NICHT GENUG SCHUTZMITTEL

Bestatter senden flammenden Appell nach Schwerin

Bestatter kümmern sich, wenn das Leben endet – auch in Zeiten der Corona-Krise. Dafür sind sie auf Hygiene und Schutz angewiesen. Doch ihr Beruf gilt nicht als systemrelevant – und die Reserven gehen zur Neige.
Doreen Peter sorgt sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Bei Bestattern wird die Schutzausrüstung knapp.
Doreen Peter sorgt sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Bei Bestattern wird die Schutzausrüstung knapp. NK-Archiv/H. Nieswandt
Bevor jemand beigesetzt wird, kümmern sich Bestattungsunternehmen um Verstorbene. Doch die schlagen jetzt Alarm.
Bevor jemand beigesetzt wird, kümmern sich Bestattungsunternehmen um Verstorbene. Doch die schlagen jetzt Alarm. Sophia Kembowski
Neubrandenburg.

Doreen Peter ist Bestatterin, betreibt Niederlassungen in Neubrandenburg und Friedland. Und sie ist stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes deutscher Bestatter (BDB). Auch ihre Berufsgruppe hat die Corona-Krise ereilt. Denn Bestattungsunternehmen zählen im Land ihren Angaben zufolge nicht zu den sogenannten „systemrelevanten Berufen“. Die Folge: „Wir bekommen von unseren Zulieferern keine Desinfektionsmittel oder schützende Hygienemittel wie Handschuhe, Schutzanzüge oder Mundschutz mehr“, so Doreen Peter. Die systemrelevanten Berufe hätten hier Vorrang, was Doreen Peter auch für vernünftig hielte, würden die Bestattungsunternehmen ohne Wenn und Aber dazugehören. Hinzu komme, dass Mitarbeiter ohne Systemrelevanz eben auch keinen Anspruch auf Kindernotbetreuung hätten.

Bestatterin beschreibt Arbeit in drastischen Worten

„Es geht in diesen Tagen noch gar nicht um mögliche Corona-Verstorbene“, macht die Fachfrau deutlich – auch wenn das Virus auch nach dem Tod noch ansteckend sein kann. Grundsätzlich werde aber jeder Leichnam mit Handschuhen angefasst und auch im weiteren Verlauf der Vorbereitung auf die Bestattung müssten Hygieneregeln eingehalten werden. Immerhin habe sie auch eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. „Ich muss sie schützen“, so die gebürtige Friedländerin. Dabei gehe es in erster Linie um hochinfektiöse Krankheiten wie den sogenannten Krankenhaus-Keim, Hepatitis oder den HIV-Virus. Daher fordert die stellvertretende Landesvorsitzende die Landesregierung rigoros auf, dass ihre Berufsgruppe den Status „systemrelevant“ erhält. Nur zwei Bundesländer in Deutschland – Berlin und Baden-Württemberg – hätten das bisher so gemacht.

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Dazu hat sie einen flammenden Brief an die Landesregierung nach Schwerin geschickt. „Wir sind gezwungen, ohne Schutz zu arbeiten. Im Klartext bedeutet dies für unsere Mitarbeiter Windeln, Kot, Urin, Blut, Schleim ohne Handschuhe zu entfernen oder keine hygienische Grundversorgung an Verstorbenen mehr durchzuführen“, findet sie drastische Worte. Und abschließend: „Ich appelliere an Ihren Menschenverstand und bitte um sofortige Unterstützung.“

Krisenstab entscheidet über Verteilung von Schutzausrüstung

Doch so schnell geht das offenbar nicht, wie eine Nordkurier-Nachfrage beim Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit ergeben hat. „Der Verband hat sich an die Landesregierung gewandt. Es wird derzeit geprüft, ob das Gewerk systemrelevant ist.“ Mehr gab es dazu aus Schwerin nicht, außer noch der Hinweis: Abhängig davon, was und wann geliefert wird, würden die bundesweit bestellten Schutzausrüstungen auf dezentrale Verteilzentren ausgeliefert. „Ein etwaiger Bedarf kann bei den regionalen Meldestellen der Landkreise und kreisfreien Städte angemeldet werden“, heißt es. Der Krisenstab entscheide dann über die Verteilung.

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Kommentare (1)

Wenn die Dame die Stunden nicht bezahlen oder leisten will. Dann muss sie den Garten räumen. Es ist nicht einzusehen warum ältere eine bevorzugte Behandlung bekommen sollen.