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Sprengstoffe

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Auf wie viel Kriegsmunition steht Neubrandenburg?

Blick vom Belvedere auf die Ostseite des Tollensesees: Zu erkennen ist die Trümmerinsel als letztes Überbleibsel der ehemaligen Torpedoversuchsanstalt der Kriegsmarine.  
Blick vom Belvedere auf die Ostseite des Tollensesees: Zu erkennen ist die Trümmerinsel als letztes Überbleibsel der ehemaligen Torpedoversuchsanstalt der Kriegsmarine.
Sebastian Haerter

Der schwere Waldbrand nahe der Autobahn A 14 hat gezeigt, welche Gefahren von alten Munitionsresten aus Kriegszeiten im Boden heute noch ausgehen können. Dabei handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall.

Es ist eine erschreckende Bilanz: Nach Angaben des Innenministeriums sind in Mecklenburg-Vorpommern auch 73 Jahre nach Kriegsende noch rund 90 .000  Hektar durch Munition belastet. Das entspricht fast vier Prozent der gesamten Landesfläche. „Davon wurden 38 .000  Hektar in der vierten Gefahrenkategorie eingestuft und müssen nächstmöglich von Kampfmitteln befreit werden“, sagt der Leiter des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern, Robert Mollitor. Von dieser höchsten Kategorie sprechen Experten dann, wenn die Munitionsreste komplett freigelegt und somit für jeden zugänglich sind. Die Bergungsdienste seien daher im Dauereinsatz, um die aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden Sprengstoffe zu beseitigen.

Bei Munitionsfund Hände weg!

Für Neubrandenburg kann Mollitor allerdings vorerst Entwarnung geben. Alle im Kampfmittelkatasteramt des Landes eingetragenen Flächen im Stadtgebiet und näheren Umland wurden maximal in der dritten Gefahrenkategorie eingestuft. Demnach befindet sich dort zwar noch nicht geborgene Kriegsmunition, die aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Gefährdung darstellt. „Bei geplanten Nutzungsänderungen oder Infrastrukturmaßnahmen muss allerdings vorher eine Neubewertung der besagten Flächen erfolgen“, weiß Mollitor.

Trotz der hohen Dichte an Rüstungsfirmen und Einrichtungen der Wehrmacht, sei die Stadt während des Zweiten Weltkrieges von größeren Bombardierungen verschont geblieben. Vielmehr habe der zu großen Teilen zerstörte Fliegerhorst Trollenhagen das Hauptziel der alliierten Luftangriffe gebildet. „Dort lagern auch heute noch Kampfmittel tief unter der Erde“, so der Experte. Wie der Nordkurier berichtete, wurden im fünf Kilometer entfernt davon gelegenen Neverin in den Jahren 2015 und 2016 zwei deutsche Sprengbomben ohne Zünder im Dickicht des Waldes entdeckt. Einen ähnlichen Fund hatte die Polizei 2017 am ehemaligen Bahndamm in
Wulkenzin gemacht.

Tollensesee am stärksten betroffen

Das größte betroffene Gebiet ist der Tollensesee. Hier mussten Zwangsarbeiter 1942 im Auftrag der deutschen Kriegsmarine mitten im See auf einer künstlich angelegten Insel eine Außenstelle der Torpedoversuchsanstalt Eckernförde errichten. „Natürlich ist nicht der gesamte See voller Torpedoteile, es sind nur einige Stellen belastet“, erklärt Mollitor. Auch rund um die Bundeswehr-Kaserne Fünfeichen gebe es noch Kampfmittel, da es sich bei dem Standort um eine ehemalige russische Liegenschaft handele.

Für jeden, der Munition bei einem Spaziergang findet, gilt: Bloß nicht anfassen und sofort die Polizei verständigen! „Die Beamten werden uns dann sofort über den Fund informieren, damit unsere Experten die davon ausgehende Gefahr einschätzen können“, so Mollitor.