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Auf der Straße trotz Radweg - Dürfen Radfahrer das?

Radsportler, die es eilig haben – wie dieser zwischen Ihlenfeld und Neverin – nutzen mitunter lieber die Straße als den Radweg.
Radsportler, die es eilig haben – wie dieser zwischen Ihlenfeld und Neverin – nutzen mitunter lieber die Straße als den Radweg.
Anke Brauns

Radfahrer, die auf der Straße fahren, obwohl es einen Radweg gibt, sind gefährlich und nerven Autofahrer. Die Vorschriften sind eindeutig, lassen aber Ausnahmen zu.

In der Neubrandenburger Innenstadt würden ihn viele sicher begrüßen – einen Radweg. Denn das Radeln auf dem Pflaster ist kein Vergnügen. Wegen Tempo 30 ist das in der City nicht möglich, um so größer ist die Freude über jeden Radweg, der in anderen Stadtvierteln und im Umland an Straßen gebaut wird. Nur: Nicht jeder Radfahrer nutzt sie. Ein Burg Stargarder, der regelmäßig von Neubrandenburg über Bergstraße, Fünfeichen und Bargensdorf nach Hause fährt, sieht viele Radfahrer trotz Radweg auf der Straße fahren. Zu 90 Prozent seien das Radsportler, sagt er.

Mitunter habe er sie darauf hingewiesen, dass sie den mit einem entsprechenden blauen Schild gekennzeichneten Radweg nutzen müssen. Nicht selten bekomme er zur Antwort: Wir sind Sportler, wir müssen das Schild nicht berücksichtigen. „Das kann doch nicht sein! In der StVO steht, wenn ein Schild da ist, muss man den Radweg auch nutzen“, so der Leser. Er habe mit Radfahrern auf der Strecke schon „gefährliche Situationen erlebt“.

+ + + Lesen Sie hier, welche besonderen Verkehrsregeln für Radler gelten + + +

Laut Bußgeldkatalog sind 20 Euro zu zahlen, wenn man entsprechend beschilderte Radwege nicht nutzt. Wenn man dadurch behindert, gefährdet oder sogar ein Unfall passiert, können es bis zu 35 Euro werden. Diana Mehlberg, Sprecherin der Polizeiinspektion, bekräftigt den Standpunkt des Lesers. „Sobald ein Radweg vorhanden ist, besteht die Radwegebenutzungspflicht.“

Polizei plant keine speziellen Kontrollen

Ausnahmen gebe es bei Sportveranstaltungen, wenn der Veranstalter bei der Verkehrsbehörde einen Antrag auf „Befreiung der Radwegebenutzungspflicht“ stelle. Solche Ausnahmegenehmigungen gebe es zum Beispiel bei der Mecklenburger Seenrunde. „Da dürfen die Radfahrer auf der gesamten Fahrstrecke die Straße benutzen – egal ob ein Radweg vorhanden ist, oder auch nicht“, erklärt sie.

Spezielle Kontrollen zur Radwegbenutzungspflicht macht die Polizei aber nicht, „weil die Notwendigkeit nicht besteht. Es gab noch keine weiteren Hinweise“, so Diana Mehlberg. Diese Radfahrer würden eher vereinzelt auftreten, da seien Kontrollen auch sicher schwer. „Wir als Polizei appellieren an die Vernunft der Radfahrer. Für die eigene Sicherheit und die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer sollten Radwege genutzt werden, wenn sie vorhanden sind“, betont sie.

Der genervte Burg Stargarder appelliert an die Vereine, in denen Radsport betrieben wird, darauf hinzuwirken. „Das leben wir auch im Verein“, sagt René Martin vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Obwohl er das Gefühl nachvollziehen kann, als Radrennfahrer auf der Straße fürs Training schneller zu sein, und räumt ein, mitunter deshalb auch den Radweg links liegen zu lassen. „Aber das Gefühl, sicher unterwegs zu sein, hat man nur auf dem Radweg“, betont er, weist allerdings darauf hin, dass es in der StVO auch ohne Anmeldung eine Ausnahme gibt. „Wenn wir mindestens 16 Personen sind – zum Beispiel bei unseren Feierabendtouren –, dann dürfen wir als Verband auf der Straße zu zweit nebeneinander fahren“, erklärt er.

Kommentare (3)

