STREIT UM MÜLL

Der seltsame "Mülltonnen-Marathon" in Friedland

In Friedland ist ein Streit um Mülltonnen entbrannt. Anwohner, darunter auch Senioren, sollen ihre Tonnen über viele Hindernisse hinweg für die Abholung bereitstellen. Alternativen wurden abgelehnt und die Berufsgenossenschaft zeigt sich knallhart.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Alle zwei Wochen werden die Restmüll-Tonnen geleert, zwischendurch müssen auch noch Papiertonnen und Gelbe Säcke an die Straße. Die Anwohner sind empört – nicht nur über den Kraftakt, der ihnen da abverlangt wird, sondern auch über die unansehnliche Alternative.
Alle zwei Wochen werden die Restmüll-Tonnen geleert, zwischendurch müssen auch noch Papiertonnen und Gelbe Säcke an die Straße. Die Anwohner sind empört – nicht nur über den Kraftakt, der ihnen da abverlangt wird, sondern auch über die unansehnliche Alternative.
Friedland.

Diesen Bescheid würden die Anwohner des Friedländer August-Bebel-Platzes am liebsten in die Tonne werfen. Geht aber nicht, denn damit wäre der Ärger um die Tonnen keineswegs aus der Welt: Jene Tonnen, die seit Jahrzehnten auf der Rückseite der Grundstücke, wo der 1. Apothekergang verläuft, zur Leerung bereitgestellt werden. Damit soll nun aber Schluss sein, weist die Kreisverwaltung an: Da der Apothekergang für die Entsorgungsfahrzeuge nicht breit genug sei, erfolge die Abholung ab sofort auf der Vorderseite der Wohnhäuser.

Viele Tonnen, viel Strecke

Da müssen die Tonnen allerdings quer durchs Haus, über Treppen an der Front- wie auch auf der Rückseite, teils durch Wohnflure. Betroffen sind 16 Aufgänge, jeder mit zwei bis drei Wohnungen. Viele Bewohner sind Senioren, weiß Stadtvertreter Ralf Pedd, der sich für die Nachbarn stark macht. Wie sollen sie die 240-Liter-Tonnen über die Stufen bugsieren?

Selbst bis zu den als „Alternative“ angebotenen Sammelplätzen an der Riemann-Straße oder am entgegengesetzten Ende des Apothekergangs müssten die Behälter über beträchtliche Strecken gezerrt werden. Die Kreisverwaltung findet die Neuregelung „zumutbar, da kein höherer Aufwand für die Bereitstellung der Tonnen und Abfälle abverlangt“ werde.

Anwohner schlugen Alternativen vor

So kurzfristig der Bescheid – am vorigen Wochenende zugestellt, ab März in Kraft –, so unerquicklich die Vorgeschichte: Im Sommer war eine solche Änderung erstmals angekündigt worden, weil der Apothekergang für die Nutzung durch Entsorgungsfahrzeuge ungeeignet sei. Statt nötiger 3,55 Meter – bei einer Fahrzeugbreite von 2,55 Metern jeweils noch mit einem halben Meter Luft – bringt es die schmalste Stelle nur auf 2,70 Meter.

Da könnten eine Hecke und ein Mast versetzt sowie der ebenfalls beanstandete Wendebereich erweitert werden, hatten die Anwohner nach einer Begehung mit Vertretern des Entsorgungsunternehmens, der Stadtverwaltung und des Landkreises vorgeschlagen; ganz zu schweigen von kleineren Fahrzeugen. Doch alle auch aus dem Rathaus befürworteten Varianten fruchteten nicht.

Nunmehr hat die Berufsgenossenschaft Verkehr mit Verweis auf die Arbeitssicherheit der Müllwerker das Befahren des Apothekergangs für Entsorgungsfahrzeuge verboten. Bei Nichtbefolgung drohen Strafen; der bisher erfolgte „Verstoß gegen Unfallverhütungsvorschriften“ schaffe kein Gewohnheitsrecht.

Bürgermeister: Nicht die einzige schmale Straße im Kreisgebiet

„Das ist schlimm für die Anwohner“, bestätigt Bürgermeister Wilfried Block. Zumal er sich nicht vorstellen kann, dass dies die einzige so schmale Straße im Kreisgebiet sei. Die ins Spiel gebrachte Option, die Tonnen um kürzerer Wege willen fortan vor statt hinter den Häusern zu „stationieren“, sei zwar nicht verboten, aber doch unansehnlich. Fast alle Nachbarn haben Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt und gehen davon aus, dass er aufschiebende Wirkung für die Neuregelung hat.

Allerdings werde von diesem Widerspruch die Anordnung der Berufsgenossenschaft an die Entsorgungsfirma „nicht berührt“, stellt die Kreisverwaltung klar: Definitiv dürfe die Müllabfuhr nicht mehr in den Apothekergang fahren.

 
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Kommentare (3)

Die blaue Tonne und die gelbe Tonne sind nicht schwer, wenn sie korrekt mit dem befüllt werden , wofür sie vorgesehen sind. Außerdem werden diese in der Regel nur einmal im Monat geleert . Einzig die Restmülltonne ist etwas schwerer , aber nur die 120 l Tonne. Die meisten haben nur eine Restmülltonne von 60 l. Gibt's keinen Hausmeisterservice seitens des Vermieters? Wenn nicht , habt euch nicht so , einmal im Monat Mülltonnen bereitstellen kann ja wohl nicht soein Problem sein. Wegen jedem Fliegenschiss wird heut zu Tage ein Theater gemacht.

In Berlin und anderen Städten werden alle Mülltonnen selbst aus dem 3.Hintterhof von der Müllabfuhr zum Auto und zurück gebracht. Warum funktioniert das nicht bei unseren Entsorgungsunternehmen. Die sind so faul, das sie sogar entgegen der Fahrtrichtung halten und die Tonnen entleeren.

Der Inhalt des Kommentars von netto76 · 28. Februar 2019 - 12:28 ist absolut zutreffend. Immer weniger Service, immer höher werdende Gebühren....REMONDIS z.B. bringt es nicht fertig, innerhalb von 5 Wochen einen angeforderten weiteren Restmüllbehälter an der Kundenadresse abzuliefern....und der zuständige Landkreis-Mitarbeiter verteidigt diese Unfähigkeit auch noch. Aber kassiert wurde für den vollen Monat.....