Am Stargarder Tor, einem der Neubrandenburger Wahrzeichen, bröckelt mehr als nur der Putz. Es soll ab 2023 saniert werden
Am Stargarder Tor, einem der Neubrandenburger Wahrzeichen, bröckelt mehr als nur der Putz. Es soll ab 2023 saniert werden, eine von vielen Baumaßnahmen der Stadt. Mirko Hertrich
Tourismus

Bald eine Ferienwohnung im Stadt-Wahrzeichen?

Urlauberdomizil im Stargarder Tor und eine Erweiterung des Standesamts: Die Stadt denkt darüber nach, ihre berühmten vier Tore stärker zu nutzten.
Neubrandenburg

Die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg könnte künftig mit einer Ferienwohnung für sich werben, die ihresgleichen sucht. Denn wo sonst kann man in einem über 700 Jahre alten Stadttor übernachten, das Teil einer der am besten erhaltenen Wall- und Wehranlagen der Backsteingotik ist?

Die Idee, eine Wohnung im Vortor des Stargarder Tores zu einem Domizil für Touristen umzubauen, geistert schon länger durch die Stadt. So soll laut Rathaus der Stadtvertretung noch in diesem Jahr für alle vier Tore Neubrandenburgs ein Nutzungskonzept vorgelegt werden – ähnlich wie schon für die Wiekhäuser. Im Zuge einer Sanierung sei dabei als nächstes das sogenannte Vortor am Stargarder Tor an der Reihe, kündigte Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) in einem Pressegespräch an. 200 000 Euro würden für die Planung bereitgestellt. „Dabei gebe es die Überlegung, die ehemalige Wohnung von Josef Walter zu einer Ferienwohnung auszubauen.“

Das Stargarder Tor besteht aus einem 24 Meter hohen Haupttor aus dem Jahr 1311 und einem 18 Meter hohen Vortor, verbunden durch 40 Meter lange Zwingmauern und ein Zollhaus. Im Vortor richtete Architekt Josef Walter bei der Rekonstruktion des Bauwerks eine Wohnung her, die er bis zu seinem Tod 2007 bewohnte. Seine Witwe hat das Objekt mittlerweile abgegeben. Drei der vier Stadttore hatte der Architekt vor rund 50 Jahren originalgetreu wiederaufgebaut.

Noch mehr Standesamt am Friedländer Tor

Die Sanierung des mittelalterlichen Bauwerks ist Silvio Witt zufolge notwendig, wobei das Haupttor noch weitgehend in Ordnung sei, dringenderer Bedarf bestehe beim Vortor. Schon jetzt müssten einzelne Backsteine herausgenommen werden. Der Zustand mache es vielleicht sogar notwendig, dass das Tor schon in diesem Jahr eingerüstet werden müsse.

Auf dem Wall am Stargarder Tor soll bald ebenfalls einiges passieren. An der Stelle des ehemaligen Filmpalastes soll westlich des Bauwerks ein Spielplatz entstehen. Zudem ist geplant, auf der östlichen Seite des Tores mit Fördermitteln des Bundes einen Fahrradspielplatz mit sogenannter Halfpipe zu bauen (der Nordkurier berichtete). Ziel sei es, den Kindern und Jugendlichen, die derzeit auf dem Wall beim Standesamt am Friedländer Tor fahren, ein Angebot zu machen, sagte der Oberbürgermeister.

Am Friedländer Tor gibt es Überlegungen, das Haupttor noch stärker fürs Standesamt zu nutzen. Ein Teil seiner Mitarbeiter sei im Torhaus untergebracht, die anderen im Haus der Kultur und Bildung“, sagte Standesamtsleiter Andreas Beck. Das sei „arbeitsorganisatorisch schwierig“. Daher sollten zwei Räume im Haupttor entstehen, einer als Büro und der andere als Beratung- und Eheschließungsraum. Dort könnten kleinere Trauungen parallel abgehalten werden.

Während im bereits ausgebauten Neuen Tor die Fritz-Reuter-Gesellschaft fest etabliert ist, soll das Haupttor des Treptower Tores im Westen wieder stärker als Museum nutzbar gemacht werden. Dort sind derzeit die Ausstellung zur Ur- und Frühgeschichte sowie die Museumspädagogik untergebracht.

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