel warten

Den Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Tollense, René Martin, ärgern die Trassenführung und der vorgesehene Zwangsstopp an der Ampel. „Wir haben schon bei der Projektentwicklung Einspruch eingelegt“, sagte er dem Nordkurier. Dass der Radweg aber so eine Rampe werde, habe man sich nicht vorstellen können. „Bei der Runterfahrt muss man viel Schwung mitnehmen, um die Zwischensteigung raufzukommen.“ Hoch werde es „noch anstrengender“.

Mit der Ampellösung will sich der ADFC nicht so einfach abfinden. „Da ist der Drops noch nicht gelutscht“, gibt sich Martin kämpferisch. Er sieht nicht ein, dass Fußgänger und Radfahrer „wie Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse“ ihr Grün per Knopfdruck anfordern müssten, während die Pkw-Lenker freie Fahrt hätten.
Anstelle der Ampel schwebt dem Fahrrad-Club eine größere Version vor: „Wir könnten uns an der Stelle gut einen Fußgängertunnel vorstellen“, betont Martin.

Werden Fußgänger und Radfahrer an den Rand gedrängt?

Der Verkehrsraum müsse für die Menschen zurückerobert werden, fordert er. In den vergangenen Jahren seien Radfahrer und Fußgänger „an den äußersten Rand verdrängt worden, damit der Autofahrer es noch bequemer hat“. Der Fahrrad-Befürworter wünscht sich auch ein grundsätzliches Umdenken bei den Verkehrsplanern. Impulse hierfür erhofft er sich von dem neuen Mobilitätsgesetz, das derzeit vom Land Berlin vorbereitet wird.

zur Homepage

Kommentare (4)

Etwas anderes habe ich doch nicht erwartet. Umweltsau Auto bekommt wieder alles im Hals gestopft. Das Umweltfreundliche Rad sieht wieder den kürzeren und hat einen weiteren Hürdenlauf vorsichtig. Da wünsche ich mir das viele trotzdem dem Fahren und reichlich die Ampel nutzen zum überqueren.

Liebe Bundesregierung, auf der neuen Umgehungsstraße kann man doch schön Maut kassieren. War doch teuer genug.

Irgendwer hat mal gesagt: Gute Ideen kommen entweder 100 Jahre zu früh oder 5 Minuten zu spät. Im konkreten Fall sind es zwar keine 5 Minuten, aber zu spät kommt sie doch. Eine zementene Tunnelröhre an den Platz zu legen, wo sie sinnvoll ist, und dann den ganzen Kies drüber zu schütten, kostet vermutlich einen Bruchteil von dem, als nachträglich einen Tunnel zu bohren. Und es braucht mir auch keiner sagen, dass die Radverkehrslösung nicht abzusehen war. Guckt euch andere Umgehungsstraßen an (bspw. Neustrelitz Süd), die Wegeführung ist die gleiche. Nur ohne Hügel.

Bravo ADFC! Meine Unterstützung hättet ihr.