Der 41-Jährige Tilo Lorenz kandidiert bereits für seine dritte Amtszeit als Burg Stargards Bürgermeister.
Der 41-Jährige Tilo Lorenz kandidiert bereits für seine dritte Amtszeit als Burg Stargards Bürgermeister. Tim Prahle
Wahl am 12. Juni

Beim ersten Mal war er 27 - nun will Stargards Bürgermeister eine dritte Amtszeit

Seit 14 Jahren leitet Tilo Lorenz die Geschicke in der Stadt. Nun stellt er sich erneut zu Wahl – und sieht sich mit Kritik konfrontiert, die er einst selbst erhoben hatte.
Burg Stargard

Der Blick in die Archive bringt manch Paradoxes zu Tage. 2008 war es, als ein gerade mal 27 Jahre alter Bauamtsmitarbeiter in Burg Stargard (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) zum Bürgermeister gewählt wurde. Ein gewisser Tilo Lorenz strebte damals nach dem Wahlsieg gegen Bärbel Bredemeier mehr Offenheit an, beklagte im Vorfeld ein Kommunikationsproblem zwischen Stadtvertretung und Verwaltung. 14 Jahre später sitzt der einstige Newcomer noch immer an der Rathausspitze und will dort gerne auch noch sieben Jahre bleiben. Von seiner Gegenkandidatin Katja Sievert (Wählergruppe Stargard 2030) wird Lorenz aber nun seinerseits wegen mangelnder Transparenz und fehlender Kommunikation kritisiert.

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Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Ein Vorwurf, gegen den sich der Bürgermeister gebetsmühlenartig und manches Mal schulterzuckend wehrt. „Mit einem Großteil der Stadtvertretung gibt es dieses Problem einfach nicht. Kommunikation ist auch keine Einbahnstraße“, entgegnet Tilo Lorenz.

In den 14 Jahren habe er da durchaus ein dickeres Fell bekommen. Gleichwohl sei er in manchen Dingen weiter dünnhäutig, räumt er ein. „Es ist in Ordnung, wenn einzelne Stadtvertreter mich nicht mögen. Blöd ist, wenn es dann nicht mehr um die Sache geht“, betont der diplomierte Verwaltungsbetriebswirt, der schon seine Ausbildung in der Stargarder Verwaltung machte. Wenn er sich für eine aus seiner Sicht gute Sache einsetzt, tue er das ebenso emotional wie all die Jahre zuvor. „Das hat aber nichts mit Beratungsresistenz zu tun“, bekräftigt er. „Wenn man mit Herzblut an die Sache rangeht“, betont Lorenz, „ist man eben kein Winke-August.“

Erfolge auf Internetseite aufgezählt

Tilo Lorenz weiß aber auch, dass das innere Gezanke in der Stadtpolitik sicher nicht jeden Bürger bei der Wahl interessieren wird – und listet lieber das gemeinsame Erreichte aus der vergangenen Amtszeit aus. Dazu gehört etwa die komplette Entwicklung des Wohngebiets in Quastenberg. Dort, wo der „waschechte Stargarder“ Lorenz selbst einige Jahre aufgewachsen ist. Auch die Sanierung etlicher Straßen und des Marie-Hager-Hauses sowie neue Spielplätze zählt Tilo Lorenz auf seiner extra zur Wahl eingerichteten Internetseite auf.

Auch im Kreistag aktiv

Dass dort sogar Maßnahmen aus anderen Zuständigkeiten aufgeführt werden, stört ihn nicht. Etwa der Lückenschluss des Radweges von Neubrandenburg nach Burg Stargard – ein Projekt des Landkreises. Im Kreistag fungiert der Stargarder Bürgermeister als CDU-Fraktionsvorsitzender. „Sicherlich nicht verkehrt, dass ich mich dort auch für Projekte im Stargarder Land einsetzen kann“, sagt er.

Er will zeigen: In Stargard tut sich seit Jahren viel. „Ich habe auch den Eindruck, dass das die meisten Menschen wahrnehmen und mir da weiter vertrauen können“. Er habe in all den Jahren nie vernachlässigt, mit den Bürgern das Gespräch zu suchen, sagt Tilo Lorenz. Alleine auf den Vorteil seiner Bekanntheit wolle sich allerdings nicht verlassen, er nehme die Wahl und Gegenkandidatin Katja Sievert „sehr ernst“.

„Man ist nicht mehr wirklich privat unterwegs“

Lorenz will weiter für „seine“ Stadt arbeiten, obwohl der Job auch Nachteile hat. „Man ist nicht mehr wirklich privat unterwegs“, sagt der zweifache Vater. Doch Lorenz hat diese Rolle akzeptiert: „Man weist ja niemanden zurück, nur weil man gerade nicht im Dienst ist.“

Wahl am 12. Juni

Zu tun gebe es ohnehin noch genug. Beim teuren Erhalt der Höhenburg wurde noch immer kein langfristiger Durchbruch in den Gesprächen zwischen Stadt, Land und Bund erzielt. Zudem wolle er sich in der dritten Amtszeit verstärkt auf die Wiederbelebung der Innenstadt konzentrieren. Helfen sollen dabei der Umzug des Rathauses und das neue Bürgerhaus an der Marktecke, voraussichtlich 2024 sind die Arbeiten abgeschlossen. Ob Tilo Lorenz selbst dann mit umziehen darf, entscheiden die Burg Stargarder Wähler am 12. Juni.

 

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