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Angekommen in fremder neuer Heimat

Noch vor einem halben Jahr sah die Zukunft von Iyad Albitar wenig rosig aus. Jetzt kann er hoffnungsvoll nach vorne blicken. 
Noch vor einem halben Jahr sah die Zukunft von Iyad Albitar wenig rosig aus. Jetzt kann er hoffnungsvoll nach vorne blicken. 
Ingmar Nehls

Seine Heimat kann ihm niemand mehr zurückgeben. Sie liegt in Trümmern. Iyad Albitar kann aber hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. 

Jungen Leuten, die hier arbeiten und leben wollen, muss man doch den roten Teppich ausrollen, statt ihnen Steine in den Weg zu legen. Dieser Meinung ist Unternehmer Peter Meuser. Und darum hat er auch nicht lange gezögert und Iyad Albitar einen Arbeitsplatz angeboten. Peter Meuser hat einen Nordkurier-Beitrag gelesen, indem Iyad Albitar erzählt, dass seine zwölfjährige Schulzeit mit anschließendem Studium an einer Hochschule vom Bildungsministerium nur als mittlere Reife anerkannt wird. Albitar hat eine Qualifikation als Geprüfter Assistent für Maschinenbau mit Spezialisierung auf Heizung, Klimatisierung und Kühlung. Damit passt er ideal in das Team der Nordwind Energieanlagen GmbH, wo er seit dem 1. September eine unbefristete Festanstellung bekommen hat.

„Wir sind begeistert“, schwärmt Maschinenbau­ingenieur Philipp Rinas. Der 28-Jährige leitet die Konstruktionsabteilung und ist der Vorgesetzte von Iyad Albitar. Mit dem Konstruktionsprogramm kommt der Neue im Team schon gut klar. In der nächsten Woche fährt er mit dem Chef zu einer Weiterbildung nach Hamburg. Vielleicht wird Iyad Albitar bald den Bereich Wärmepumpen übernehmen. „Wir haben ihm angeboten, dass wir miteinander auch auf Englisch reden können. Aber  sein Deutsch ist sehr gut. Hut ab“, sagt Philipp Rinas.

Nach Sprachkurs fast fehlerfreier Test

Gleich als Iyad Albitar nach seiner spektakulären Flucht in Neubrandenburg ankam, machte er sich auf den Weg zur Volkshochschule, um Deutsch zu lernen. Den Sprachkurs schloss er mit einem fast fehlerfreien Test ab. Auch den Führerschein hat Iyad Albitar jetzt in der Tasche. Denn so verrückt es klingen mag, obwohl er bereits zehn Jahre in der Millionenstadt Damaskus Auto gefahren ist, musste er für die Straßen Mecklenburgs die Theorieprüfung und die praktische Prüfung mit Übungsstunden nachholen.

Über die positive Entwicklung von Iyad Albitars Leben freut sich auch Gabriele Gröger vom Jugendmigrationsdienst der AWO. Sie hat ihn von Anfang an begleitet und bei der Kommunikation mit den Behörden geholfen. Die Grenzen der Willkommenskultur hier in der Region lernt sie ständig kennen. Dass Iyad Albitar nun hoffnungsvoll nach vorne schauen kann, macht auch ihr Mut.