SCHOCK BEI BÜRGERN UND STADT

AOK zieht sich aus Friedland zurück

Die größte Krankenkasse der Region schließt in Friedland ihre Pforten. Einwohner und Bürgermeister sind gleichermaßen geschockt. Zumal das Ende sehr viel eher kommt, als zunächst angenommen.
Tim Prahle Tim Prahle
Das AOK-Beratungszentrum wird bald aus der Friedländer Mühlenstraße verschwinden.
Das AOK-Beratungszentrum wird bald aus der Friedländer Mühlenstraße verschwinden. Tim Prahle
Friedland.

Der Aushang am AOK-Beratungszentrum in der Friedländer Mühlenstraße wirkt zynisch. Zwei lächelnde Personen, die anscheinend gerade alle Vorzüge einer persönlichen Beratung genießen, sind darauf zu sehen. Darunter die Hiobsbotschaft: „Der Sprechtag in Friedland schließt zum 17.09.2019“. Die „Allgemeine Ortskrankenkasse“ Nordost wird der Friedländer Allgemeinheit und dem Ort nach ihrem letzten Sprechtag kommenden Montag wohl den Rücken kehren.

Dazu haben die Verlassenen eine klare Meinung. „Es ist eine Riesensauerei“, befindet Gerhard Bull. „Die sollen mal an die alten Leute denken!“ Denn die dürfen wie alle anderen ab nächster Woche nach Altentreptow, Anklam oder Neubrandenburg fahren, um sich im persönlichen Gespräch beraten zu lassen. Auch telefonisch oder via Internet gebe es wohl Möglichkeiten. Doch das schätzen viele, gerade ältere Friedländer, nicht besonders. Die meisten Menschen in der Stadt können nur noch mit dem Kopf schütteln. „Wo soll das alles enden, was kommt als Nächstes?“, fragt eine Frau mittleren Alters wütend. „Vielleicht die Bank? Die Bäckerei? Sollen wir die Stadt bald ganz dicht machen?“

Nicht alle Einwohner reagieren so emotional, wie diese Dame. Doch der Grundtenor bleibt. Es sei eine Schwächung des ländlichen Raumes und insgesamt eine sehr schlechte Nachricht für die Kleinsatdt. Schon bislang war das Angebot in Friedland auf ein Minimum begrenzt. Lediglich am Montag war die Filiale für zwei Mal drei Stunden besetzt. „Es war auch immer voll“, weiß die Friedländerin Christiane Zuther, die wegen einer chronischen Erkrankung regelmäßig das Beratungszentrum aufsucht. Man sei froh gewesen, dass es überhaupt einmal die Woche eine Möglichkeit gab, hinzugehen. „Vielleicht lassen sie ja wenigstens einen Briefkasten stehen, damit man jetzt nicht ständig die Sachen per Post schicken muss“, hofft Zuther.

Verwaltung hat bereits Ersatzräume angeboten

Auch im Rathaus ist man alles andere als glücklich über die Entwicklung. „Es ist ein fatales Signal“, sagt Bürgermeister Wilfried Block (parteilos) dazu, der seinerseits bereits von besorgten Bürgern angesprochen wurde. Mitte August hatte die Verwaltung erstmals in einem Schreiben von der Krankenkasse erfahren, dass diese die Immobilie in der Mühlenstraße aufgeben müsse. Keine zwei Wochen später habe das Hauptamt der AOK einen Doppelraum im alten Gymnasium angeboten, erzählt Wilfried Block. „Der ist gar nicht so schlecht. Er liegt Parterre und wäre demnach auch für ältere Kunden gut zu erreichen“, so der Bürgermeister. Eine Antwort der Krankenkasse auf das Stadt-Angebot stehe allerdings noch aus.

Besonders ärgerlich: Zunächst hatte es geheißen, dass die AOK Nordost die Räume in der Mühlenstraße erst zum Ende des Jahres verlässt. Doch kurze Zeit später war es schon der 20. September. So stellt es Bürgermeister Block dar. Dessen Verwaltung nun kaum noch Zeit hat, anderweitig zu reagieren. Rätselhaft bleibt bislang, was die AOK Nordost überhaupt zum Auszug bewog. Eine Nordkurier-Anfrage befand sich am Dienstag nach Aussagen der Pressestelle bereits in Bearbeitung. Eine Antwort werde zeitnah erfolgen, verspricht das Unternehmen. Möglicherweise kann dann auch geklärt werden, wie groß die Chance ist, dass die AOK doch noch in Friedland bleibt.

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