»Diana Mehlberg, Sprecherin der Polizeiinspektion, bekräftigt den Standpunkt des Lesers. „Sobald ein Radweg vorhanden ist, besteht die Radwegebenutzungspflicht.“« Das ist seit 21 Jahren falsch! 1997 wurde diese »allgemeine Benutzungspflicht« aufgehoben. Seitdem gilt: Fahrräder benutzen als Fahrzeuge die Fahrbahn (deswegen heißt sie so), es sei denn, durch blaue Schilder ist eine Benutzungspflicht für einen Radweg angeordnet. Radwege ohne Schild müssen seitdem nicht mehr benutzt werden. Viele Autofahrer haben davon noch nichts mitbekommen und greifen Radfahrer, die legal auf der Fahrbahn unterwegs sind, tätlich an: durch enges Überholen, Schneiden, Bespritzen mit der Scheibenwaschanlage, Anbrüllen und einiges mehr. Es ist schlimm, dass die Polizeisprecherin diesen Gewalttätern Vorschub leistet, indem sie eine überholte Rechtslage hinausposaunt. Leider gibt es im Artikel weitere Fehler und Lücken. Erstens muss es fast immer "Fahrbahn" heißen, wo "Straße" steht. Merke: Zur Straße gehören neben der Fahrbahn auch Parkstreifen, Radweg und Gehweg! Zweitens gilt die Benutzungspflicht nur, wenn der Radweg benutzbar und zumutbar ist. Das heißt: Wenn er zugeparkt ist, wenn Glasscherben, Schnee oder Splitt draufliegen, wenn er nur 60 cm schmal ist, wenn er nicht zu meinem Ziel führt [z. B. weil dort, wo ich links abbiegen will, kein linkes Abbiegen vom Radweg möglich ist], dann können da zwanzig blaue Schilder stehen, ohne dass die rechtlich wirksam sind. Drittens wäre es dringend notwendig darauf hinzuweisen, dass eine Benutzungspflicht nur für Radwege angeordnet werden darf, die »fahrbahnbegleitend« sind. Das bedeutet: Neben der Fahrbahn, höchstens durch einen schmalen Grünstreifen getrennt. Wenn der Weg durch die Botanik schwenkt, ist er nicht mehr fahrbahnbegleitend, ein blaues Schild ist damit unwirksam. Außerdem muss er an der Vorfahrtregelung der Fahrbahn teilhaben. Wenn also eine Querstraße an der Hauptfahrbahn ein dreieckiges »Vorfahrt achten«-Schild hat, aber der Radweg an der Einmündung dieser Querstraße durch ein selbiges Schild dem Querverkehr Vorfahrt gewähren soll, ist er nicht mehr fahrbahnbegleitend. Auch in diesem Fall ist das blaue Schild unwirksam. Viertens: Es sollte immer darauf hingewiesen werden, dass der Seitenabstand - zwischen Außenspiegel und Lenkerspitze - beim Überholen mindestens 1,50 Meter, teilweise 2 Meter betragen muss. Das Durchquetschen zwischen zu weit rechts fahrendem Radler und Gegenverkehr ist also illegal - von der Lebensgefahr für den Radler ganz zu schweigen. Fünftens: Der Rennradler auf dem Foto macht es genau richtig. Es gibt offensichtlich keinen Radweg, und er fährt mit angemessenem Sicherheitsabstand zur Seitenlinie und Leitplanke. Er signalisiert damit jedem Autofahrer: Überholen nur über die Gegenspur, wie bei einem Trecker.

Es ist ja klar woher der Wind im (Auto)Deutschland weht. Alle wollen Öko aber keiner will zu Fuß gehen oder dem Rad seinen Platz lassen. Mal abgesehen das die Spanier in diesem Falle schon weiter sind. Dort werden gerade die Gesetze, welche Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr schützen, verschärft. Aber in Deutschland macht man im Ökowahn noch den Radfahrer zum Ärgernis. Mal abgesehen davon, dass es sich bei gemütlichen 30 kmh/h, wegen allerlei Wurzelwuchs, Unrat und Glasscherben auf dem Radweg, wesentlich sicherer auf der Straße fährt. Trotz oben genannter Gefährdung der Radfahrer (und bei weitem nicht nur Rennradfahrer sondern auch ortsfremde Touristen auf dem Trekkingrad). Es scheint ja mittlerweile Volkssport zu sein Radfahrer, auch auf Kreisstraßen ohne Radweg welche als offizielle Radfernwege gekennzeichnet sind, mit einem Abstand von unter 1 m zu überholen und zu schneiden. Aber sowas bekommt die ehrenwerte Stadtverwaltung nicht mit wenn man mit dem Auto zur Eröffnung eines Radweges kommt. Bestes Beispiel ist der kürzlich eröffnete Radweg Wulkenzin-Penzlin. Der letzte und ältere Teil ist wegen erheblichen Wurzelwuchs kaum und mit dem Rennrad überhaupt nicht zu befahren und endet genau auf der Ortsumgehung. Ortsfremde werden diesen Radweg nie im Leben finden, da er weder in Penzlin noch direkt am Anfang ausgeschildert ist. So lockt Neubrandenburg sicherlich weiter Touristen an. Man sehe sich in Brandenburg um. Dort muss nicht auf jeder Kreisstraße Tempo 100 sein und die Einheimischen wissen was sie von einer radtechnisch gut erschlossenen Infrastruktur und Rücksicht auf den Straßen haben. Dort kommen die Leute zum radeln gerne wieder und lassen den einen oder anderen Euro da. Wenn man sich auf den gängigen Fernradwegen umhört heißt es nur: Nie wieder Meck-Pomm! Ich fahre gut 200 km in der Woche und breche mir auch keinen Zacken aus der Krone die 300 m auf dem Boulevard zu schieben. Wenn man aber als Autofahrer einen 4 sekündigen Überholvorgang eines Radfahrers als störend empfindet so ist das meiner Meinung nach ein Fall für die MPU.

aus rechts fahrenden Radfahrern hat eine bekiffte junge Mutter auf Mallorca mit ihrem Porsche über den Haufen gekachelt. Auf der Straße und nicht auf dem Radweg! Ein Toter und mehrere Verletzte.