Erinnerung an Großfeuer in Neubrandenburg

Als der Adler-Modemarkt in Flammen aufging

Flammen und Sirenen rissen im November 1991 die Menschen in Neubrandenburg aus den Betten. Binnen kurzer Zeit vernichtete ein Brand den Arbeitsort von 60 Frauen und Männern.
So berichtete damals der Nordkurier auf seiner Titelseite über das Feuer.
So berichtete damals der Nordkurier auf seiner Titelseite über das Feuer. NK-Archiv
Neubrandenburg

Es gibt Brände, die vergisst auch ein erfahrener Feuerwehrmann nie. Zu jenen, an die sich Neubrandenburgs oberster Brandschützer Frank Bühring auch heute noch lebhaft erinnert, zählt das Feuer in der Neubrandenburger Oststadt am 20. November 1991. Damals vernichteten Flammen den Adler-Modemarkt im größten Stadtteil der Vier-Tore-Stadt. Dort, wo wenige Jahre später das Lindetal-Center errichtet wurde, kämpften Feuerwehrleute einen stundenlangen Kampf gegen die Flammen.

Flammen bis in den Himmel hoch

Bühring, heute Vorgesetzter aller Feuerwehrleute in der Stadt, war damals noch Gruppenleiter auf einem der Löschfahrzeuge bei der Neubrandenburger Berufsfeuerwehr. „Als wir am frühen Morgen eintrafen“, erinnert er sich zurück, „erstarrten wir fast vor Entsetzen und Staunen. Die Flammen schlugen aus dem 5000 Quadratmeter großen Markt ungelogen bis in den Himmel hoch.“ Mit einem Brand solchen Ausmaßes, so Bühring, hatte er es bis dahin noch nicht zu tun.

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Der Markt, das war den fast 60 beteiligten Feuerwehrleuten schnell klar, war nicht mehr zu retten. „Wir konzentrierten uns darauf, das Übergreifen des Feuers auf die nebenstehenden Gebäude zu verhindern.“ Das gelang – zum Glück.

Gerade erst für 1,5 Millionen Mark umgebaut

Wie einen Alptraum erlebte die Chefin des Modemarktes, Kathleen Scheel, die Vernichtung ihres Arbeitsplatzes. „Völlig verzweifelt“ sei sie, erzählte sie damals dem Nordkurier-Reporter. Keine drei Monate zuvor war der Markt nach einem 1,5 Millionen Mark teuren Umbau erst eröffnet worden. Allein der Wert der vernichteten Waren belief sich auf mehr als drei Millionen Mark.

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Die Sorgen der Mitarbeiter galten auch den eigenen Jobs. Eine schlimme Situation angesichts der riesengroßen Arbeitslosigkeit in Neubrandenburg im Jahr 1991. Denn immerhin war der Modemarkt Arbeitgeber für 43 Festangestellte und 20 Aushilfskräfte. Und weil schon am Tag nach dem Brand feststand, dass der Markt nicht wieder aufgebaut wird, bangten sie um ihre Jobs. Das Neubrandenburger Rathaus versprach schnelle Hilfe und hielt das Versprechen. Der Markt zog vorübergehend um in die Ihlenfelder Vorstadt und später in das Bethaniencenter, wo die Modekette noch heute residiert.

Betrunkener Einbrecher wurde zum Brandstifter

Staatsanwaltschaft und die Ermittler der Kripo waren schnell überzeugt davon, dass als Ursache nur Brandstiftung in Frage kam. Augenzeugen und ein Video der Feuerwehr ließen vermuten, dass sich der Brand an allen vier Ecken gleichmäßig entwickelt hatte. Dabei mussten die Kriminalisten am Tag nach dem Feuer einige Zeit warten, bis sie den völlig mit Löschschaum bedeckten Brandort betreten konnten. Die vernichteten Textilien und Schuhe entwickelten beim Verbrennen hochtoxische Gifte, hieß es. Da war Geduld gefragt.

Um so schneller gelang es seinerzeit, die verdächtigen Täter zu schnappen. Den Erfolg hatten die Ermittler dem vertraulichen Hinweis einer Bürgerin zu verdanken. Der mutmaßliche Haupttäter hatte am Abend, wenige Stunden zuvor, gemeinsam mit Bekannten Alkohol getrunken, hieß es und sein Heimweg führte ihn anschließend am Modemarkt vorbei. Die dumme Idee: Sich hier nach etwas umzusehen. Mit einem guten Kumpel brach der Mann in den Markt ein und füllte große Tüten mit Klamotten voll. Anstatt es dabei zu belassen, zündete der betrunkene 32-Jährige anschließend auf Bügeln hängende Pullover an. Sein Motiv? Fehlanzeige.

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