Freiwillige haben auf dem Marktplatz bei der Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 Ausschnitte aus da
Freiwillige haben auf dem Marktplatz bei der Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 Ausschnitte aus damals von der NSDAP verbotenen Büchern vorgelesen. Lisa Gutzat
Gedenken

Aktion in Neubrandenburg erinnert an Bücherverbrennung

Mit einer öffentlichen Lesung auf dem Marktplatz wurde in Neubrandenburg der Autoren gedacht, die vom Bücherverbot der Nazis 1933 betroffen waren.
Neubrandenburg

Bei der Gedenkveranstaltung für Autoren, die von der Bücherverbrennung der Nazis im Jahre 1933 betroffen waren, wurden gestern damals verbotene literarische Werke auf dem Neubrandenburger Marktplatz vorgelesen. Werke wie „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner, „Schachnovelle“ von Stefan Zweig und „Das Feuer“ von Henri Barbusse sind am 10. Mai 1933 von der NSDAP verbrannt worden, weil sie als „Schund- und Schmutzliteratur“ galten. So sollte zur Herrschaftszeit der Nazis die Zerstörung des „undeutschen Geistes“ demonstriert werden.

Lesen Sie auch: ▶ Neubrandenburg erinnert dauerhaft an NS-Bücherverbrennung von 1933

Bibliothek mit dabei

Um an das Schicksal der Autoren zu erinnern, veranstaltete der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Jugend gemeinsam mit dem Förderverein der Regionalbibliothek Neubrandenburg eine öffentliche Lesung auf dem Marktplatz. Lars Krychowski von der BUND Jugend sagte zu den Ereignissen von vor 89 Jahren: „Wenn ich mir vorstelle, dass hier einst verbotene Bücher verbrannt wurden, dann ist mir bange. Denn immer noch werden in unserem Nachbarland Polen Bücher mit queerem Inhalt verbrannt“, sagte Krychowski vor den Gästen der Gedenkveranstaltung. „Wie soll das dann 2033 aussehen – 100 Jahre später – wenn es auch 2022 noch solche Maßnahmen gibt?“, fragte der junge Mann anschließend. Polnische Priester sollen vor drei Jahren auch Harry-Potter-Bücher verbrannt haben, was seinerzeit Schlagzeilen machte.

Mehr lesen: Gemeinsames Gedenken an ermordete Patienten

Sessel, Teppich, Stehlampe

Für die Lesung konnten sich die acht Freiwilligen, darunter Studierende, Lehrer und Stadtvertreter, für ihren Vortrag in einen Sessel setzen, der auf einem Teppich stand, daneben eine alte Stehlampe. Denn im Gegensatz zum 10. Mai 1933 sollte laut Lars Krychowski eine gemütliche Atmosphäre geschaffen werden.

zur Homepage