Wie es derzeit aussieht, werden die neun Mitgliedsgemeinden ihren Vertrag beim Tourismusverband vorerst zum 30. Juni künd
Wie es derzeit aussieht, werden die neun Mitgliedsgemeinden ihren Vertrag beim Tourismusverband vorerst zum 30. Juni kündigen. Ein erneuter Eintritt als ganzes Amt inklusive der Stadt Altentreptow ist allerdings nicht ausgeschlossen. Fred Ruchhöft
Gebührenanpassung

Auch Treptower Gemeinden hadern mit Tourismusverband

Die neue Beitragsordnung des Tourismusverbandes Seenplatte hat dazu geführt, dass im Amt Treptower Tollensewinkel diskutiert wird, was eine Mitgliedschaft überhaupt bringt.
Altentreptow

Es ist nicht nur die ab 2023 vorgesehene Gebührenerhöhung des Tourismusverbandes, die viele Kommunen in der Seenplatte dazu veranlasst hat, den Mehrwert ihrer Mitgliedschaft grundlegend zu hinterfragen. Gerade diejenigen, die nicht zu den touristischen Hochburgen wie Waren (Müritz) gehören, fühlen sich zunehmend abgehängt. Auch die neun Gemeinden des ehemaligen Amtes Kastorfer See, haben nach dem Empfinden einiger Bürgermeister in der Vergangenheit keinerlei Unterstützung vom Verband erhalten – gerade was den jahrelang vernachlässigten Ausbau des Radwegenetzes betrifft.

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Andere Projektvorhaben seien ebenfalls auf Ablehnung gestoßen, wie der Bürgermeister von Grischow, Harms Frese, beim jüngsten Amtsausschuss deutlich machte. „Wir wollten unsere Kirche nicht nur für Gottesdienste nutzen, sondern auch mit Konzerten und anderen Veranstaltungen kulturell beleben. Dafür sind wir als Gemeinde aber auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Vom Tourismusverband hieß es nur, dass wir bei möglichen Fördertöpfen nicht berücksichtigt werden können, da die Kirche angeblich zu klein ist und hier kein Potenzial gesehen wurde“, monierte Frese.

Amtsvorsteher nimmt Tourismusverband in Schutz

Die Gemeinde Burow sei aus ähnlichen Gründen bereits vor einigen Jahren ausgetreten. „Die Bettenbelegung stand irgendwann nur noch im Vordergrund. Dabei wollten wir den Naturerlebnispark Mühlenhagen damals weiter voranbringen. Trotz mehrerer Beratungen, gab es am Ende kein Ergebnis“, schilderte die Bürgermeisterin Heidelinde Kurzhals. Der Verband sei ihrer Meinung nach nur in den touristischen Zentren des Landkreises von Bedeutung, wozu das Amt Tollensewinkel nun mal nicht gehören würde, weil es hier kaum noch Unterkünfte gebe.

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Amtsvorsteher Manfred Komesker schien das hingegen völlig anders zu sehen und betonte die Wichtigkeit des Tourismusverbandes für die Region. „Wenn wir uns nicht komplett selbst aufgeben wollen, sollten wir die Instrumente des Verbandes auch nutzen. Als ehrenamtliche Bürgermeister sind wir mit der touristischen Vermarktung doch völlig überfordert. Und die meisten von uns wissen gar nicht, welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt, um sich Unterstützung zu holen, beispielsweise wenn es darum geht, Netzwerkarbeit zu betreiben oder Fördermittel zu akquirieren. Natürlich kommen die Verantwortlichen nicht von alleine auf uns zu, wir müssen den Mehrwert schon selbst einfordern“, merkte Komesker an.

Mitgliedschaft als Amt würde auch mehr kosten

In Abstimmung mit der Verwaltung sei daher der Gedanke aufgekommen, ob es nicht besser wäre, künftig geschlossen als Amt Mitglied im Verband zu werden, um mehr Vorteile für alle zu erhalten. Das würde im Umkehrschluss allerdings auch bedeuten, dass sich der fällige Jahresbeitrag aufgrund der hinzukommenden Einwohnerzahlen deutlich erhöht. „Vielleicht können wir uns mit dem Verband darauf verständigen, dass nur die Hälfte des Beitragssatzes angerechnet wird, wenn die einzelnen Gemeinden austreten“, schlug der Amtsvorsteher vor.

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In diesem Fall müsste die Stadt Altentreptow allerdings mitziehen, was jedoch kein Problem darstellen sollte, wie Bürgermeisterin Claudia Ellgoth klarstellte. „Wir haben gegenüber dem Tourismusverband bereits erklärt, dass die Stadt selbst nur als amtsangehörige Gemeinde unter der Mitgliedschaft des Amtes weiterhin dabei ist, alles andere würde wenig Sinn haben“, so die Rathauschefin.

Kündigung soll Tourismusverband zeigen, dass es so nicht weitergehen kann

Der Bürgermeister von Bartow, René Nast, regte an, zunächst einen Vertreter des Verbandes einzuladen, um zu erfahren, mit welchen Verbesserungen für den tourismusschwachen Tollensewinkel in Zukunft zu rechnen ist, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird. „Sie sollten uns mit konkreten Vorschlägen entgegen kommen, wenn sie uns als Mitglied weiterhin behalten wollen“, argumentierte Nast. Seine Amtskollegin aus Wolde, Marion Dorn ging sogar noch einen Schritt weiter. „Die Gemeinden sollten den Vertrag zum 30.  Juni erst einmal kündigen, damit der Verband mal aufwacht und merkt, dass es so, wie es bisher lief, nicht weitergehen kann. Das heißt aber nicht automatisch, dass wir die Kündigung am Ende auch wirklich umsetzen müssen, wir ziehen damit nur einen vorläufigen Schlussstrich“, begründete Dorn ihre Idee.

Das sei eine „rechtlich saubere Vorgehensweise“, die von der Verwaltung mitgetragen werden könne, wie Claudia Ellgoth entgegnete. Allerdings müsste jede einzelne Gemeinde dann für sich die Mitgliedschaft vorübergehend beenden. Die Stadtvertretung wird sich in der kommenden Woche ebenfalls mit dieser Thematik auseinandersetzen, sodass die gesetzte Kündigungsfrist eingehalten werden könnte. „Wenn bei den Verhandlungen mit dem Tourismusverband ein vernünftiges Konzept für die gesamte Region herauskommt, wäre es eine Überlegung wert, zum 1.  Januar 2023 als Amt wieder geschlossen beizutreten. Denn wir haben uns ja gemeinsam vorgenommen, einen sanften Tourismus zu entwickeln und sollten den Verband deshalb nicht komplett verdammen“, so Ellgoth.

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