Hat alles im Griff beim „Race & Fly” in Trollenhagen: Sebastian Henkel.
Hat alles im Griff beim „Race & Fly” in Trollenhagen: Sebastian Henkel. Felix Gadewolz
Matthias Lächelt und sein knallroter Trabant sind zum zweiten Mal beim Oldtimertreffen in Schwichtenberg.
Matthias Lächelt und sein knallroter Trabant sind zum zweiten Mal beim Oldtimertreffen in Schwichtenberg. Thomas Beigang
Trabant und Sandmann, beides Überbleibsel aus dem Osten.
Trabant und Sandmann, beides Überbleibsel aus dem Osten. Thomas Beigang
Gleich gehts los. Start beim Rennen auf der Viertelmeile auf dem Flugplatz in Trollenhagen.
Gleich gehts los. Start beim Rennen auf der Viertelmeile auf dem Flugplatz in Trollenhagen. Felix Gadewolz
Hunderte sehen und hören die Pferdestärken beim Kräftemessen. Fotos (2): Felix Gadewolz
Hunderte sehen und hören die Pferdestärken beim Kräftemessen. Fotos (2): Felix Gadewolz Felix Gadewolz
Tuner-Treffen

▶ Auto-Fans feiern den Kult aus der DDR und viel PS

Autos hier und Autos dort. Tuner und Oldtimer-Fans halten am Wochenende Treffen an der Seenplatte ab. Da kann es schon mal richtig laut werden.
Neubrandenburg

Matthias Lächelt steht neben seinem knallroten Trabant auf der Wiese in Schwichtenberg und macht seinem Namen alle Ehre. Gerade hat eine junge Frau in seinem Auto Probe gesessen und zeigt sich begeistert. Das sei doch mal was ganz anderes, schwärmt sie. Klar, nickt der 35-Jährige aus Knüppeldamm bei Malchow.

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Was so ein Trabant heute kostet

Trabi ist eben Trabi und darum besitze er eben einen. Seiner wurde im November 1989 gebaut. gerade noch so rechtzeitig vor dem Ende der Produktion. 2017 hat er ihn den Erben des Vorbesitzers abgekauft und dafür 4000 Euro auf den Tisch gelegt.

Das reicht heute längst nicht mehr, wissen die Besucher des immerhin schon 13. Oldtimer-Treffens in Schwichtenberg, dem Museumsdorf in der Großen Wiese. 8000 Euro, wenigstens, muss löhnen, wer ein fahrbares Exemplar in ordentlichen Zustand erwerben will. Für die Variante Trabant-Kübel reichen 10 000 kaum.

Kult-Fuhrpark aus DDR-Zeiten

Die auf der Wiese in Schwichtenberg wissen Bescheid. Mehr als 300 Fahrzeuge, alle längst in die Jahre gekommen, stehen neben ihren Besitzern und wollen bewundert sein. Die aus dem Osten sind in der Mehrzahl, glänzende Wolgas, stolze Ladas, schmucke Trabis und unverwüstliche Wartburgs. Aber alles junge Dinger im Vergleich mit dem ältesten Fahrzeug, einem Renault aus dem Jahr 1922 (!). Der gehört seit acht Jahren Timo Stahl und der Prenzlauer gesteht, den renault zum ersten Mal draueßn zu präsentieren. Aber wo sonst, heißt es, wenn nicht in Schwichtenberg, dem Mekka der Oldtimer und deren Besitzer.

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So was hört Wolfgang Lüdemann besonders gern. Der ist Chef der „Wiesenschrauber”, hat das jährliche Treffen aus der Taufe gehoben und immer noch den Hut auf. Lüdemann zeigt stolz auf sein Motorrad von Fichtel und Sachs aus dem Jahr 1939, ein Stück weiter steht noch ein sechs Jahre älterer Opel und zu Hause, klar, ein Trabant. da gibt es immer was zu schrauben. Wenn der Lüdemann kein Öl an den Fingern hat, sagt man im Dorf, fühlt der sich nicht wohl.

Schnell und laut auf dem Flugplatz

Der Geruch nach heißem Öl und abgefahrenen Reifen hängt zur gleichen Zeit über dem Flugplatz Trollenhagen bei Neubrandenburg. Hier hat Sebastian Henkel, den alle nur Pelle nennen, wieder zu „Race & Fly bei Pelle” geladen und viele Hundert sind gekommen. Die wichtigste Angelegenheit des Treffens ist für viele der irre Rausch der Geschwindigkeit auf der abgesperrten Viertelmeile auf einer der Landebahnen.

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Motorräder und Autos treten an, um in der kürzestens Zeit die 402 Meter hinter sich zu bringen. Ein Berliner Biker ist stolz auf seine Zeit – wahnsinnige 8,6 Sekunden – aber traurig, weil sein Getriebe das nicht aushielt. Murat Yilmaz kommt aus extra aus der Hauptstadt und sitzt hier an der Messstelle. Knapp unter elf Sekunden schaffen die schnellsten Autos. Sebastian Henkel muss jetzt schreien, um verstanden zu werden. Die Fahrer heizen auf der Stelle und machen so ihre Reifen heiß und schneller, und weil lärmdämpfendes Gerät am Auto hier verachtet wird, muss der Chef so laut werden. Wenigstens 300 PS oder gern noch mehr Pferdestärken müssten unter der Motorhaube auf den Einsatz warten, wenn man hier vorn landen will, brüllt „Pelle”.

[Video]

Ein Stück weiter kann der wieder leiser sprechen. So zufrieden sei er mit dem Treffen, schwärmt er, alles funktioniere gut und auf alle seiner vielen Helfer sei Verlass. Ein Junge vom nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehr erhält jetzt eine Ansage. Er soll doch, bestimmt der Chef, auf die schwarzen abgefahrenen Streifen auf der Startbahn bei der Viertelmeile ein bisschen Wasser spritzen. Aber nicht zu viel!

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