DROHVIDEO

Berliner Rockerchef beansprucht Neubrandenburg für seinen Club

„Diese Stadt gehört mir.” Ein Berliner Rockerboss hat ein Video veröffentlicht, in dem er Neubrandenburg für sich und seinen Club reklamiert. Anlass könnte eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Motorradclubs sein.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Während er über den Neubrandenburger Marktplatz läuft, sagt der südländisch aussehende Mann in eine Selfie-Kamera: „Diese Stadt gehört mir, ich bin hier der Boss.”
Während er über den Neubrandenburger Marktplatz läuft, sagt der südländisch aussehende Mann in eine Selfie-Kamera: „Diese Stadt gehört mir, ich bin hier der Boss.” Simon Voigt
Neubrandenburg.

In Neubrandenburg macht sich offenbar ein Berliner Rocker-Club breit. In Sozialen Netzwerken kursierte ein mittlerweile gelöschtes Video vom Donnerstag, auf dem ein grimmig dreinschauender Mann mit Bart, der sich als Präsident von Notorious M.C. Nomads Germany bezeichnet, die Stadt Neubrandenburg in obszönen Worten für seinen Club und sich beansprucht. Während er über den Neubrandenburger Marktplatz läuft, sagt der südländisch aussehende Mann in eine Selfie-Kamera: „Diese Stadt gehört mir, ich bin hier der Boss.” Anschließend schwenkt er mit der Kamera auf eine neben ihm laufende Gruppe aus mehreren Personen und sagt weiter: „Diese Stadt gehört uns und das ist ein Bruchteil meiner Familie.”

Anlass der Aktion ist möglicherweise, dass ein rivalisierender Motorradclub einen Zwischenfall bei der Polizei angezeigt hat, was eigentlich gegen den Ehrencodex der sehr abgeschotteten Szene verstößt. Zu Beginn des Videos droht der Nomads-Präsident, „an alle Ratten da draußen, die es nicht mit uns aufnehmen konnten und deswegen so eine hinterlistige Art gemacht haben und zu den Bullen gegangen sind”. Sie hätten herumerzählt, dass Nomads-Mitglieder Finger abgeschnitten sowie Wohnungen mit Waffen gestürmt und Leute geschlagen hätten.

Mitglieder posieren vor Bandidos-Vereinsheim

Auf einem anderen Video, das ebenfalls mittlerweile nicht mehr verfügbar ist, sah man den Rocker-Präsidenten, wie dieser mit einem sichtlich eingeschüchterten Mann in die Selfie-Kamera spricht. Dieser beteuert: „Ich habe nichts gesagt, ich bin froh, wenn ich aus der Sache raus bin.” Bei ihn soll es sich um ein Mitglied der rechten Szene Neubrandenburgs handeln. Unklar ist, weshalb ebenfalls auf Facebook ein Foto gepostetet wurde, auf dem zu sehen ist, wie Mitglieder von Notorious M.C. Nomads Germany demonstrativ in der Nähe des Bandidos-Vereinsheims in der Warliner Straße posieren und dabei die Hände so halten, als würden sie in beiden Waffen tragen.

Vor dem Vereinsheim hatte sich nach einer Feier am 23. September 2018 morgens eine gefährliche Machetenattacke ereignet. Im März war dafür ein 39-jähriger Mann zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren wegen versuchten Totschlags der gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.Unklar bis unwahrscheinlich ist allerdings, ob diese Tat Anlass für die Drohaktion vom M.C. Nomads Germany ist, der seinen Sitz in Berlin hat.

Rocker-Gewalt bis hin zu Mord

Zwischen Mitgliedern sogenannter Outlaw Motorcycle Gangs, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, kommt es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen, die bis hin zu Mord reichen. Solche Vereinigungen schotten sich nach außen ab, sind streng hierarchisch gegliedert und in Chaptern organisiert, die bestimmte Gebiete für sich beanspruchen.

Die Pressestelle der Berliner Polizei konnte am Wochenende noch keine Auskünfte geben, ob M.C. Nomads Germany bereits polizeilich in Erscheinung getreten ist und möglicherweise eine Outlaw Motorcycle Gang ist. Das Anliegen des Nordkurier wurde zur Bearbeitung an die Fachabteilung der Berliner Kriminalpolizei weitergeleitet. Die Neubrandenburger Bandidos verwiesen auf Anfrage dieses Mediums auf ihren Pressesprecher, der ab Montag erreichbar sei. 

Bislang ein Rockerclub in MV verboten

Wegen ihrer Verstrickungen in organisierte Kriminalität werden in Deutschland immer wieder Motorradclubs verboten. Zuletzt traf es im Sommer 2018 bundesweit die „rockerähnliche" Gruppierung „Osmanen Germania”, die sich hauptsächlich aus Migranten zusammensetzte. Die hatten es zwar nicht mehr so sehr mit dem Motorradfahren, dafür wurden ihnen aber enge Kontakte zur türkischen Regierungspartei AKP von Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan nachgesagt. Im Nordosten gibt es wiederum teils Verbindungen zwischen der rechten Szene und kriminellen Motorradclubs.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde bislang ein Rockerverein verboten: im Jahr 2014 „Schwarze Schar MC Wismar” und dessen Teilorganisation «Schwarze Jäger MC Wismar». Auf das Konto der Mitglieder gingen mehrere Gewaltverbrechen. Auch in der Viertorestadt sind Rocker bei der Justiz keine Unbekannten. Der wohl umfangreichste Prozess der Neubrandenburger Justizgeschichte richtete sich 2014 und 2015 gegen Mitglieder des Clubs Mongols wegen bandenmäßigen Drogenhandels.

 

 

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