Anwohner ausgesperrt?
Auf Aldi-Parkplatz gilt jetzt Zeitbeschränkung

Den Supermarktparkplatz wieder nutzen zu können, das wünschen sich viele Bewohner des angrenzenden Neungeschossers im Reitbahnviertel. 
Den Supermarktparkplatz wieder nutzen zu können, das wünschen sich viele Bewohner des angrenzenden Neungeschossers im Reitbahnviertel.
Susanne Schulz

Weil der Aldi-Parkplatz im Neubrandenburger Reitbahnviertel jetzt bewirtschaftet wird, fehlen den Anwohnern Parkplätze. Dabei ist, wie sie beobachten, die Fläche nicht annähernd ausgelastet.

Es wird eng am Hochhaus in der Traberallee, wenn die Mieter ihre Autos parken wollen. Entlang einer Hecke stellen sie die Fahrzeuge jetzt quer statt längs ab, um ein wenig Platz zu gewinnen. Denn die über viele Jahre gewohnten Parkflächen vor dem Aldi-Markt sind nicht mehr verfügbar: Dort gilt seit Kurzem eine Parkzeitbeschränkung, wie sie schon viele Einkaufsmärkte in Neubrandenburg praktizieren, mitsamt Kontrollen durch das Unternehmen „Fair Parken“. Wer die vorgegebenen 90 Minuten überzieht oder keine Parkscheibe ins Auto gelegt hat, wird zur Kasse gebeten.

Der Verlust frei verfügbarer Parkflächen betrifft auch Angestellte der nahen Schule, Gäste des Bistros und Besucher des Stadtteiltreffs Oase, weiß Ingrid Brennführer, Vorsitzende der Bürgerinitiative „Leben am Reitbahnweg“. Warum das so ist, leuchtet den Anwohnern nicht ein. Denn der Aldi-Parkplatz mit an die 100 Stellflächen sei, wie sie zu unterschiedlichen Tageszeiten beobachtet und auch fotografiert haben, bei Weitem nicht ausgelastet.

Stellflächen vermieten? Nicht mit Aldi!

Die Bürgerinitiative hat sich daher an die zuständige Aldi-Regionalgesellschaft mit Sitz in Jarmen gewandt und vorgeschlagen, Stellflächen in Randlage an Anwohner zu vermieten. Von den mehr als 60 Mietern allein in dem Neungeschosser Traberallee 9 und 9a habe zwar nicht jeder ein Auto. „Aber um die 40 wären bestimmt interessiert“, meint Ingrid Brennführer.

Das Regionalbüro ließ sich von dieser Einnahmequelle nicht überzeugen: Der Verwaltungsaufwand sei zu groß, haben die Antragsteller als Begründung aufgenommen. „Aber uns wäre ja auch eine Parkgenehmigung recht, die kein Geld kostet“, kontern sie. Die Handelskette könnte doch eine gewisse Anzahl von Bescheinigungen zur Verfügung stellen, die das Parken unabhängig von Einkaufszeiten gestatten.

Hinweis auf sehr duldsame Anwohner

Doch darauf lässt der Discounter sich nicht ein: Die Parkflächen seien ausschließlich den Kunden vorbehalten. Dabei gehe es mitnichten um den Verwaltungsaufwand, betont die Aldi-Pressestelle auf Nordkurier-Nachfrage, sondern einzig darum, „den Kunden ein entspanntes Einkaufserlebnis zu ermöglichen“.

„Wir nehmen doch niemandem den Platz weg“, verweist Ingrid Brennführer wiederum auf die nicht ausgelastete Fläche. Bei kleineren, überfüllten Supermarkt-Parkplätzen wie in der Südstadt seien Bewirtschaftung und Knöllchen sicher unausweichlich, hier aber stehe doch genügend Platz zur Verfügung. Das sieht Aldi anders: Wiederholt sei beobachtet worden, dass vor allem nahe dem Eingang während der Öffnungszeiten zahlreiche Fahrzeuge, deren Halter nicht einkauften, abgestellt waren; „in einigen Fällen sogar über mehrere Tage“. Zudem handle es sich eben um Privatgelände und nicht um öffentlichen Parkraum.

Die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft Neuwoges, bis vor einigen Jahren Eigentümer der Fläche, „hätte den Parkplatz nie verkaufen sollen“, beklagen die Anwohner. Ihr Wunsch, die Neuwoges möge einen Teil des Areals zurückkaufen, dürfte eher nicht zu verwirklichen sein. Dennoch will das Unternehmen Kontakt zu Aldi aufnehmen und nach Kompromisslösungen suchen, bestätigt Unternehmenssprecher Matthias Trenn.