Corona

Apotheker müssen Masken-Chaos ausbaden

In Berlin entschieden, von den lokalen Apotheken umzusetzen: Die Vergabe kostenloser FFP-2-Masken an Senioren brachte jede Menge Probleme mit sich. Für die Apotheker ist das dennoch kein Grund, die ganze Verteilaktion in Zweifel zu ziehen.
Neubrandenburg

Am Ende der ersten Woche der kostenlosen FFP-2-Masken-Verteilung kehrt in den Apotheke so etwas wie eine erste glückliche Erschöpfung ein. „Es war sehr stressig. Ein Kraftaufwand, aber es hat sich gelohnt“, sagt Arne Sandström. Der überwiegende Teil der Kunden ist versorgt, niemand musste weggeschickt werden, berichtet der Inhaber der Rosenhof Apotheke in Rosenow. Masken hatte er schon früh und vor allem in ausreichender Menge. „Da haben wir auch Glück gehabt.“ Die Situation habe gezeigt, wie wichtig die Apotheke vor Ort sei.

Vor allem Logistik-Probleme

Allein am Dienstag waren es gut drei Mal mehr Kunden als sonst, schätzt Sandström. Eine Kasse widmete sich nur der Maskenvergabe, um den Kundenstrom etwas zu trennen. Ähnlich hatten es Apotheken überall in der Neubrandenburger Region gemacht. Zumindest diejenigen, die auch sofort Masken zum Verteilen hatten. Erst zum Ende der Vorwoche hatten die Apotheken aus dem Bundesgesundheitsministerium die Information bekommen, dass sie sich selbst um die Anschaffung der Masken kümmern mussten. Das führte zu Logistik-Problemen. Die Paracelsus-Apotheke im Neubrandenburger Ärztehaus war nur eine von vielen, die die Kunden zunächst vertrösten musste.

„Viele Apotheken aus dem Land haben sich die Masken aus einem Großlager in Schleswig-Holstein beschafft“, weiß Axel Pudimat, der Vorsitzende des Landesapothekerverbandes. Etwa zwei Millionen Masken lagerten dort. Doch die Massen an Bestellungen waren für den entsprechenden Lieferdienst zu viel. So kam es zu Verzögerungen. Die Folge: Apotheken, die schon Masken hatten, mussten mit weit mehr Besuchern als der üblichen Stammkundschaft klarkommen. Mutaher Azazi von der Lindetal-Apotheke in Neubrandenburg hätte sich da bei einigen Kunden etwas mehr Rücksicht aufeinander gewünscht. Aber vor allem: „Mehr Zeit und organisatorische Klarheit wären gut gewesen.“

Auch finanzielle Regulierung geklärt

Das kann Axel Pudimat nachvollziehen, will der Politik aber auch keine Vorwürfe machen. „Vor 14 Tagen waren die meisten noch der Meinung, dass der leichte Lockdown reichen würde“, sagt er. Dann war Eile geboten. „Bei so einer schnellen Regelung war eine gewisse Unschärfe vorprogrammiert. Das ist niemanden anzulasten“, sagt er.

Nicht nur der medizinische Rahmen steht, auch der finanzielle. Die Apotheken, die mit den Masken in Vorkasse gingen, bekommen das Geld als Pauschale über den Nacht- und Notdienstfond zurück, gemessen an der Anzahl der Rezepte, die jede einzelne im dritten Quartal eingereicht hat. Problematisch: Eine exakte Überprüfung, wie viele Masken jede einzelne Apotheke ausgab, wird es nicht geben. „Wer wenig Masken austeilt, macht da natürlich Reibach“, räumt Pudimat ein. Aber eine sinnvolle Kontrollmöglichkeit gebe es nicht, genau wie bei den Kunden. Drei Masken darf jeder Berechtigte auf einmal abholen. „Die Verordnung sagt nicht, wie wir es eingrenzen sollen und die Apotheken sitzen zwischen Baum und Borke.“

Wenn weg, dann erst nal weg

Eine Sorge, die auch die Altentreptowerin Sonja Kietz umtreibt. In ihrer Linden-Apotheke sind allein am Dienstag 1200 Masken über den Tisch gegangen. Man könne nur hoffen, dass die Menschen vernünftig sind, so Sonja Kietz, denn wenn das Kontingent erschöpft ist, sind bis ins neue Jahr erst mal keine Masken mehr da.

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