Aus Auto geworfen
Aus Katze "Hope" wurde Kater "Kurt"

Antje Janott hat sich um Hope gekümmert. Aber auch ihre anderthalbjährige Dackelhündin Rosalie schloß den kleinen Kater ins Hundeherz. 
Antje Janott hat sich um Hope gekümmert. Aber auch ihre anderthalbjährige Dackelhündin Rosalie schloß den kleinen Kater ins Hundeherz.
Bärbel Gudat

Das Schicksal des Kätzchens hatte Mitte Oktober Tierfreunde bewegt. Damals war noch nicht klar, ob der Überlebenswillen des Tieres ausreicht. Das Altentreptower Tierheim fand eine Pflegestelle und die wird bald das Zuhause des Findelkindes.

Der Name drückte wohl die Wünsche der Tierheimmitarbeiter für das Kätzchen aus. Hope – Hoffnung tauften sie es Mitte Oktober. Damals war das Tier mit einem Geschwisterchen am Straßenrand gefunden worden. Hope überlebte, das zweite Kätzchen nicht.

„Wir wussten gleich, das Kätzchen braucht mehr Pflege. Und wir im Tierheim können das nicht leisten“, erinnert sich Tierheimleiterin Silke Greier. Ihre Schwester Antje Janott war damals gerade bei ihr zu Besuch. Sie wollte am Fundtag im Tierheim helfen, als es klingelte und eine aufgeregte Frau zwei verletzte Kätzchen vorbeibrachte. Sie hatte gesehen, dass jemand sie in den Straßengraben geworfen hatte.

Dackeldame schließt das Katzenjunge ins Hundeherz

„Ich war mit beim Tierarzt“, erinnert sich Antje Janott. Sie hoffte da genauso wie ihre Schwester, dass die beiden Findelkinder es schaffen. Aber eins der Kätzchen war nicht mehr zu retten, obwohl es anfangs gar nicht so aussah. Die Katze hatte schwere innere Verletzungen. „Bei der OP von Hope habe ich gesagt, wenn sie es schafft, kümmere ich mich um sie.“ Damals dachten alle noch, es handelt sich um eine weibliche Katze. Aufgrund der Verletzungen war das Geschlecht nicht erkennbar.

Erst nach einigen Tagen stellten sie fest, dass Hope ein Kater ist.

Die Familie von Antje Janott entschied nun, „Hope“ soll von nun an „Kurt Henning“ heißen. Da hatten auch ihr Mann und die beiden Kinder das kleine Wesen in ihr Herz geschlossen. Anfangs musste der Kleine noch mit der Pipette gefüttert werden, erinnert sich die Tierfreundin. Aber zum Glück nur ganz kurz. „Es gibt Katzenfutter in Suppenform“, das habe Kurt recht schnell selbstständig gefressen. In den ersten Tagen sei sie in der Nacht aufgestanden und habe geschaut, ob alles in Ordnung ist.

Noch jemand schloss das Kätzchen gleich von Anfang an in ihr Hundeherz: Rosalie, Rufname Rosi, die anderthalb Jahre alte Dackeldame der Familie Janott. Sie hat wohl gleich gespürt, dass hier jemand eine Pflegemutter braucht. Auch Spitz Teddy mit seinen 13 Jahren kümmerte sich gleich um das kleine Knäuel. „Sie haben gemerkt, dass es ihm nicht gut geht.“

Nach gut vier Wochen ist Hope, oder besser gesagt Kurt, zu einem kräftigen kleinen Kater herangewachsen, der gerne spielt. „Rosi lässt sich von ihm viel gefallen.“ Für Teddy sind die beiden Jungspunde dann doch ein bisschen zu hitzig. Er zieht sich lieber zurück. Um dem kleinen Kater auch mal eine Auszeit zu gönnen, hat er seine eigene Box. Dahin kann er sich zurückziehen.

Familie nimmt Kurt endgültig bei sich auf

Der Pflegevertrag für ihn mit dem Tierheim läuft nun aus. Insgesamt hat das Altentreptower Heim noch vier weitere Pflegestellen, wo Hunde und Katzen leben, die mehr Pflege als üblich brauchen. „Für die Pflegestellen übernehmen wir als Tierheim die Tierarztkosten“, erläutert Silke Greier. Für Kurt wird der Pflegevertrag jetzt in einen Tierabgabevertrag umgewandelt, denn Janotts wollen ihr kleines Ziehkind nicht mehr hergeben.

Es gibt im Tierheim aber schon wieder zwei neue Findelkinder. In ihrem Fall hörte ein junger Mann, der zurzeit in Tierheim hilft, ein Mauzen in einem Papiercontainer in Gültz. Er schaute nach und fand zwei Kätzchen in einem Schuhkarton. „Die waren total ausgemergelt und voll mit Flöhen“, sagt Silke Greier. Lange hätten sie nicht mehr überlebt. Sie ärgert, dass jemand die Katzenkinder wie Abfall weggeschmissen hat. Man hätte den Karton doch wenigstens vor dem Tierheim am Klosterberg abstellen können. Auch wenn die Plätze hier nicht reichen, aber es finden sich ja manchmal liebe Menschen, an die man die Katzenkinder vermitteln kann.

Allerdings sollte jetzt niemand auf die Idee kommen, vor Weihnachten eine Katze oder einen Hund als Geschenk aus dem Tierheim holen zu wollen. „Tiere sind einfach keine Weihnachtsgeschenke“, macht Silke Greier klar. So gibt es 14 Tage vor dem Fest ein Vermittlungsstopp. Andererseits wundere sie immer wieder, dass solche geretteten Tiere trotz aller schlechten Erfahrungen meist zutraulich bleiben. Als wenn Kurt das beweisen möchte, kuschelt sich das Katzenkind auf Antje Janotts Schoß und freut sich über die Streicheleinheiten.