LANDWIRTSCHAFT

Beizverbot setzt Rüben und Insekten schwer zu

Seit diesem Jahr darf auch die Zuckerrübe nicht mehr gebeizt werden, zum Schutz der Insekten. Dadurch sehen sich Landwirte nun gezwungen zu spritzen.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Gerhard und Tilo Radloff sind besorgt über den Zustand ihrer Rübenpflanzen. Fast jede Pflanze ist von Schädlingen befallen. Die Fraßstellen sind Eintrittspforten für Pilze.
Gerhard und Tilo Radloff sind besorgt über den Zustand ihrer Rübenpflanzen. Fast jede Pflanze ist von Schädlingen befallen. Die Fraßstellen sind Eintrittspforten für Pilze.
Werder.

In diesem Jahr durfte erstmals kein gebeiztes Rübensaatgut mehr verwendet werden. Der Wegfall der Beize macht sich auf den Äckern schon bemerkbar. Tilo Radloff, Vorsitzender des Bauernverbandes Altentreptow, hat selbst Rüben in der Fruchtfolge und ist besorgt über den Zustand der Sprösslinge: Fast jede Zuckerrübenpflanze ist von Schädlingen wie dem Rübenerdfloh, der Rübenfliege oder von Blattläusen befallen.

„Die Fraßstellen sind zusätzlich Eintrittspforten für Pilzkrankheiten“, erklärt Radloff. „Wenn das Wetter entsprechend ist, können die Pflanzen das auch auswachsen.“ Doch in diesem Jahr seien die Rübchen durch die kühle Witterung und die anhaltende Trockenheit ohnehin schon geschwächt.

Spritzen als große Gefahr für Insekten

Die Ernte ist zu retten. Allerdings wird Radloff dafür zum ersten Mal seit Jahren wieder spritzen müssen – mit den noch zugelassenen Fungiziden und Insektiziden. Dabei war die Beize doch zum Schutz der Insekten verboten worden. „Insektizide haben wir die letzten Jahre keine gespritzt“, erinnert sich Radloff, „Fungizide nur ab und zu, wenn es sehr feucht war.“

Das Spritzen bedeutet zwar auch einen finanziellen Mehraufwand gegenüber der Beize, doch ärgerlicher ist für Radloff die damit verbundene Umweltschädigung: „Wir hauen dann alles weg, was hier an Insekten ist“, sagt er und deutet auf einen Marienkäfer und ein paar Ameisen, die zwischen den Rübenpflänzchen krabbeln. Zwar würden die Bestäuberinsekten, solange noch nichts blüht, davon nicht beeinträchtigt, doch die Rübenrettungsaktion ginge auf Kosten anderer Nützlinge.

Landwirt ärgert sich über Gesetze

Bei der Beizung wird bereits das Saatgut mit Pflanzenschutzmitteln, auch mit Insektiziden, präpariert, die die besonders anfällige Jungpflanze schützt, bis sie robust genug ist. Zwei bis drei Zentimeter unter der Erde, wo die gebeizten Samen keimen, „kommt kein Nützling hin“, sagt Tilo Radloffs Vater Gerhard Radloff. Das Mittel werde dann, während die Rübe wachse, allmählich abgebaut. Inzwischen haben die Pflänzchen sechs Blätter gebildet. Etwa 14 Tage, bis zum Achtblattstadium, wäre der Beizschutz jetzt noch wirksam. „Dann ist die Pflanze vital genug, um gegen die Schädlinge selbst zu bestehen“, erklärt Radloff senior.

Die Beize setze bei den einzelnen Pflanzen an, auf einen Quadratmeter Feld kämen etwa zwölf Rübenpflanzen, so Tilo Radloff. „Wenn ich jetzt aber spritze, dann spritze ich natürlich breitflächig.“ Und das gehe dann zulasten aller Insekten auf dem Acker. Radloff will deshalb nur ungern spritzen, nicht bloß, weil es für ihn kostenintensiver wird. Etwa 50 Euro muss er pro Hektar zusätzlich hinblättern, aber er sieht keinen anderen Weg. „Wir sind gezwungen zu machen, was wir nicht wollen.“ Auch Gerhard Radloff ärgert sich: „Diese Gesetze sind nicht von Fachmännern gemacht worden“, meint er.

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