WASSERROUTE BEI NEUBRANDENBURG

Kanal zwischen Tollensesee und Lieps bedroht

Als „kleiner Amazonas” wird die schmale Wasserstraße zwischen Tollensesee und Lieps beworben. Doch der Kanal droht zu verschlammen. Die Fahrgastschiffer in Neubrandenburg sind alarmiert.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Dieses Bild könnte bald der Vergangenheit angehören: Die Rethra der Stadtwerke auf dem Liepskanal. Der Kapitän der Mudder Schulten, Eckhard Lüdemann (kleines Foto), gibt der Stadt eine Mitschuld.
Dieses Bild könnte bald der Vergangenheit angehören: Die Rethra der Stadtwerke auf dem Liepskanal. Der Kapitän der Mudder Schulten, Eckhard Lüdemann (kleines Foto), gibt der Stadt eine Mitschuld. Stadtwerke
Nur selten fährt das Neubrandenburger Fahrgastschiff in die Lieps ein. Von den Aussichtspunkten Usadels ist das gut zu beobachten.
Nur selten fährt das Neubrandenburger Fahrgastschiff in die Lieps ein. Von den Aussichtspunkten Usadels ist das gut zu beobachten. Ralph Schipke
Der Kapitän der Mudder Schulten, Eckhard Lüdemann, gibt der Stadt eine Mitschuld.
Der Kapitän der Mudder Schulten, Eckhard Lüdemann, gibt der Stadt eine Mitschuld.
Neubrandenburg.

Für die Fahrgastschiffer in Neubrandenburg könnte es in diesem Jahr eine schwierige Saison werden. Denn der Liepskanal zwischen Tollensesee und Lieps droht zu verschlammen und müsste ausgebaggert werden. Sonst ist die bei Neubrandenburgern und Touristen beliebte Ausflugsroute dicht. Doch guter Rat ist teuer.

Die Ausbaggerung des Liepskanals zur Gewährleistung der Fahrgastschifffahrt ist laut Stadt eine „große Herausforderung“, da Denkmal- und Naturschutz zu berücksichtigen sind. Dazu müssten die anliegenden Gemeinden „mit ins Boot geholt“ werden, sagt Stadtsprecherin Anett Seidel. In diesem Jahr will die Verwaltung in die Planung einsteigen. „Dann erst besteht auch Gewissheit, welche Kosten auf uns zukommen. Wir hoffen, dass 2019 die Fahrgastschifffahrt noch gewährleistet werden kann“, betont die Sprecherin.

Sichtachsen und Denkmalschutz

Nach den Worten Seidels arbeitet die Stadt in Vorbereitung der Planung eng mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises zusammen, um alles in Betracht zu ziehen, was es zu bedenken gelte. Unter anderem müssten die Sichtachsen zum Jagdschloss Prillwitz beachtet werden. Der Denkmalschutz wird einbezogen, weil in dem Bereich von Bodendenkmälern ausgegangen wird.

Das Fahrgastschiff Mudder Schulten von Kapitän Eckhard Lüdemann und das Linienschiff Rethra der Neubrandenburger Verkehrsbetriebe (NVB) dürfen bislang von Ende Juni bis Ende September durch den Kanal auf die Lieps fahren. Wenn der Kanal nicht mehr passiert werden kann, würde das die Reeder empfindlich treffen. „Das wäre ein unheimlicher Verlust an Leuten und Geldeinnahmen“, erbost sich Lüdemann, dessen Schiff in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum auf dem See feiert. Die 90 Tage im Jahr, an denen der Kanal befahren werden dürfe, seien das Highlight der Saison.

Liepskanal ist bundesweite touristische Attraktion

In ganz Deutschland ist es nach den Worten des erfahrenen Schiffers bekannt, dass es hier mit dem Kanal eine solche touristische Attraktion gebe. Auch die Neubrandenburger würden die Route gerne in seinem Boot befahren. „Das wäre schon ein Verlust, wenn das nicht mehr ginge.“ Schon im vergangenen Jahr hatte er finanzielle Einbußen, weil er wegen des Niedrigwassers infolge der langen Dürre im Sommer statt der möglichen 124 nur 80 Passagiere mitnehmen konnte, damit das Boot im flachen Kanal nicht aufsitzt. „Da musste ich Leute wegschicken.“

Lüdemann pocht nun darauf, dass er für dieses Jahr schon eine Genehmigung hat, ab Ende Juni den Kanal je zwei Mal am Tag zu befahren. „Da muss sich die Stadt schon etwas einfallen lassen.“ Ansonsten will der Unternehmer auf Entschädigung drängen. Seiner Einschätzung nach hat die Stadtverwaltung aus Geldmangel die Ausbaggerung des Kanals auf die lange Bank geschoben.

Für die Lieps als See und die 170 Hektar große Halbinsel Nonnenhof ist Neubrandenburg verantwortlich. Beides gehört auch zum Naturschutzgebiet Nonnenhof. Dessen ehrenamtlicher Gebietsbeauftragter, Axel Griesau, hält einen solchen großflächigen Eingriff für „sehr problematisch“. Davon wären viele bedrohte Arten betroffen wie etwa Fischotter, Biber, Iltisse oder auch Eisvögel. Grisau regt an, statt mit dem Bagger anzurücken, auf kleinere Fahrgastschiffe zu setzen in einer „etwas verträglicheren Version“.

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Kommentare (5)

"Liepskanal ist bundesweite touristische Attraktion" ??? Das ist doch etwas arg übertrieben.
Interessant ist die Aussage von dem Kapitän, dass die Stadt sich etwas einfallen lassen solle, damit er weiterhin da durchfahren kann. Aha, er möchte Geld verdienen und der Steuerzahler soll dafür zahlen. Wie wäre es, wenn er sich an den Kosten beteiligt? Schließlich handelt es sich um keine offizielle Wasserstraße, sondern ist für fast alle anderen gesperrt.
Hier muss es eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen geben. Und die Kosten sollten zwischen allen Betiligten aufgeteilt werden, also Stadt NB, Gemeinde Hohenzieritz, Fahrgastschiffer, Fischer, etc.. Wenn es aber zu teuer wird, dann muss man den Aufwand auch nicht betreiben, zumal man das gleiche Problem in einigen Jahren wieder haben wird. Das Geld wäre dann an anderer Stelle besser angelegt.

Fahrt von Neubrandenburg bis, keine Ahnung wo man halt Anlanden kann kurz vor der Lieps. Dann geführte Wanderung über die entstehende/enstandende Landzunge und dann Weiterfahrt den Tollensesee wieder runterwärts. Und hey, scheiss auf den menschlichen Einfluss aufs Klima. Wir finden schon neue Wege aus dem was allen gehört, Geld zu schlagen.

Weil - sonst die Tiere noch lauter rufen.

Man kann in Nonnenhof anlanden. Danach könnte man sein Schlauchboot aufpusten und lospaddeln.

Wenn man über die Wiese spazieren darf, könnte man dort auch wandern gehen.

Man kann auch einen Roller oder ein Hoverbord mitnehmen.

Hoverboard - richtig
Hoverbord - war leider, leider falsch geschrieben, weil´s a fehlte
Der Fehler ist mir selbst beim Nachlesen aufgefallen.
Ich bitte deswegen um Entschuldigung.