DISCOUNTER-KAMPF

Aldi stellt Bauantrag für Neubau in Burg Stargard

Aldi baut, Netto will auch, Norma sowieso und Lidl würde auch gerne bleiben. Die Stadt Burg Stargard sieht sich aktuell dem Begehren von vielen Supermärkten ausgesetzt.
Um die Nahversorgung in Burg Stargard ist ein regelrechtes Rennen entstanden. Die Stadt könnte sich jetzt Zeit verschaffen.
Um die Nahversorgung in Burg Stargard ist ein regelrechtes Rennen entstanden. Die Stadt könnte sich jetzt Zeit verschaffen. Fabian Sommer
Burg Stargard.

Manch einem Stadtvertreter Burg Stargards dürfte ein ganzer Einkaufskorb voller Steine vom Herzen gefallen sein. Wie der Nordkurier erfuhr, hat das Unternehmen Aldi Nord für seinen neuen Markt am Kreisel einen Bauantrag beim Landkreis eingereicht. Aktuell holt sich die Behörde von allen Bedenkenträgern Stellungnahmen zum Ersatzneubau samt Kühlzelle ein.

Es war der Schritt, den die Verantwortlichen aus dem Rathaus und der Stadtvertretung nahezu herbeisehnten. Denn – ob ausgesprochen oder nicht – alle Annäherungsversuche von anderen großen Ketten standen immer im Schatten der Angst, Aldi könne doch noch einen Rückzieher machen, wenn zu viel Konkurrenz in die Kleinstadt gelassen wird. Die Essener selbst hatten offiziell bereits ein klares Bekenntnis zur Stadt abgegeben. „Wir halten natürlich weiterhin an unseren Plänen für Burg Stargard fest. Grundsätzlich orientieren wir uns nicht an Wettbewerbsaktivitäten“, ließen sie dem Nordkurier über die Presseabteilung ausrichten.

Weder Norma noch der „rote“ Netto können bauen

Ein Hingucker waren diese Aktivitäten allemal. Der Discounter Norma sicherte sich ein Grundstück gegenüber der Feuerwehr und ging mit seinen Eröffnungsplänen in die Offensive, stellte eine Bauvoranfrage beim Landkreis und warb mit einer Anzeige auch im Amtsblatt für seinen neuen Markt. „Es ist schon ein starkes Stück, das dort so getan wird, als geht morgen der Bau los, obwohl noch gar nichts entscheiden ist“, zeigt sich Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU) diesbezüglich angesäuert. Der „rote“ Netto Markendiscount zog schnell und leise nach. Ursprünglich wollte der zuständige Expansionsleiter Patrick Muranko seine Stargarder Pläne wegen Aldis Rückkehr schon auf Eis legen, doch Normas Ankündigung änderte das. Auch Netto sicherte sich ein Grundstück in der Marner Straße – direkt neben der Feuerwehr.

Ob all die Handlungen auf der Sorge einer nicht funktionierenden Nahversorgung für die Bevölkerung gründen oder es doch eher um Marktanteile und Druck für die Konkurrenz geht, bleibt dem neutralen Burg Stargarder Einkäufer dabei selbst überlassen.

Bauen können sie aktuell beide nicht, bestätigt Burg Stargards Bauamtsleiter Tilo Granzow. Für Normas Grundstück müsste ein neuer Bebauungsplan aufgelegt, bei Netto ein bestehender geändert werden. Beides läge in der Macht der Stadtvertretung, doch diese ziert sich. Denn mit Lidl gibt es in dem Einzugsgebiet bereits einen Supermarkt, der am Standort zuletzt 2019 Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen hatte.

Wie das Unternehmen zu den Begehren der Mitbewerber steht, will es offiziell nicht verraten. „Grundsätzlich begrüßen wir eine lebendige Einzelhandelslandschaft an unseren Standorten“, zeigt es sich generös. Tatsächliche Begeisterung über die drohende Konkurrenz im begrenzten Marktbereich Burg Stargards dürfte dennoch nicht aufkommen.

Stadtvertreter entscheiden über Einzelhandelskonzept

Zwischen allen Stühlen, auf denen auch noch der verbliebende Einzelhandel aus der Innenstadt sitzt, bewegt sich zurzeit die Stadt. Allein drei neue Märkte im Neubaugebiet rund um die Feuerwehr zu haben, wäre Unsinn, sind sich alle einig. Dem Bürgermeister Lorenz stoßen zudem weiterhin die Standorte sauer auf, da die Märkte im Außenbereich städteplanerisch nur wenig Sinn ergeben. Auch der Flächennutzungsplan spreche dagegen, so der Rathauschef.

Wäre die Kleinstadt eine Fernsehshow, hätte sie längst die Märkte zum Vorsingen einladen müssen. Doch stattdessen steht ein anderer Programmpunkt nun hoch im Kurs. In der anstehenden Stadtvertretung wird über die Erstellung eines Einzelhandelskonzept entschieden, dass der Wirtschaftsausschuss bereits durchgewinkt hat. Das wird seine Zeit dauern. Mindestens eineinhalb Jahre, schätzt Lorenz. Eine Bremse für Norma und Netto? Beide Unternehmen zeigen sich entspannt.

Es soll ja ohnehin alles in Einklang mit der Stadt vonstattengehen, sagt Normas Entwicklungsleiter Jörg Tessendorff und auch Patrick Muranko von Netto bleibt gelassen: „Ich freue mich, dass der Weg für ein Einzelhandelskonzept frei ist.“ Bei allem Druck zu Beginn scheint nun keiner mehr die ganz große Eile zu haben.

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