Rundgang

▶ Amazon zeigt erstmals sein neues Verteilzentrum in Neubrandenburg

180 neue Arbeitsplätze und ein begeisterter Chef. Eine Woche nach der Eröffnung ließ Amazon hinter die Tore des Neubrandenburger Standorts blicken, wo es auch noch Baustellen gibt.
Insgesamt knapp 9400 Quadratmeter ist das Areal auf dem Neubrandenburger Datzeberg groß.
Insgesamt knapp 9400 Quadratmeter ist das Areal auf dem Neubrandenburger Datzeberg groß. Tim Prahle
Seit Oktober bekommen viele Amazon-Kunden im Nordosten ihre Pakete von Neubrandenburg aus geliefert.
Seit Oktober bekommen viele Amazon-Kunden im Nordosten ihre Pakete von Neubrandenburg aus geliefert. Tim Prahle
OB Silvio Witt (links) ließ sich das Verteilzentrum von innnen und außen genauestens zeigen.
OB Silvio Witt (links) ließ sich das Verteilzentrum von innnen und außen genauestens zeigen. Tim Prahle
Standortleiter ist der Neubrandenburger Philipp Hecht.
Standortleiter ist der Neubrandenburger Philipp Hecht. Tim Prahle
Als Reaktion auf die Corona-Pandemie sind die Mitarbeiter-Pausenräume voneinander abgetrennt.
Als Reaktion auf die Corona-Pandemie sind die Mitarbeiter-Pausenräume voneinander abgetrennt. Tim Prahle
Neubrandenburg

Die riesige, beinahe menschenleere Halle auf dem Neubrandenburger Datzeberg kann am Nachmittag kaum ein einen Eindruck davon vermitteln, was hier in den Nacht- und Morgenstunden los ist. Leere Rollbehälter stehen an den Seiten, die langen Förderbänder still. „Am Nachmittag ist natürlich nur wenig los“, sagt Amazon-Sprecher Manuel Lesch. Nur wenige Mitarbeiter gebe es in der Spätschicht, Fahrer und Pakete sind zu diesem Zeitpunkt kreuz und quer im Nordosten verteilt. In der Nacht, wenn ab 2  Uhr tausende Pakete von den Logistikzentren ankommen, herrsche reger Betrieb. Mehrere Sortierphasen und genaue Koordinierung seien nötig, damit auch jedes Paket am Vormittag beim richtigen Fahrer landet.

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Eine Woche nach der offiziellen Eröffnung des knapp 9400 Quadratmeter großen Areals hatte der Konzern Vertreter von Medien, Politik und Wirtschaftsförderung geladen, um seinen neusten Standort vorzustellen. Es soll einmal der automatisierteste Standort Deutschlands werden. „Ein paar Baustellen gibt es natürlich noch“, sagt der Leiter des Verteilzentrums, Philipp Hecht. Für den Neubrandenburger ist der „Marathon“-Bau in nur acht Monaten beeindruckend, auch vom Einsatz der Mitarbeiter sei er begeistert. „Es war ein furioser Start.“

Zusteller werden noch von Subunternehmen gestellt

Das Verteilzentrum ist nach dem Konzept des US-Logistikriesen die letzte Station, ehe das Paket zum Kunden kommt. Erst seit fünf Jahren gebe es dieses Konzept, mache es das Unternehmen noch unabhängiger von Paketdiensten. Die 180 Stellen mit mindestens zwölf Euro Stundenlohn seien vorerst alle besetzt. „Wirtschaft verändert sich und wir partizipieren jetzt davon“, sagt Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) mit Blick auf die 180 Arbeitsplätze.

Eigene Fahrer hat das Unternehmen allerdings noch nicht. Die etwa 150 Zusteller werden von Subunternehmern gestellt. Auch der bereits eröffnete Standort in Rostock helfe aus, sagt Hecht. „Die Lieferpartner werden so bezahlt, dass auch bei ihnen die Mitarbeiter mindestens zwölf Euro Stundenlohn brutto bekommen, erläuterte Sprecher Manuel Lesch. Die Bezahlung garantieren könne Amazon jedoch nicht.

Verteilzentrum für E-Mobilität vorgerüstet

Vom Datzeberg geht es für Zusteller in den ganzen Nordosten, es ist laut Philipp Hecht eines der größten Liefergebiete Deutschlands und reicht über die Grenzen des Landkreises hinaus etwa bis Oranienburg und Usedom. Die Anzahl der Pakete berechne eine intelligente Routenplanung anhand der Arbeitszeit, bis zu 100 Pakete können das sein. Viele seien aber bereits früher fertig als berechnet, betont Philipp Hecht. Deutsch sei übrigens keine Einstellungsvoraussetzung für die Zusteller, Englisch müsse es aber sein.

Den „furiosen Start“ im Rücken sind die Ziele für den Standort auf gleich mehreren Ebenen ambitioniert. Bis 2040 soll CO2-neutral gefahren werden, für E-Mobilität sei der Standort bereits vorgerüstet. Für die Angestellten gebe es schon jetzt mehrere präventive Gesundheitsmaßnahmen wie etwa Impfangebote – nicht nur gegen Corona. Und auch der Stundenlohn steige bereits im kommenden Herbst auf 12,50 Euro brutto. Zumindest für die direkt bei „Amazon Logistics“ Angestellten.

Amazon scheint gekommen, um zu bleiben

Von den Fahrern, die nach Gewerkschaftsberichten andernorts besonders großem Druck ausgesetzt sind, rollt der erste tatsächlich schon am frühen Nachmittag wieder über den riesigen Parkplatz. „Sie müssen ja auch zurückkommen, um die Pakettaschen abzugeben“, wendet OB Witt scherzhaft erstes gelerntes Wissen des Rundgangs an.

Fluchtgefahr besteht wohl auch bei Neubrandenburgs neuestem Arbeitgeber erst einmal nicht. Dieser scheint gekommen, um zu bleiben.

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Kommentare (2)

Foto Füneff, der Knaller....fällt mir nur was aus den legendär verruchten 80zigern ein: We are livin' in a box....oder auch irgendwie sowas wie "nicht aus dem RAHMEN fallen".....oder neudeutsch AHA (auch 80ziger)....achso und immer noch das Mantra der "Arbeitsplätze" oder auch Vollbelästigung...äh Beschäftigung....

War wenigstens Helium in den Ballons?????