URTEIL

Afghane muss wegen Messer-Attacken in Haft

Das Landgericht Neubrandenburg hat den Afghanen Omid B. wegen dreier Messer-Attacken in Anklam und Greifswald zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Matthias Lanin Matthias Lanin
Verteidiger Dirk Pegelow (links) sprach mit Staatsanwalt Andreas Gentz und der forensischen Psychiaterin Peggi Grüneberg den Ablauf des fünften Verhandlungstages ab.  
Verteidiger Dirk Pegelow (links) sprach mit Staatsanwalt Andreas Gentz und der forensischen Psychiaterin Peggi Grüneberg den Ablauf des fünften Verhandlungstages ab. Matthias Lanin
Neubrandeburg.

Als dreifachen Fall von Selbstjustiz hat das Landgericht Neubrandenburg am Mittwoch die Taten des angeklagten Omid B. bewertet. Der Afghane hatte 2017 am Peeneufer in
Anklam, 2018 am Museumshafen und am Flüchtlingsheim in Greifswald andere Menschen mit Messern verletzt.

Als die Kammer den 27-Jährigen am fünften Verhandlungstag zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilte, sprach der vorsitzende Richter Patrick Schwantes von drei angeklagten Taten, die so unterschiedlich und doch ähnlich zugleich sind.

Wer sich provozieren lässt, wird selbst zum Täter

Verschieden waren die Opfer, die Tatzeit und der Ort des Geschehens. „Gleich war jedoch Ihr Vorgehen, das so nicht geht“, erklärte der Richter. In allen drei Fällen war dem Ausrasten des Afghanen eine Provokation vorausgegangen. Provokationen sind aber erstens kein Grund, ein Messer zu zücken und zweitens hat das Gericht betont, dass bei allen drei Taten zwischen seiner Reaktion und dem Initialvorfall zu viel Zeit gelegen hat.

„Dadurch, Herr B., sind Sie selbst zum Angreifer geworden, der Unrecht begeht. Und in allen Fällen sehen wir hier ein sittlich sehr niedrig anzusiedelndes Motiv“, fügte Schwantes hinzu: das Motiv Rache. Am Greifswalder Flüchtlingsheim habe er das Opfer sogar in einer Menschenjagd verfolgt, bevor er es verletzt hat.

Nach dem Urteil wird der Mann direkt abgeschoben

Vor dem Urteilsspruch kamen noch eine Zeugin des Vorfalls an der Peene und die Sachverständige Peggi Grüneberg zu Wort. Die forensische Psychiaterin aus Greifswald hatte mit Omid B. zweimal gesprochen und dem Gericht dargelegt, dass es Anhaltspunkte für eine posttraumatische Belastungsstörung und eine Borderlinestörung gegeben habe, dass sie aber nicht glaubt, das wäre bei den besprochenen Taten relevant.

Was aber immer eine Rolle gespielt hat, war der Alkohol. Omid B. hatte zu den Tatzeiten 1,4 sowie 1,7 und sogar 2,0 Promille im Blut, was im Gerichtsjargon ein mittelschwerer Rausch und damit verminderte Schuldfähigkeit ist. Nach Aussage der Fachfrau ist er alkoholsüchtig und missbraucht manchmal weitere Betäubungsmittel, Cannabis und Amphetamin. Weil er des Deutschen jedoch nicht mächtig ist, hat das Gericht trotzdem vom Aufenthalt in einer Entziehungsklinik abgesehen. „Wir haben schlicht keine Hoffnung, dass Sie von dieser Hilfe profitieren können“, erklärte Schwantes.

Nach dem Gefängnisaufenthalt soll Omid B. in sein Heimatland abgeschoben werden, ein dementsprechendes Urteil trat bereits im Herbst 2018 in Kraft.

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