1936 wurden in Trollenhagen vor der Halle und direkt an einem Dornier-Flugzeug (Do 23G) Rekruten vereidigt. Diese Aufnahme sta
1936 wurden in Trollenhagen vor der Halle und direkt an einem Dornier-Flugzeug (Do 23G) Rekruten vereidigt. Diese Aufnahme stammt aus einem privaten Fotoalbum. © Thomas Kasan; Repro: Roland Pöschel
Eine Ansichtskarte von 1938 zeigt auch das noch unzerstörte Neubrandenburg.
Eine Ansichtskarte von 1938 zeigt auch das noch unzerstörte Neubrandenburg. © Heintze Neubrandenburg; Repro: Roland Pöschel
Zweiter Weltkrieg

Als in Trollenhagen das Militär Einzug hielt

Eigentlich war der oberhalb Neubrandenburgs gelegene Platz für den Segelflugsport gedacht. Doch schnell entwickelte sich vor 80 Jahren alles anders.
Trollenhagen

Es war der Zahnarzt Dr. Walter Bohn, der als Leiter des lokalen Turnvereins „Friedrich Ludwig Jahn“ im Jahr 1932 die Neubrandenburger Segelflieger-Abteilung ins Leben rief. Weitreichende Aufmerksamkeit erzielten die dort versammelten Enthusiasten noch im selben Jahr, und zwar mit einer Propaganda-Aktion um ein neues Segelflugzeug, das die populäre Sportfliegerin Elly Beinhorn auf den Namen „Dörchläuchting“ taufte.

Fliegerhorst wurde erst einmal getarnt

Doch schon wenig später galten für die Luftfahrt ganz neue Vorzeichen. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg bereits am2. Februar 1933 die „Verordnung über den Reichskommissar für die Luftfahrt“. Im Mai 1933 nahm das Reichsluftfahrtministerium seine Arbeit auf. Ende 1933 begannen dann erste Planierungs- und Drainagearbeiten auf dem Plateau bei Trollenhagen. Zuvor waren Teile des Waldes gerodet und zwei Betonstraßen gebaut worden. Um den im Aufbau befindlichen Fliegerhorst Trollenhagen zu tarnen, erhielt er die Bezeichnung „Lager der Luftverkehr Pommern GmbH“.

Start- und Landebahn aus Gras wurde zum Problem

Im Frühjahr 1934 entstanden drei Flugzeughallen. Später kamen eine vierte Halle, das Materiallager und eine Eisenbahn-Güterabfertigung hinzu. Am Rand des Fliegerhorstes errichtete man eine Holzbaracke als Krankenrevier mit Schreibstube und Unterkünfte. Bis 1939 waren zeitweise bis zu 3000 Bauarbeiter auf dem Gelände tätig.

Um 1942 verfügte der Fliegerhorst über sieben große freitragende Flugzeughallen und eine Holzhalle für Segelflugzeuge. Sein Gelände war als militärisches Sperrgebiet von einem 1,50 Meter hohen Zaun umgeben.

Bereits nach der Einweihung der Anlage durch Reichswehrminister Werner von Blomberg im April 1934 hatte sich herausgestellt, dass schwere Flugmaschinen bei schlechtem Wetter in der aus Erde mit Rasenabdeckung konstruierten Start- und Landebahn versanken. So musste das ganze Rollfeld drainiert werden. 1940/41 wurde die Start- und Landebahn dann betoniert.

Häftlinge und Anwohner beräumten den Schutt

Die offizielle Besetzung des Fliegerhorstes erfolgte mit einer Rekruten-Vereidigung am 7. September 1935. Zum 15. Dezember 1935 wurde ein Luftwaffen-Musikkorps aufgestellt und stationiert. 1940 betrug die Dienststärke auf dem Fliegerhorst 2000 bis 3000 Mann. Zwischen Oktober 1939 und August 1944 gab es dort eine Flugzeugführerschule für die Ausbildung an Maschinen von Focke-Wulf und Dornier. Im Zuge des „Jägerbauprogramms“ ab März 1944 begann die auf dem Fliegerhorst ansässige „Focke-Wulf Flugzeugbau GmbH“ mit der Fertigung der FW 190A. Auch der Strahlbomber Ar 234 der Firma Arado wurde in Trollenhagen montiert und eingeflogen.

Erster Angriff im Juni 1944

All dies blieb der westalliierten Aufklärung nicht verborgen. Am 20. Juni 1944 erfolgte der erste Tieffliegerangriff der US Air Force unter Einsatz von Jagd-Flugzeugen mit Bordwaffen. Am 25. August und 6. Oktober 1944 griffen 180 Flugzeuge der US Air Force an. Sie klinkten 345 Tonnen Bomben aus – 1190 Spreng- und 600 Brandbomben. Ein Teil der Hallen, Unterkünfte und Teile des Rollfeldes wurden zerstört. Unmittelbar nach den Angriffen begannen die Aufräumarbeiten, zu denen Bewohner aus Trollenhagen, dienstverpflichtete Neubrandenburger sowie Frauen aus dem KZ Ravensbrück, Außenlager „Waldbau“ Neubrandenburg, herangezogen wurden.

Auf vorrückende sowjetische Truppen von Prenzlau, Feldberg und Burg Stargard starteten vom Fliegerhorst aus noch bis zum 28. April 1945 Angriffe. Dann räumte die Luftwaffe das Gelände, Treibstofflager und Munitionsdepot wurden gesprengt. Am 29. April 1945 besetzte die Rote Armee Neubrandenburg.

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