Auch mit ärztlichen Attest kommr man in den Einrichtungsmarkt an der Demminer Straße nicht ohne Maske rein.
Auch mit ärztlichen Attest kommr man in den Einrichtungsmarkt an der Demminer Straße nicht ohne Maske rein. Henning Stallmeyer
Coronavirus

Altentreptower fliegt trotz Maskenbefreiung aus Einrichtungsmarkt

Noch immer gilt beim Einrichtungsmarkt Poco in Neubrandenburg eine strenge Maskenpflicht. Davon wurde nun ein Senior aus Altentreptow böse überrascht.
Neubrandenburg

Der 82-jährige Rentner Rüdiger Etzien aus Altentreptow ist trotz Maskenbefreiung nicht in den Neubrandenburger Poco-Markt reingekommen. Die Familie ist noch immer fassungslos. „Mein Vater ist immer noch verdattert, dass er einfach rausgeschmissen wurde“, sagt Urte Donner. Rüdiger Etzien wollte nur einen bequemen Stuhl im Einrichtungsmarkt kaufen. Eine Bestellung im Internet sei für ihn nicht infrage gekommen. „Wie es dann nun mal ist: Man will sich da ja auch vorher reinsetzen, um den Stuhl auszuprobieren“, sagt Ute Donner.

Maskenbefreiung wegen Lungenerkrankung

Doch so weit kamen der 82-Jährige und seine Tochter gar nicht. Denn der bereits gegen Corona geimpfte Senior kann aufgrund seiner chronischen Lungenerkrankung und einer daraus resultierenden Herzerkrankung keine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Nur hatte sein Attest im Einrichtungsmarkt gar keine Bedeutung. Er sei von dem Mitarbeiter wenig galant sei heraus komplimentiert worden.

„Der Zutritt zu den Poco Einrichtungsmärkten ist nur mit Mund- und Nasenschutz möglich, auch wenn eine ärztliche Befreiung vorliegt“, heißt es von der Agentur „Horschler Kommunikation“, die die Pressearbeit für die Kette übernimmt. „Schließlich geht es nicht nur um den eigenen Schutz, sondern auch darum, die anderen Besucher und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen“, teilte die Agentur weiter mit.

Unternehmen soll sich entschuldigen

Der Vorfall ist längst nicht der erste seiner Art, bereits im April hatte sich eine Seniorin aus Meierhof über die gängige Praxis beklagt. Der Landesseniorenbeirat wusste schon im Frühjahr, dass mehrere Menschen mit derartigen Problemen immer wieder konfrontiert sind.

Für Rüdiger Etzien ist die Erfahrung die allererste dieser Art. In keinem Geschäft hatte er bislang derartige Probleme. „Sie haben einen alten kranken Mann einfach wieder rausgeschmissen“, sagt Tochter Ute Donner noch einmal. Sie wird eine Entschuldigung des Unternehmens für den Vorfall verlangen.

Keine Kundschaft mit Maskenbefreiung

Doch die dürfte eher nicht kommen. Denn ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz liegt nach Einschätzung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in solchen Fällen eher nicht vor. Poco selbst habe sich dazu entschlossen „Kundschaft, der es aus medizinischen Gründen ein Tragen des Mund- und Nasenschutzes nicht möglich ist, derzeit darum zu bitten, Poco erst wieder zu besuchen, wenn die Maßnahmen aufgehoben oder weiter gelockert sind“, heißt es von der Sprecherin.

Ihr Verweis, die Produkte vielleicht auch im Online-Shop zu finden sind, dürfte für die Familie aus Altentreptow etwas zynisch klingen. Seinen bequemen Stuhl hat sich der Senior längst woanders gekauft.

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