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Damit am Neubrandenburger Klinikum weiter Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm behandelt werden können, soll am 11. September eine Kundgebung auf dem Neubrandenburger Marktplatz stattfinden. Holger Hollemann
Bonhoeffer-Klinik

Bedrohte Früchchenstation – Mitarbeiter planen Protestaktion

Die Erhöhung der Mindestzahl von jährlichen Fällen bedroht den Fortbestand des Perinatalzentrums in Neubrandenburg. Den Mitarbeitern reicht es jetzt.
Neubrandenburg

Der Protest für den Erhalt eines Level-1-Perinatalzentrums in Neubrandenburg soll am 11. September auf die Straße getragen werden. Die Sprecherin des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums, Anke Brauns, bestätigte entsprechende Berichte von Neubrandenburgs Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann, der gleichzeitig CDU-Chef des Ortsverbands ist. Anke Brauns sagte dem Nordkurier, bei dem geplanten öffentlichen Protest handele es sich um eine Aktion der Mitarbeitervertretung des Klinikums. Die findet statt von 10 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz. Parallel soll eine Unterschriftenaktion laufen.

Folgen auch für andere Bereiche

Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg, setzt auf große Öffentlichkeit für das brisante Thema: „Medizinische Versorgung ist ein Thema, das alle Menschen betrifft“, sagt er. Dabei gehe es nicht nur um den Status als Perinatalzentrum Level 1 für das Neubrandenburger Klinikum. Wenn die Verfügbarkeit medizinischer Leistungen an Mindestzahlen gekoppelt werde und ein Krankenhaus „Leistungen, obwohl es sie erwiesenermaßen qualitätvoll wahrnehmen kann, nicht wahrnehmen darf“, seien Folgen auch für andere Bereiche abzusehen. Die umstrittene Regelung zur Frühchen-Versorgung sei dann „erst die Spitze des Eisbergs“.

Bedrohung auf mehreren Ebenen

Hintergrund des breiten Protestes in der Region für den Erhalt des Level-1-Perinatalzentrums in Neubrandenburg ist eine Entscheidung des Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA), wonach sogenannte Perinatalzentren ab 2024 nur noch betrieben werden sollen, wenn es mindestens 25 Fälle pro Jahr gibt. Als solche zu früh Geborenen gelten Neugeborene unter 1250 Gramm Gewicht. Diese Mindestfallzahl könnte das Bonhoeffer-Klinikum und auch die Greifswalder Uniklinik wahrscheinlich nicht erreichen. Das geänderte Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) sieht aber die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen vor. Diese sind allerdings auf jeweils ein Jahr befristet und bedürfen der Zustimmung der Krankenkassen und der Ersatzkassen.

Peter Modemann kündigte an, dass die Stadt Neubrandenburg die Demonstration unterstützen werde. Er warnte ebenfalls davor, dass die Anhebung von Mindestzahlen Auswirkungen auf weitere medizinische Leistungen am Klinikum haben könnte. Zugleich befürchtet er, dass sich Herabstufungen von Level 1 auf die Ausbildungsmöglichkeiten am Klinikum und damit auch auf die Ärzteversorgung in Stadt und Region auswirken werden. „Wenn Neubrandenburger Mediziner den zweiten Teil ihrer Ausbildung in Berlin machen müssen, dann kommen sie nicht wieder.“

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