Gleise ins Nirgendwo, Baustellen bis in alle Ewigkeit: So sieht es in Sponholz bei Neubrandenburg aus.
Gleise ins Nirgendwo, Baustellen bis in alle Ewigkeit: So sieht es in Sponholz bei Neubrandenburg aus. Gabriel Kords
Zugausfälle

Bahn-Probleme in MV − Wann merkt es unsere Landesregierung?

Wer im Osten des Landes Bahn fahren will, erlebt derzeit sein blaues Wunder. Im Landtag hat man das inzwischen auch registriert - und bei der Landesregierung?
Neubrandenburg

Jutta Wegner braucht nicht viele Worte, um die Lage auf den Schienen im Osten des Landes zu beschreiben: „Das Land vernachlässigt seit Jahren den Bahnverkehr, insbesondere im Binnenland und in der Anbindung an die Metropolregion Stettin“, so die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. Das zeige sich auch wieder nach der Ankündigung der Bahn, die Strecke von Neubrandenburg nach Pasewalk nicht sechs Wochen, sondern sechs Monate zu sperren – angeblich wegen Problemen bei Bauarbeiten am Bahnübergang in Sponholz.

+++ Neun-Euro-Ticket lastet Züge aus+++

Das Land nehme auf die Bauplanung der Bahn wohl überhaupt keinen Einfluss, mutmaßt die Neubrandenburgerin. Schließlich müsse der Bahnübergang bald noch einmal gesperrt werden, wenn dort die Straße saniert werde. „Die Strecke nutzt nur, wer muss“, sagt Wegner mit Blick auf die sowieso schon langen Fahrtzeiten. So sei ihr Niedergang vorgezeichnet.

Ständigen Zugausfälle mehr als ein Ärgernis

Die ständigen Zugausfälle wegen Personalmangels seien ein weiteres Ärgernis, sagt nicht nur Jutta Wegner. Der Fraktionschef der CDU im Landtag, Franz-Robert Liskow sagt: „Genug Geld ist da, der zuständige Minister hat auf das Thema Schienenverkehr aber offensichtlich einfach keine Lust – das war bei Minister Pegel schon so und hat sich nicht geändert, seit Herr Meyer Verkehrsminister ist. Das 9-Euro-Ticket hat die Schwäche des Nahverkehrs in MV vollends entlarvt.“ FDP-Fraktionschef René Domke ergänzt: „Während sich einige für das 9-Euro-Ticket feiern lassen wollen, aber nie beantworten, wer das eigentlich bezahlen und in einer zurückgebliebenen und vernachlässigten Struktur umsetzen soll, sind in Landesteilen wie Vorpommern wichtige Verkehrsadern schlichtweg gekappt.“

Staatsbahn als Lösung − ein Kurswechsel?

Und was sagen die Regierungsparteien? Für Henning Foerster von der Linken liegen die Probleme darin, dass jahrelang versucht worden sei, aus der Staatsbahn ein Privatunternehmen zu machen: „Die Bahn ist ein Sanierungsfall, das gilt für Personal, Fahrzeuge und Infrastruktur gleichermaßen. Was über Jahrzehnte versäumt wurde, kann allerdings nicht in kurzer Zeit repariert werden. Gewinnstreben statt Daseinsvorsorge war und ist die falsche Politik.“

Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Marcel Falk, räumt ein, dass bei der Bahn ein Kurswechsel nötig sei: „Am Ende brauchen wir mehr als das ‚Lokführerlied‘ von Lacky Lakomy, um hier das Ruder herumzureißen.“

Nur was? Aus der ansonsten so mitteilsamen Landesregierung drang dazu in der vergangenen Woche wieder einmal nur eins: beredtes Schweigen.

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