Altentreptows Stadtmauer

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Bauhistoriker soll jetzt im Mauer-Fall helfen

Die Baustelle ruht vorerst bis zur Besichtigung durch den Bauhistoriker.
Die Baustelle ruht vorerst bis zur Besichtigung durch den Bauhistoriker.
Bärbel Gudat

Ein Fachmann vom Landesamt für Denkmalpflege hat sich den Zufallsfund am Brandenburger Tor angeschaut. Er hat der Stadt Empfehlungen gegeben, wie sie weiter mit dem Mauer, aber auch mit den beiden verbliebenen alten Häusern verfahren sollte.

In Sachen Mauer am Brandenburger Tor fiel bislang noch keine Entscheidung: Vermutet wird ja, dass es sich um einen Teil der alten Stadtmauer handeln könnte (Nordkurier berichtete). Nach dem Bekanntwerden gab es einen Baustopp. Am Dienstag schaute sich Dr. Jan Schirmer von der Landesdenkmalpflege die Fundstelle an. Er wird im Schweriner Landesamt für Kultur und Denkmalpflege als ein Spezialist für Bürgerhäuser und Stadtmauern ausgewiesen.

„Wir waren gut eine Stunde an der Fundstelle“, teilte der Altentreptower Bürgermeister, Volker Bartl, auf Nachfrage mit. Der Fachmann vom Landesamt habe lange abgewogen, sei aber zu keinem eindeutigen Urteil gelangt. „Er hat uns empfohlen, einen Bauhistoriker hinzuzuziehen“, informierte Volker Bartl weiter. Die Namen von fünf Fachmännern habe er der Stadt gleich Mittwochmorgen mitgeteilt, zwei leben in Berlin, einer in Hamburg und ein weiterer in Schwerin. Sie hätten sich aber für einen Greifswalder entschieden.

André Lutzes Referenzliste sei lang, unter anderem habe er am Doberaner Kloster mitgearbeitet. Der Bauhistoriker aus der Hansestadt sagte bereits zu. Er will sich die freigelegte Mauer am Brandenburger Tor noch vor Weihnachten anschauen und begutachten.

Die Stadt bekam von Jan Schirmer außerdem etwas anderes mit auf den Weg. Er empfahl, noch ein dendrologisches Gutachten anfertigen zu lassen. Damit soll das Alter eines Fachwerkholzbalkens aus der Mauerstraße Nummer 2 bestimmt werden. Weiterhin sollten mit so einem Gutachten auch Sparren, ein Dachholz, mit einbezogen werden.

Bei der Besichtigung der noch vorhandenen beiden Häuser in der Mauerstraße zeigte sich, dass die gesamte Front der Mauerstraße 1, das heißt die Rückseite der freigelegten Mauer, verputzt und mit Tapeten verklebt ist. Sollte sich herausstellen, dass es sich um einen wichtigen kulturhistorisch wertvollen Fund handele, müsste das alles in Kleinstarbeit abgetragen werden.

„Wir haben jetzt entschieden, die Baustelle vorerst bis zur Besichtigung durch den Bauhistoriker ruhen zu lassen“, sagte der Treptower Bürgermeister. Die Firma Munzinger werde nur noch die Abrissstelle in der Breitscheidstraße bereinigen. „Wir gehen aber auch nicht tief in den Boden, um nicht vielleicht dort befindliche Fundstücke zu beschädigen“, ergänzte Volker Bartl.

Sollte sich nach dem Besuch des Greifswalders Bauhistorikers André Lutze herausstellen, dass es sich am Brandenburger Tor in Altentreptow wirklich um ein Stück Stadtmauer handelt, hat der Bürgermeister schon versichert, dass sie am Standort erhalten bleiben wird. Allerdings wird es die Stadt auch eine Menge Geld kosten, um sie dann vernünftig zu sichern und herzurichten.