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Derzeit ist auf der Rückseite des Marien Carrées nicht mehr als eine Brache zu sehen. Der Bauantrag für den Bau von Seniorenwohnungen ist jedoch bereits gestellt. Tim Prahle
So könnte die südliche Rückseite des Marien Carrée in Neubrandenburg künftig aussehen.
So könnte die südliche Rückseite des Marien Carrée in Neubrandenburg künftig aussehen. Carl Steinfelz
Marien-Carrée

Altenheim sorgt in Neubrandenburg für schlechte Laune

Eine Seniorenwohnanlage und ein Café sollen an der Rückseite des Marien-Carrées einziehen. Die Stadtvertreter sind damit nicht wirklich glücklich – können sich aber kaum wehren.
Neubrandenburg

Seit mittlerweile zehn Monaten liegen die Pläne auf dem Tisch: Auf der Rückseite des Marien-Carrées soll eine Seniorenwohnanlage samt integrierter Tagespflege und einem Café entstehen. Bereits vor dem Jahreswechsel wurde dafür der Bauantrag eingereicht, wie Stadt und Investor jeweils bestätigen.

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„Wir prüfen die bauordnungsrechtliche und bauplanungsrechtliche Zulässigkeit“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Frank Renner im schönsten Behördendeutsch. Will heißen: Lässt der Rahmen, den Stadt und Stadtvertreter für das Marien-Carrée und die Innenstadt vorgegeben, die nun angestrebte Nutzung zu? Ein normaler Vorgang, und dennoch der entscheidende Schritt. Denn nach ersten Einschätzungen Renners sind die 75 Seniorenwohnungen in den Obergeschossen sowie das Café und die Tagespflege im Erdgeschoss baurechtlich zulässig. „Und dann müssen wir es auch positiv bescheiden“, wie er unter anderen Stadtvertretern im Stadtentwicklungsausschuss mitteilte.

Supermarkt und Parkhaus geplant

Ein Tiefschlag. Denn die Stadt selbst hatte ganz andere Pläne mit dem Grundstück in Toplage, träumte einst von einem Hotel. Die Stadtvertreter hingen mehrheitlich an der Idee eines Supermarktes und einem Parkhaus. So wie es auch lange geplant war.

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Eine Chance, die neuen Pläne zu verhindern, haben sie nicht mehr. „Man fühlt sich veräppelt und machtlos“, sagt der Stadtentwicklungsausschussvorsitzende Jan Kuhnert (Linke). Den Zielen einer attraktiven und lebendigen Innenstadt werde damit weiter das Wasser abgegraben.

Investor: Haben sehr gute Nutzungsform gefunden

Eine Einschätzung, die Martin Ahrens naturgemäß nicht teilt. „Wir haben eine sehr gute Nutzungsform gefunden“, sagt der Geschäftsführer des Investors, der Achim Griese Treuhand GmbH. Lebensmittelhändler seien ohne Marktzugang nicht bereit für die Anmietung, zumal mit dem Kaufhof ein neues Mietobjekt als Konkurrenzstandort dazugekommen sei. Und die Pläne für ein Parkhaus seien nicht zuletzt gescheitert, weil sich die städtische Wohnungsgesellschaft Neuwoges als möglicher Betreiber von sich aus zurückgezogen hat.

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„Dann auf den Investor zu schimpfen, finde ich ganz schön skurril“, sagt Ahrens. Da müsse man nun auch nicht enttäuscht sein. „Wir als Investor können uns maximal eingestehen, dass wir die Marktsituation zunächst falsch eingeschätzt haben.“

Keine Stadt-Mittel für Ausgrabungen

Ohnehin scheint das Verhältnis etwas angeschlagen. Überraschend hatten die Stadtvertreter gegen die Argumente der eigenen Verwaltung es vergangenes Jahr abgelehnt, dass Neubrandenburg die nötigen Ausgrabungen mit Städtebaumittel unterstützt. Nun muss der Investor diese sechsstellige Investition ohne Hilfe von Stadt und vor allem vom Land bewältigen. „Das ist für uns natürlich überraschend und unverständlich“, sagt Martin Ahrens. Immerhin kümmere man sich um ein prestigeträchtiges Objekt, „so einen Investor lässt man normalerweise nicht einfach abblitzen“.

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Veräppelte Stadtvertreter, ein abgeblitzter Investor, der schon vor Jahren das Kapitel abschließen wollte, und ein Projekt in Top-Lage, das ganz offiziell „nicht der Intention der Verwaltung“ entspricht, wie Frank Renner es ausdrückt. So richtig glücklich scheint bei der Liaison ums Marien-Carrée niemand mehr.

Noch ist die Prüfung des Bauantrags nicht abgeschlossen. Der Investor würde gerne bis 2023 bauen. „Aber wir sind daran gewohnt, dass es bei der Stadt etwas länger dauert“, sagt Martin Ahrens.

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