Auf der freien Fläche in der Mauerstraße/Ecke Hospitalstraße hat Bürgermeisterin Claudia Ellgoth (M.) di
Auf der freien Fläche in der Mauerstraße/Ecke Hospitalstraße hat Bürgermeisterin Claudia Ellgoth (M.) die erste städtische Blühwiese gemeinsam mit Klimaschutzmanagerin Anne Harnack (r.) und der Geschäftsführerin des Altentreptower Bauernverbands, Barbara Brands, eingeweiht.
Sven Nehls vom Bauhof säte die regionale Weidemischung auch gleich aus. Jetzt heißt es abwarten, bis dort Kornblume
Sven Nehls vom Bauhof säte die regionale Weidemischung auch gleich aus. Jetzt heißt es abwarten, bis dort Kornblume, Drachenkopf und Co anfangen zu blühen.
Umweltschutz

Altentreptow legt neue Blühwiesen für Insekten an

An elf Standorten sollen in Altentreptow und Umgebung Insektenweiden als Nahrungsquelle und Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und Co entstehen. Doch dafür ist Geduld gefragt.
Altentreptow

Bestäubende Insekten sind unverzichtbar für die Ökosysteme, in denen wir leben. Allerdings haben sich ihre Lebensbedingungen drastisch verschlechtert. Wie aktuelle Studien des NABU zeigen, ist die Biomasse von fliegenden Insekten in den vergangenen 30 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen – eine besorgniserregende Entwicklung. Experten warnen davor, dass der Mensch durch das Artensterben die eigene Lebensgrundlage verliert. Denn wer soll all die Pflanzen bestäuben, wenn die Bienen sterben? Um dem entgegenzuwirken, wurden landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerland grundsätzlich dazu verpflichtet, fünf Prozent ihrer Flächen im Interesse der Umwelt zu nutzen und sie als ökologische Sonderflächen auszuweisen, auf denen Blühflächen angelegt werden können. Auch wenn es derartige Vorgaben für die Kommunen nicht gibt, ziehen viele nach und wollen ihren Part zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

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Altentreptower Bauernverband unterstützt

Im Treptower Tollensewinkel sind Insektenweiden ein wesentlicher Bestandteil des integrierten Klimaschutzkonzeptes, das Ende 2020 vom Amtsausschuss beschlossen wurde. Nach einem ersten gescheiterten Anlauf vor einigen Jahren will die Stadt nun mit Unterstützung des Altentreptower Bauernverbandes einen Neustart wagen. Auf etwa zwei Hektar kommunaler Grünflächen sollen in Altentreptow und fast allen umliegenden Ortsteilen gleich mehrere solcher Weiden an Spielplätzen, Friedhöfen, Dorfteichen sowie weiteren Brachflächen entstehen.

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Wildbienen sind wählerisch

„Dafür werden je nach Bodenbeschaffenheit zwei regionale Saatgutmischungen verwendet, denn nur die bieten den Insekten auch genügend Futter, erklärt Barbara Brands, Geschäftsführerin vom Altentreptower Bauernverband  e. V. „Gerade die Wildbienen sind sehr wählerisch, da sie sich ausschließlich von Nektar und den Pollen heimischer Pflanzenarten ernähren, die nicht durch Zucht verändert wurden. Deshalb finden sie in vielen Gärten keine Nahrung mehr. Darüber hinaus beträgt ihr Flugradius meistens nur wenige hundert Meter.“

Rückzugsort auch ohne Blüten

Doch bis sich die kargen Flächen in ein farbenprächtiges Blütenmeer aus Sonnenblumen, Drachenkopf, Phacelia und Co. verwandeln, wird einige Zeit ins Land gehen. „Das kann mitunter zwei Jahre dauern. Aber auch, wenn es im Zuge eines Vegetationszyklus immer wieder Phasen gibt, in denen eine Blühwiese keine Augenweide für den Menschen ist, bleiben sie trotzdem Rückzugsort und Lebensgrundlage für verschiedene Insekten. Das sollten die Bürger nicht vergessen, wenn sie künftig daran vorbeigehen. Der Bauhof wird jeden Standort mit einem entsprechenden Hinweisschild versehen“, betont die Klimaschutzmanagerin Anne Harnack.

Geringere Kosten fürs Mähen

Außerdem würden die Insektenweiden noch einen ganz anderen, positiven Nebeneffekt mit sich bringen. Da sie im Gegensatz zu anderen Grünflächen nur zweimal im Jahr gemäht werden müssten, wird automatisch weniger Kraftstoff verbraucht. „Und das schont wiederum den Geldbeutel der Stadt“, so Harnack. In Zukunft soll regelmäßig über den aktuellen Zustand der Weiden informiert werden.

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