Gegen die Schließungspläne am Neubrandenburger Krankenhaus hatte es immer wieder Proteste gegeben. Der Landtagsabge
Gegen die Schließungspläne am Neubrandenburger Krankenhaus hatte es immer wieder Proteste gegeben. Der Landtagsabgeordnete Torsten Koplin (Linke) schlägt nun vor, dass das Land in die Bresche springt. Anke Brauns/privat
Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt sieht den ländlichen Raum durch die Entscheidung geschwächt.
Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt sieht den ländlichen Raum durch die Entscheidung geschwächt. Bernd Wüstneck
Frühchen-Station

Behandlungsverbot an Klinik in Neubrandenburg – Reaktionen und ein drastischer Vorschlag

Nach der Entscheidung gegen die Spezial-Station für Frühchen reagiert die Politik empört. Aus der Linkspartei kommt ein radikaler Vorschlag, um die Station zu retten.
Neubrandenburg

Die Krankenkassen im Land haben scharfe Kritik von politischer Seite geerntet. „Rücksichtlos” nannte etwa Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) die heute bekannt gewordene Entscheidung, nach der Frühchen mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm in Neubrandenburg ab 2023 nicht mehr behandelt werden dürfen.

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Eltern unter enormer Belastung

Grund sind hierfür die wenigen Fälle in Neubrandenburg, die vorgeschriebenen Mindestmenge liegt bei 25 Frühchen im Jahr. Am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum wurden zuletzt nur noch sieben Fälle behandelt. Die Mindestmengen sind für die Krankenkassen und Gesetzgeber inzwischen ein Kriterium für die Qualitätssteigerung bei der Behandlung. Für Silvio Witt ist die Entscheidung hingegen eine deutliche Schwächung des ländlichen Raumes, wie er am Donnerstag in der Stadtvertretersitzung äußerte.

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Für die betroffenen Eltern würden sich unter anderem die Anfahrtswege bei der Zentralisierung drastisch verlängern, wenn es etwa nach Greifswald oder Berlin gehen muss. Man dürfe nicht alleine auf die Fallzahlen schauen, sagte Witt. Ohne Neubrandenburg gäbe es in MV künftig nur noch ein Perinatalzentrum Level 1 auf mehr als 7700 Quadratkilometern. Ein bundesweiter Spitzenwert im negativen Sinne.

Krankenkasse verteidigt Verbot

Die AOK Nordost, größte Krankenkasse des Landes, beharrt darauf, dass es sich dabei aber nur um eine überschaubare Anzahl von Hochrisikofällen handelt. „Die Klinik Neubrandenburg darf 99 Prozent der Frauen, die diese Klinik bislang für ihre Geburt ausgewählt haben, weiterhin betreuen”. Daher teile man auch nicht die Auffassung, den ländlichen Raum mit der Entscheidung geschwächt zu haben.

Silvio Witt forderte die Stadtvertreter auf, über die Landtags- und Bundestagsabgeordneten weiter für den Erhält des Perinatalzentrums Level 1 zu kämpfen. Wie das Gesundheitsministerium auf Nordkurier-Nachfrage mitteilte, strebe die Landesregierung auch weiterhin eine Ausnahmegenehmigung für Neubrandenburg an.

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Linken-Politiker will Sonderlösung für Neubrandenburg

Nur werde dafür die Zustimmung der Krankenkassen benötigt, die AOK Nordost teilte bereits mit, dass sie dazu nicht bereit ist, „Ausnahmegenehmigungen für dieses Perinatalzentrum mitzutragen, weil unser Fokus darauf liegt, das Sterberisiko für die kleinsten Frühchen zu reduzieren.”

Neben Neubrandenburgs Oberbürgermeister empörte sich auch der Neubrandenburger Landtagsabgeordnete Torsten Koplin (Linke) über die Entscheidung der Krankenkassen. Diese treffe bei ihm auf „völliges Unverständnis”, sagte er dem Nordkurier. Denn es sei viel mehr als nur der Wegfall einer einzigen Leistung. „Der Schaden wird sicherlich noch größer, wenn es in der Folge Einschnitte beim Personal und bei der Ausbildung gibt”, sagte der Linkspolitiker.

Die Regierungskoalition in Schwerin stehe laut ihm deutlich für den Erhalt. „Gegebenenfalls müssen wir die Sicherstellung aus eigener Kraft gewährleisten”, schlug er vor. Dann würde das Klinikum diese Behandlungen nicht bei den Krankenkassen abrechnen, sondern würde mit Steuergeldern finanziert. Konkret handele es sich dabei um einen sogenannten Sicherstellungszuschlag, den das Land zahlt, wenn es eine medizinische Versorgungsleitung gewährleistet sehen will. Ein teures Unterfangen, schätzt Koplin schon jetzt. „Aber das muss es uns Wert sein.”

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