MORDFALL LEONIE

Angeklagter David H. kann Blutspritzer an Wand nicht erklären

Eine Gerichtsmedizinerin untersuchte die Leiche der kleinen Leonie und den Tatort in Torgelow. Der angeklagte Stiefvater verstrickte sich demnach noch in der Todesnacht in widersprüchliche Aussagen.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Andreas Becker Andreas Becker
David H. (Mitte) gab an, dass Leonie zum Zeitpunkt des Notrufs noch lebte und ihre Verletzungen von einem Treppensturz stammte
David H. (Mitte) gab an, dass Leonie zum Zeitpunkt des Notrufs noch lebte und ihre Verletzungen von einem Treppensturz stammten. Rettungskräfte und eine Gerichtsmedizinerin widersprachen dem vor dem Landgericht Neubrandenburg. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Am Nachmittag des zweiten Prozesstages im Mordfall Leonie aus Torgelow ging es vor allem um die zahlreichen schweren Verletzungen, die dem Mädchen zugefügt worden sein sollen. Der Stiefvater David H. steht deswegen wegen Mordes durch Unterlassen und schwere Misshandlung in sieben Fällen vor dem Landgericht in Neubrandenburg.

Als Gerichtsmedizinerin Claudia E. gegen 14 Uhr den Saal betrat, verließ der leibliche Vater von Leonie den Raum. Er hat bis zum Ende des zweiten Verhandlungstages auch nicht wieder in den Gerichtssaal betreten. Claudia E. war in der Todesnacht am 12. Januar dieses Jahres ab circa 23 Uhr in der Wohnung in Torgelow, um die sogenannte Leichenschau durchzuführen. Sie fand „blutartige Anhaftungen” am Bettzeug neben dem Körper des Mädchens. Im Gesicht und Mundbereich stellte sie eine „Vielzahl an Verletzungen” fest. Vor allem eine Lippe war E. zufolge fast vom Knochen abgelöst. Dabei handle es sich aber nicht um eine frische, sondern eine ältere Wunde, erklärte die Gerichtsmedizinerin. Frisches Blut war demnach nicht zu finden.

Angeklagter David H. bleibt ungerührt

In der Todesnacht konnte die Medizinerin nicht ausschließen, dass die Schädelfraktur am Hinterkopf des Mädchens nicht doch von einem Treppensturz am Nachmittag des 12. Januar herrühren könnte. Später stellte sie auch dort fest, dass diese schwere Verletzung älter sein müsse.

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Während die Gerichtsmedizinerin zusammen mit Richter Jochen Unterlöhner die Bilder des toten Mädchens besprach, gab es noch einen Seitenhieb an den Angeklagten. „Auch Sie dürfen sich gerne die Bilder mit ansehen”, sagte Unterlöhner zu David H. Der angeklagte Stiefvater saß, wie schon den ganzen Morgen über, relativ ungerührt auf der Anklagebank, den Kopf fast immer gesenkt. Er schweigt bislang, laut seiner Verteidigung will er sich erst am 25. Oktober äußern, kurz nachdem die Mutter von Leonie vor Gericht aussagen soll. Gegen Janine Z. wird wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen ermittelt, da sie keine Hilfe geholt haben soll.

Blutspritzer an Wand und im Bad

Das Fazit der Gerichtsmedizinerin, das sie noch vor Ort in der Wohnung getroffen hatte: Ein Treppensturz konnte zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Allerdings schloss die Expertin auch schwere Misshandlungen, die vor diesem Tag dem Mädchen zugefügt sein müssen, nicht aus. Dafür sprächen auch „blutverdächtige” Spritzer an den Wänden der Wohnung. „Eine Auseinandersetzung zu Weihnachten”, dann waren die Spritzer „schon beim Einzug an der Wand” – auf die Frage, woher die Flecken stammen, habe David H. sich in Widersprüche verstrickt, berichtete die Gerichtsmedizinerin. Zu diesem Zeitpunkt war es schon spät in der Nacht, der Stiefvater sei während der Untersuchung der Wohnung lauter und aggressiver geworden, wenn ihm Fragen gestellt wurden, sagte sie.

Rettungskräfte belasten Angeklagten schwer

Die Gerichtsmedizinerin untersuchte in Leonies Todesnacht auch ihren kleinen Bruder Noah, der im Juli drei Jahre alt wurde. Auch der kleine Junge hatte Verletzungen im Gesicht und eine bereits verschorfte Platzwunde am Kopf, die laut David H. eine Woche zuvor bei einem Sturz mit einem Laufwagen entstanden sein sollen. Auf Nachfragen, woher die Verletzungen an den beiden Kindern stammten, habe David H. zunehmend angespannt gewirkt.

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Am Mittwoch sagten zudem der Notarzt und zwei Rettungssanitäter aus, die am 12. Januar in Torgelow alarmiert wurden. Ihre Aussagen belasten den Stiefvater David H. schwer. Ihren Einschätzungen zufolge soll Leonie bereits mehr als eine Stunde tot gewesen sein, bevor der Angeklagte den Notruf wählte. Auf den Aufzeichnungen des Telefonats ist aber zu hören, wie H. Leonie direkt anspricht und sagt, dass sie ansprechbar sei.

Der Prozess wird am Freitag mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Insgesamt sind 13 Verhandlungstage bis Ende November angesetzt. Der Prozess begann am Dienstag sehr emotional, als der leibliche Vater von Leonie, Oliver E., den Angeklagten beschimpfte. David H. zeigte ihm darauf den Mittelfinger. Mehr dazu lesen Sie hier.

Eine Chronologie im Todesfall der kleinen Leonie haben wir hier zusammengestellt.

 

 

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Kommentare (1)

ein altes Sprichwort - kleinen Kindern und Besoffenen passiert nichts wenn die mal stürzen - Wenn ein Kleinkind, welches seinem Alter bedingt weiche Knochen, sehr elastische Sehnen und Bänder hat noch dazu sehr gelenkig ist, sich solche Verletzungen zufügen soll - dann muss es schon mit dem Teufel zugehen und der sitzt auf der Anklagebank